Arterielle Verschlusskrankheit

18.05.2017 | Gesundheitsinfos

Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Bei der arteriellen Verschlusskrankheit sind die Gefäße, die Blut in das Gewebe transportieren, verengt oder verschlossen. Das Gewebe erhält nicht ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe und wird so geschädigt - der Patient verspürt oft Schmerzen.

Was ist die arterielle Verschlusskrankheit?

Arterien transportieren Blut vom Herzen in die Gewebe im Körper. Im Laufe des Lebens kommt es oft zu einer Verengung der Arterien, wodurch weniger Blut durch die Gefäße fließen kann. Das Gewebe, welches normalerweise von dem betroffenen Gefäße versorgt wird, erhält nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe und wird so geschädigt - die arterielle Verschlusskrankheit. Der Patient bemerkt dies häufig in Form von Schmerzen, welche anfallsartig auftreten können. Je nachdem, welche Arterien betroffen sind, treten bestimmte Beschwerden auf, welche einem eigenen Krankheitsbild zugeordnet sind:

  • eine Verengung der Beinarterien führt zur peripher arteriellen Verschlusskrankheit, auch Schaufensterkrankheit genannt, mit Schmerzen in den Beinen bei Anstrengung. Pausen - wie das Verweilen vor einem Schaufenster beim Spazierengehen - lindern die Beschwerden. Auch ein Taubheitsgefühl tritt oft auf, und die Füße sind kalt und blass.
  • eine Verengung der Herzkranzgefäße bei der koronaren Herzkrankheit verursacht anfallsartige Brustschmerzen, welche als Angina pectoris (Brustenge) bezeichnet werden.
  • eine Verengung der Arterien, die zum Gehirn führen, kann Schlaganfälle auslösen.
  • Auch andere Gefäße wie die, welche den Darm versorgen, können betroffen sein. Bei der arteriellen Verschlusskrankheit handelt es sich in der Regel um eine chronische Krankheit, bei welcher der Verlauf zwar beeinflusst werden kann und Beschwerden gelindert werden können, aber eine Heilung in der Regel nicht möglich ist. Kommt es zu einem vollständigen Verschluss, spricht man von einem Infarkt. Hierbei handelt es sich um einen Notfall, der ein schnelles Eingreifen erfordert, um ein unwiderrufliches Absterben des Gewebes zu verhindern.

Ursache

Die der arteriellen Verschlusskrankheit kommt es zu einer Verkalkung und Verengung der Herzkranzgefäße, auch Arteriosklerose genannt. Hierbei kommt es zu Fettablagerungen und Entzündungen in den Gefäßwänden. Derartige Fettablagerungen, auch Plaque genannt, können den Blutfluss durch die Gefäße behindern. Forschungsergebnissen zufolge beschleunigen Rauchen (Risikofaktor Nr. 1), ein hoher Cholesterinspiegel, Diabetes und Bluthochdruck die Entwicklung einer Arteriosklerose. Umgekehrt kann das Fortschreiten der Erkrankung durch Beeinflussung dieser sogenannten Risikofaktoren gebremst werden, beispielsweise durch ein Aufhören mit dem Rauchen. Die häufigste Ursache für den vollständigen Verschluss einer Arterie ist, dass sich ein Blutgerinnsel im Gefäß festgesetzt hat. Das Blutgerinnsel kann sich vor Ort gebildet haben, es kann aber auch von einer anderen Stelle des Blutkreislaufs stammen und mit dem Blut bis zu der Stelle transportiert worden sein, an der es sich letztendlich festgesetzt hat. Es gibt einzelne Faktoren, die das Risiko für einen solchen akuten Gefäßverschluss erhöhen:

  • Blutgerinnsel bilden sich leichter bei Personen, die unter Herzerkrankungen leiden, z. B. Vorhofflimmern, Ausbuchtungen (Aneurysmen) in einer oder mehreren Arterien oder künstliche Herzklappen. Der Blutstrom kann sich an solchen Stellen etwas stauen, sodass das Blut kurz ins Stocken gerät und dadurch gerinnt.
  • Bei Arteriosklerose kann es zu einem Einriss der Gefäßinnenwand kommen. Das eingelagerte fetthaltige Material wird freigesetzt und aktiviert die Blutgerinnung.
  • Bei großem Flüssigkeitsmangel wird das Blut dickflüssiger, und es bilden sich leichter Blutgerinnsel.
  • Rauchen und manche Medikament erhöhen die Gerinnungsneigung des Blutes.

Diagnose

Wegweisend sind oft die Schilderungen der Beschwerden durch den Patienten. Typisch sind anfallsartige Schmerzen, welche bei Anstrengung auftreten und in Ruhe nachlassen. Sind die Beinarterien betroffen, so sind die Füße oft kalt und blass und der Puls ist nicht oder nur schwach tastbar. Des weiteren führt man Blutdruckmessungen an Armen und Beinen durch. Auch Ultraschall und eine Katheter-Untersuchung werden durchgeführt.

Therapie

Man unterscheidet zwischen einer Behandlung der chronischen arteriellen Verschlusskrankheit, welche das Fortschreiten der Erkrankung verhindern soll und die Beschwerden lindern, und der notfallmäßigen Behandlung bei einem akuten Infarkt.

Dauerbehandlung

Die wichtigsten Maßnahmen können Sie selbst ergreifen. Insbesondere ist es wichtig mit dem Rauchen aufzuhören. Auch regelmäßige Bewegung trägt in hohem Maße dazu bei, die Blutgefäße offen zu halten, und kann auch die Durchblutung der Füße verbessern. Wichtig ist eine gute Fußpflege (u.a. bequemes Schuhwerk), da auch kleinste Wunden und Druckstellen an den Füßen bei mangelnder Durchblutung schlecht heilen.  Wichtig sind außerdem eine Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung (erhöhtes Cholesterin). Darüber hinaus kann die regelmäßige Einnnahme von sogenannten Plättchenhemmern wie Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) die Erkrankung aufhalten. Bei starken Beschwerden versucht man auch die Durchblutung durch operative Eingriffe zu verbessern, beispielsweise durch Erweiterung der Arterien und Einsetzen von Stents mittels Katheter oder die Überbrückung von Engstellen mittels einer Bypass-Operation.

Notfall

Kommt es zu einem Verschluss eines Blutgefäßes im Bein, so leidet der Patient meist an starken Schmerzen. Der Fuß oder das Bein ist kalt und blass und fühlt sich taub an. Da das Gewebe abzusterben droht, ist ein schnelles Handeln erforderlich. Wählen Sie im Zweifel den Notruf 112! Im Krankenhaus versucht man das Blutgerinnsel aus dem Gefäß zu entfernen oder durch Medikamente aufzulösen, um die Durchblutung wieder herzustellen. Auch gerinnungshemmende Medikamente werden eingesetzt. 

Prognose

Die arterielle Verschlusskrankheit betrifft meist Arterien im gesamten Körper. Bei Patienten, die Beschwerden auf Grund von Verengungen der Beingefäße haben, besteht deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe der Zeit einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Wichtig ist vor allem das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen, was insbesondere durch eine gute Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes und das Aufhören mit dem Rauchen gelingt.

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