Behandlung von COPD

08.03.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung von COPD. Durch die Medikamente wird die Krankheit an sich nicht geheilt, aber bei den meisten Patienten vermindern sie die Beschwerden und führen zu einer Verbesserung der Lebensqualität.

Internationale Leitlinien bezogen auf den Schweregrad

Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) entstehen durch Veränderungen des Bronchialgewebes bleibende Schäden der Lungen. Dies führt im Verlauf zu unumkehrbarer Verschlechterung der Lungenfunktion mit zunehmender Atemnot, vermehrter Schleimproduktion und chronischem Husten. Als Medikamente eignen sich zum einen bronchienerweiternde Wirkstoffe: Beta-2-Sympathomimetika (Beta-Agonisten) oder Anticholinergika. Auch das seltener verordnete Theophyllin wirkt über eine Öffnung der Atemwege. Zum anderen soll die chronische Entzündungsreaktion durch Glukokortikoide (Kortison) oder Phosphodiesterase-4-Hemmer (PDE-4-Hemmer) gedämpft werden. Die Medikamente werden in der Regel als inhalative Präparate verschrieben. Da eine COPD durch Rauchen verstärkt wird, gilt als erste Maßnahme mit dem Rauchen aufzuhören; zudem sollte der Patient möglichst körperlich aktiv sein.

Stufentherapie

Es wird eine Stufentherapie empfohlen, bei der ein höherer Schweregrad auch intensivere Behandlungsformen erfordert.

  • Stufe I – leichte COPD:
    • Risikofaktoren vermeiden (Rauchen) – gilt grundsätzlich!
    • Grippeimpfung
    • bei Bedarf Verabreichung von kurzwirksamen bronchialerweiternden Präparaten (Bronchodilatatoren)
    • Ist der kurzwirksame Bronchodilatator nicht ausreichend wirksam, können als 2. Wahl auch langwirksame Bronchodilatatoren oder eine Kombination aus zwei kurzwirksamen Bronchodilatatoren zum Einsatz kommen.
  • Stufe II – mittelschwere COPD:
    • Gabe von langwirksamen bronchialerweiternden Präparaten für den regelmäßigen Gebrauch, v.a. Tiotropium; einzeln oder kombiniert
    • Zusätzlich oder alternativ können kurzwirksame Bronchodilatatoren oder Theophyllin eingesetzt werden.
  • Stufe III – schwere COPD:
    • Gabe von inhalativen Glukokortikoiden in Kombination mit langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika bei wiederholten Verschlechterungen der Krankheit (Exazerbationen)
    • Alternativ können zwei verschiedene Bronchodilatatoren in Kombination oder auch ein lamgwirksamer Bronchodilatator zusammen mit einem sog. PDE-4-Hemmer verordnet werden.
    • Auch kurzwirksame Bronchodilatatoren und Theophyllin können in diesem Stadium geeignet sein.
  • Stufe IV – sehr schwere COPD:
    • Gabe von inhalativen Glukokortikoiden in Kombination mit langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika bei wiederholten Verschlechterungen der Krankheit (Exazerbationen).
    • Als 2. Wahl gelten verschiedene Kombinationen aus inhalativen Glukokortikoiden mit verschiedenen langwirksamen Bronchodilatatoren und einem PDE-4-Hemmer.
    • Auch in diesem Stadium können zusätzlich kurzwirksame Bronchodilatatoren und/oder Theophyllin nützlich sein.
    • Zusätzlich kann Acetylcystein das Abhusten des Schleims erleichtern.

Weitere Maßnahmen

Rehabilitation und andere unterstützende Maßnahmen

  • Entsprechende Programme werden ab Schweregrad II empfohlen.
  • Körperliches Training und Rauchstopp sind für alle Patienten mit COPD sinnvoll.

Langzeitsauerstofftherapie bei chronischer Ateminsuffizienz

  • Studien zufolge kann v.a. in Stadium IV eine dauerhafte Sauerstofftherapie (>15 Stunden/Tag) die Prognose für Patienten mit COPD verbessern.
  • Voraussetzungen hierfür ist, dass die Lungenfunktion des Patienten nicht mehr ausreicht, um bestimmte Mindestwerte der Sauerstoffversorgung für den Körper zu gewährleisten.
  • Die Sauerstoffgabe muss allerdings sorgfältig auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein, da zu viel Sauerstoff dazu führt, dass der Patient zu flach atmet und v.a. nicht genug Kohlendioxid ausatmet. Dies kann zu schweren Symptomen bis hin zum Tod führen.
  • Raucher dürfen wegen der Explosionsgefahr nicht mit Sauerstoff therapiert werden.
  • In speziellen Fällen ist auch eine Art der Beatmung zu Hause sinnvoll. Hier atmet der Patient nicht ganz selbstständig die mit Sauerstoff angereicherte Luft ein (wie bei der Sauerstofftherapie), sondern wird in seiner Atemtätigkeit noch zusätzlich etwas unterstützt (allerdings keine invasive künstliche Beatmung). 

