Asthmaanfall bei Kindern

04.03.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Ein Asthmaanfall bei Kindern muss sofort behandelt werden: Oft ist ein kurzwirksames Asthmamedikament ausreichend, das inhaliert wird. Sie sollten versuchen, Ruhe zu bewahren und auch das Kind möglichst zu beruhigen. Rufen Sie den Notruf unter der Telefonnummer 112, falls die Beschwerden sich nicht schnell bessern.

Was ist ein Asthmaanfall?

Bei einem Asthmaanfall hat das Kind mehr und mehr Probleme mit der Atmung, hustet evtl. zusätzlich, wird wegen der Atemnot unruhig und ängstlich und erschöpft. Beim Ausatmen sind meist pfeifende Geräusche zu hören. Neben der schnellen Atmung ist ein sehr schneller Herzschlag zu beobachten. Ein Asthmaanfall, der nicht behandelt wird, kann lebensbedrohlich werden. Die meisten Asthmatiker erleiden irgendwann einen Asthmaanfall, manche auch häufiger; bei vielen beginnt die Erkrankung mit einem Anfall. Ein Asthmaanfall wird häufig durch äußere Faktoren ausgelöst, z. B. Infektionserkrankungen, Pollen, Tierhaare, Staub, Rauch, Kälte und Wärme, bestimmte Medikamente, evtl. auch durch psychische Faktoren (Angst oder Ähnliches). Solche Anfälle entstehen oft infolge einer allmählichen Verschlimmerung eines chronischen, möglicherweise unzureichend behandelten Asthmas. Nicht immer kann ein auslösender Faktor festgestellt werden. Asthmaanfälle können nach Schweregrad in leicht, gemäßigt und schwer eingeteilt werden. Leichte und gemäßigte Anfälle zeichnen sich durch eine Verstärkung der Asthmasymptome des Kindes aus, wie z. B. Husten und Kurzatmigkeit. Das Kind wird durch diese Anfälle nicht so stark beeinträchtigt und kann weiterhin sprechen. Solche Asthmaanfälle werden normalerweise von den Eltern oder dem Kind selbst behandelt, indem (die verschriebenen) kurzwirksame Beta-2-Agonisten eingenommen werden. Ein schwerer Asthmaanfall hingegen muss in der Regel vom Notarzt bzw. im Krankenhaus behandelt werden. Da auch ein zunächst mäßig starker Anfall sich evtl sehr rasch verschlimmern kann, sollte man vorsichtshalber einen Notarzt rufen, wenn man sich nicht sicher ist, ob die eigene Therapie wirkt. Ein Blick darauf, wie sich ein schwerer  Asthmaanfall äußert, soll im Folgenden verdeutlichen, wie man reagieren sollte, wenn das Kind einen ernsten Anfall hat.

Wann muss das Kind ins Krankenhaus?

Wenn ein starker Asthmaanfall vorliegt, bestehen die Symptome trotz der Behandlung mit kurzwirksamen Beta-2-Agonisten auch nach 15 bis 30 Minuten weiter oder verschlimmern sich sogar. Manche Kinder erleiden auch innerhalb von zwei bis drei Stunden nach der Behandlung einen Rückfall. In beiden Fällen ist in der Regel eine Einweisung ins Krankenhaus nötig. Das gilt auch, wenn das Kind sehr erschöpft wirkt, vor allem dann, wenn es trotz weiter bestehender Atemnot wieder langsamer atmet, eher still wird und benommen wirkt.

Symptome

Kinder mit einem schweren Asthmaanfall haben am Anfang eines Anfalls deutliche Atemnot, sprechen undeutlich, spüren Schmerzen oder ein Engegefühl in der Brust, husten und müssen sich beim Atmen stark anstrengen. Zudem ist oft ein pfeifendes Geräusch beim Atmen zu hören. Das Kind kann blass werden, sehr schnell atmen und eine erhöhte Herzfrequenz aufweisen (>120/130 Schläge pro Minute). Lassen die Beschwerden nicht nach, wird sich das Kind nach einer Weile erschöpft und schwach fühlen. Es hat keine Kraft mehr heftig zu atmen oder zu husten, sondern wird ganz still und wirkt evtl benommen. Dies ist ein Alarmsignal für einen lebensbedrohlichen Zustand, auf das sofort reagiert werden muss; ein Notarzt sollte so schnell wie möglich vor Ort sein.

Behandlung

Zu Beginn des Anfalls sollten die Eltern soweit möglich dafür sorgen, dass das Kind Ruhe bekommt, möglichst an einem kühlen Ort, wo es eine bequeme Position einnehmen kann. Es sollte während eines Asthmaanfalls auf keinen Fall alleine gelassen werden. Möglicherweise hat das Kind bereits in einer Schulung Techniken erlernt, die die Atmung erleichtern und Sie können es ermuntern diese anzuwenden. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Medikamente für die Akutbehandlung, die ein Arzt verschreiben kann. Ist Ihr Kind bereits wegen Asthma in Behandlung, wird Ihnen die Ärztin für solche Notfälle einem genauen Plan aufgeschrieben und erklärt haben. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie den Anweisungen des Arztes folgen und schnell das Medikament geben, das er für diesen Fall verschrieben hat. Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung von Asthmaanfällen sind kurzwirksame Beta-2-Agonisten, die inhaliert werden. Sie wirken, indem sie die verengten Atemwege erweitern, sodass die Luft wieder leichter durch die Bronchien strömen kann. Je nach Alter des Kindes wird das Medikament mithilfe eines Verneblers oder einer Inhalationskammer verabreicht (siehe Behandlung von Asthma bei Kindern). Die Gabe des Beta-2-Agonisten kann alle 20–30 Minuten wiederholt werden, falls sich die Symptome erst bessern, dann aber wieder verschlechtern. Möglicherweise hat Ihr Arzt zusätzlich die Gabe von Kortison verschrieben, das Sie Ihrem Kind dann auch geben sollten. Wenn sich die Symptome nicht schnell verbessern, sie nach kurzer Zeit erneut auftreten oder das Kind sehr erschöpft ist, sollte ein Arzt gerufen werden. Der Arzt entscheidet, ob andere Medikamente gegeben und ob das Kind ins Krankenhaus eingewiesen werden sollte. Bei ernsten Anfällen ist es häufig notwendig Sauerstoff zuzuführen. Außerdem könnte es sein, dass Flüssigkeit oder weitere Medikamente direkt ins Blut injiziert werden müssen.

Verlaufskontrolle

Ein Asthmaanfall kann darauf hindeuten, dass sich die Krankheit verschlimmert hat. In der folgenden Zeit sollte der Zustand intensiv kontrolliert und der Behandlungsplan neu überdacht werden. Es ist sinnvoll. das Kind nochmals vom Arzt untersuchen zu lassen und die Medikation zu besprechen.

deximed.de