Asthma

03.03.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit vorübergehender starker Schwellung der Bronchialschleimhaut, und Verkrampfung der Muskeln in den Bronchialwänden. Dies führt zu (anfallsartigen) Atembeschwerden und Husten.

Fakten

  • Asthma ist eine chronische Lungenkrankheit, bei der sich aufgrund verschiedener Auslöser die Atemwege verengen, was zu Anfällen mit Atemschwierigkeiten führt.
  • Typische Symptome sind Episoden mit Husten, erschwerter Atmung und pfeifenden Geräuschen beim Atmen.
  • Etwa 10 % der Bevölkerung haben einmal in ihrem Leben Asthma.
  • Die Behandlung von Asthma hat das Ziel, Anfällen mit erschwerter Atmung bzw. Atemnot und Husten vorzubeugen sowie die Beschwerden zu vermindern, wenn trotzdem ein Anfall eintritt.
  • Bei etwa der Hälfte aller Kinder mit leichtem Asthma verschwinden die Symptome in der Pubertät.
  • Bei einigen Erwachsenen können sich mit der Zeit Veränderungen in den Atemwegen entwickeln, die nicht mehr rückgängig zu machen sind (irreversibel).

Was ist Asthma?

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit Schwellung der Bronchialschleimhaut und Verkrampfung der Muskeln in den Bronchialwänden. Die Folge ist eine vorübergehende teilweise oder vollständige Verengung der Atemwege: der Betroffene leidet unter Atemnot und starkem Husten. Diese Veränderungen treten typischerweise in Schüben, auch nach bestimmten Auslösern auf. In den Phasen dazwischen haben die meisten Betroffenen keine Beschwerden, die Bronchien sind wieder geweitet. Langfristig kann Asthma allerdings dazu führen, dass sich das Lungengewebe verändert und die Bronchien sich nicht mehr elastisch an die Erfordernisse der Atmung anpassen können.

Typische Symptome sind Episoden mit Husten (v.a. nachts), erschwerter Atmung bis zu Atemnot und pfeifenden Geräuschen (Giemen) beim Atmen. Das Ausatmen dauert länger und strengt an. Die Diagnose wird auf der Grundlage typischer Symptome, der Messung der Lungenfunktion und von Allergietests gestellt.

Asthma kann in jedem Alter auftreten – vom Säuglings- bis zum Rentenalter. Das Vorkommen von Asthma steigt an. Mehr Jungen als Mädchen erkranken vor dem 10. Lebensjahr, was sich in der Pubertät aber wieder ändert. Etwa 10 % der Bevölkerung haben einmal im Leben Asthma.

Was sind die Ursachen für Asthma?

Die Ursachen für Asthma sind nicht vollständig geklärt. Es spielen wahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle, die zum Teil sehr genau erforscht sind. Es wird angenommen, dass Allergien bei Kindern eine wahrscheinliche Ursache sind, während bei Erwachsenen eher überempfindliche Atemwege eine Rolle spielen. Vererbung ist von Bedeutung. Häufig bekommen Kinder, deren Eltern Asthmatiker sind, auch diese Krankheit. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen Asthma und anderen allergischen Krankheiten, z.B. Neurodermitis oder Heuschnupfen. Allergiker tragen ein größeres Risiko, Asthma zu entwickeln als andere. Passives Rauchen und Virusinfektionen gelten als mögliche beitragende Ursachen für die Entwicklung von Asthma. Auch Raumklima (feucht, Schimmelbildung) und Luftverschmutzung sind in Verbindung mit der Krankheit gebracht worden. Faktoren, die dazu beitragen können, dass Asthma entsteht, sind unter anderem Hausstaubmilben, Tierhaare, Rauchen oder Pollen. Berufsbedingtes Asthma ist ein wichtiges Gebiet in der Arbeitsmedizin; mögliche Ursachen sind z.B. Staub und bestimmte Chemikalien. Äußere Belastungen wie Wärme und Kälte, körperliche Aktivitäten, Infektionen, die Einnahme bestimmter Medikamente oder psychische Faktoren können bei Asthmapatienten einen Asthmaanfall auslösen.

Welche Untersuchungen sind wichtig?

Die Ärztin wird Sie genau nach Ihren Beschwerden und möglichen Auslösern befragen; auch Informationen zu Allergien in der Familie sind wichtig. Neben einer üblichen körperlichen Untersuchung werden bestimmte Tests zur Beurteilung der Lungenfunktion durchgeführt (Asthma diagnostizieren). Bei Verdacht auf eine Allergie ist es wichtig, den genauen Auslöser (das Allergen) mit speziellen Tests zu identifizieren, damit der Betroffene diesen möglichst meiden kann.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung von Asthma hat das Ziel, Anfällen mit schwerer Atmung und Husten vorzubeugen sowie die Beschwerden zu vermindern, wenn trotzdem ein Anfall eintritt. Lungenfunktion und körperliches Leistungsvermögen sollen so normal wie möglich sein. Es gibt einige Dinge, die der Patient selbst unternehmen kann, um die Situation zu verbessern:

  • Faktoren vermeiden, die einen Asthmaanfall auslösen können. Das sind Zigarettenrauch und kalte Luft, bei manchen Menschen auch z.B. Haustiere oder Pollen.
  • Körperliche Fitness wirkt sich positiv aus und regelmäßiges Training ist deshalb wichtig.
  • Tagebuch führen, um einen Überblick über die Anfälle zu bekommen.
  • Einem persönlichen Behandlungsplan folgen, der die Selbstkontrolle der Lungenfunktion einschließt.
  • In speziellen Schulungen können Sie sich über Ursachen und Folgen der Krankheit und über mögliche Therapiemöglichkeiten informieren. 

Hauptsächlich zwei Medikamentengruppen werden bei Asthma verwendet.

  • Zur Erweiterung der Atemwege: Beta-2-Sympathomimetika (Spray oder Pulverinhalator), wirken entspannend auf die Muskulatur der Atemwege und erleichtern so den Luftstrom bei der Ein- und Ausatmung. Es gibt kurzwirksame Arten, die einige Stunden wirken, und langwirksame mit einer Wirkung von zwölf bis über 24 Stunden. Die Wirkung setzt bei den kurzwirksamen Medikamenten nach wenigen Minuten ein, bei den langwirksamen kann die Wirkung schnell und langsam einsetzen. Eine andere Art Medikament, das die Atemwege erweitert, sind sogenannte anticholinergische Präparate. Einige, aber längst nicht alle, Patienten mit Asthma profitieren von diesen Wirkstoffen.
  • Zur Eindämmung der Entzündung. In der Regel wird hier inhalatives Kortison (Pulver oder Spray) eingesetzt, das eine entzündungshemmende und vorbeugende Wirkung gegen Anfälle hat. Die Wirkung dieser Medikamente setzt langsam ein. Antileukotriene hemmen die Wirkung von Leukotrienen, die bei Entzündungen wie Asthma oder Rhinitis eine Rolle spielen. Da die Leukotrienproduktion von der Behandlung mit Kortison nicht nennenswert beeinflusst wird, können beide Behandlungsformen ergänzt werden.
  • Von vielen Herstellern sind jeweils mehrere der genannten Medikamente z.B. in einem Spray bereits kombiniert, sodass die Einnahme für den Patienten einfacher ist.
  • Für Patienten mit besonders starken Beschwerden stehen weitere Wirkstoffe zur Verfügung, die die Bronchien erweitern oder noch spezifischer die Entzündungsreaktion bekämpfen. Diese werden seltener angewandt.

Grundsätzlich geht es darum, für die Patienten sowohl bei einem Anfall rasch wirksame Wirkstoffe bereit zu haben als auch (wenn nötig) eine Dauertherapie gegen die Veränderungen in den Bronchien zur Verfügung zu stellen. Bei sehr schwachem Asthma mit eher seltenen Beschwerden kann eine Behandlung mit kurzwirksamen Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege ausreichen. Sonst wird eine entzündungshemmende, vorbeugende Dauertherapie zusätzlich empfohlen. Wenn Sie Kortison als Spray nutzen, ist es sehr wichtig, sich stets nach der Einnahme den Mund gut mit Wasser auszuspülen (Kortison hemmt lokal die Abwehr und kann deshalb zu Pilzinfekten im Mund führen, was sich durch die Spülung verhindern lässt).

Wenn diese Therapie nicht ausreicht, sollten langwirksame Medikamente zur Erweiterung der Atemwege oder Antileukotriene dazu kombiniert werden. Bei schweren Anfällen kann auch Kortison in Tablettenform gegeben werden. Hält ein Anfall an und verschlechtert sich die Atmung trotz Einsatz von geeigneten Sprays, ist es notwendig, den Notarzt zu rufen. In diesen Fällen ist häufig eine Krankenhauseinweisung nötig. Dort können die Ärzte weitere Medikamente spritzen und die Atmung per Sauerstoffmaske unterstützen.

Wie sieht die Prognose aus?

Kinder mit leichtem Asthma haben eine gute Prognose. Bei etwa der Hälfte der Kinder verschwinden die Symptome in der Pubertät. Bei einigen Erwachsenen können sich mit der Zeit bleibende Veränderungen in den Atemwegen entwickeln, sodass die Verengungen chronisch werden. Asthmatiker, die rauchen, sind besonders gefährdet, eine chronische Erkrankung zu entwickeln.

Mit Asthma leben

Je nach Häufigkeit und Stärke der Anfälle beeinflusst das Asthma den Alltag des Patienten. Die meisten jedoch können ganz normal an Arbeit und Freizeitaktivitäten teilnehmen. Es ist wichtig für den Patienten, seine Krankheit genau zu verstehen und damit umgehen zu lernen. Sie sollten Ihren Arzt bitten, Ihnen Ursache und Folge sowie Therapie von Asthma genau zu erklären; zudem ist es oft hilfreich, an speziellen Schulungskursen für Menschen mit Asthma teilzunehmen.

Während der und nach den Anfällen muss man sich ausruhen und kann sich nicht körperlich anstrengen; einige Patienten müssen zudem immer mal wieder für eine kurze Zeit krankgeschrieben werden. Nach und nach lernen die meisten aber Umstände und Faktoren zu vermeiden, die bei ihnen Asthmaanfälle auslösen oder verschlimmern können. Dadurch verringert sich die Häufigkeit der Anfälle.

Darüber hinaus sind die richtigen Medikamente wichtig, um zu verhindern, dass sich Asthmabeschwerden entwickeln oder um sie zu lindern, wenn ein Anfall eintritt. Es stehen wie oben beschrieben ganz verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die einzeln oder kombiniert unterschiedlich eingesetzt und dosiert werden können, um für Sie die geeignete Therapie zu finden. Ihre Ärztin wird Sie entsprechend beraten und die Wirkung der Therapie regelmäßig überprüfen.

Während der ersten Zeit nach der Diagnose ist es wichtig, beim Arzt regelmäßig die Lungenfunktion kontrollieren zu lassen und sich zu informieren, um die medikamentöse Behandlung richtig einzustellen. Es gibt auch kleine Geräte, mit denen Patienten regelmäßig selbst zu Hause prüfen können, ob sie kräftig genug ausatmen können (Peak-Flow-Messung). Diese Kontrollen sind oft hilfreich.

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