Chirurgische Maßnahmen

  • Selten können chirurgische Eingriffe an der Lunge die Krankheitssymptome verbessern. • Möglich sind die Entfernung von sehr aufgeblähten einzelnen Lungenbläschen oder gar eines kleinen Anteils der Lunge, der bereits völlig geschädigt ist, um die Funktion der restlichen Lunge zu verbessern. • Bei sehr schlechter Lungenfunktion kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Lungentransplantation durchgeführt werden.

Therapie der akuten Verschlechterung (Exazerbation)

  • Erleidet der Patient eine plötzlich verstärkte Atemnot mit vermehrtem Husten und Schleimproduktion, evtl. Fieber, wird eine zusätzliche Therapie nötig,
  • Kurzwirksame Bronchodilatatoren kommen intensiver zum Einsatz.
  • Sinnvoll sind meist auch Glukokortikoide als Tablette.
  • Antibiotika sind meist von Nutzen, wenn Symptome einer bakteriellen/viralen Infektion bestehen.
  • In schweren Fällen ist eine Einweisung ins Krankenhaus nötig; dort kann eine vorübergenede künstliche Beatmung erforderlich sein,

Bronchodilatatoren

Bronchodilatatoren sind eine Gruppe von Medikamenten, die die Obstruktion (Verengung) der Atemwege reduzieren bzw. die Bronchien erweitern; sie werden bei vielen Patienten mit COPD in erster Linie zur Symptomlinderung eingesetzt. Es stehen kurzwirksame (4–6 Stunden Wirkung) und langwirksame Bronchodilatatoren (>12 Stunden) zur Verfügung. Mehrere langwirkende Bronchodilatatoren reduzieren die Häufigkeit von Exazerbationen (Verschlechterungen). Es werden zwei unterschiedliche Typen von Bronchodilatatoren verwendet: Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika (Beta-Agonisten). Um die beste Wirkung zu erreichen, kann es notwendig sein, das Präparat zu wechseln oder auch verschiedene Wirkstoffe zu kombinieren.

Beta-2-Sympathomimetika

Beta-2-Sympathomimetika gehören zu den am häufigsten verwendeten Bronchodilatatoren und den wichtigsten Medikamenten für chronische Lungenkrankheiten. Die Medikamente werden eingeatmet (inhaliert), sodass sie direkt in die Atemwege gelangen. Das Erlernen einer guten Inhalationstechnik ist wichtig. In dieser Gruppe gibt es viele verschiedene Medikamente, und die meisten haben einen ähnlichen Effekt. Man unterscheidet zwischen solchen mit einer schnellen, aber kurz andauernden Wirkung und solchen, bei denen die Wirkung langsamer einsetzt, aber länger anhält. Kurzwirksame Mittel sind z. B. Salbutamol und Terbutalin. Beispiele für langwirksame Präparate sind Salmeterol, Formoterol und Indacaterol. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Zittern, Herzrasen, Angst und Kopfschmerzen. Bei schweren Herzerkrankungen oder erhöhtem Stoffwechsel ist eine gewisse Vorsicht bei der Verwendung dieser Substanzen notwendig. Bei Patienten mit Diabetes mellitus kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel auftreten, und möglicherweise muss ihre Diabetesbehandlung angepasst werden.

Anticholinergika

Diese Medikamente werden ebenfalls in die Atemwege inhaliert. Sie wirken auf diese erweiternd, da sie die Muskeln in den Bronchien entspannen. Beispiele für Anticholinergika sind Ipratropium und Tiotropium, wobei Tiotropium sich Ipratropium gegenüber als vorteilhaft erwiesen hat. Anticholinergika wirken langsamer als Beta-2-Sympathomimetika und eignen sich besser für eine langfristige Anwendung. Die Wirkung nimmt mit der Zeit nur wenig ab; die häufigste Nebenwirkung ist Mundtrockenheit. In seltenen Fällen können bei Patienten Sehstörungen (Akkommodationsstörungen) und Probleme beim Wasserlassen auftreten.

Kortikosteroide

Kortikosteroide, oft einfach als Steroide/Kortison bezeichnet, sind entzündungshemmende Medikamente. Sie können entweder eingeatmet (inhalative Steroide) oder in Form von Tabletten eingenommen werden. Die Langzeitanwendung von inhalativen Steroiden wird bei COPD in einem frühen Stadium in der Regel nicht empfohlen. Die regelmäßige Behandlung mit inhalativen Steroiden in Kombination mit Beta-2-Sympathomimetika wird für Patienten mit schlechter Atemfunktion empfohlen (FEV1 gleich oder unter 50 %) und in einigen Fällen bei akuter Verschlechterung, die zudem eine Antibiotikabehandlung erfordert. Inhalative Steroide sind z. B. Fluticason, Beclometason und Budesonid. Bei der Anwendung von inhalativen Steroiden kommen schwerwiegende Nebenwirkungen viel seltener vor als bei der Einnahme von Tabletten; es können aber ein trockener Hals, Heiserkeit, blaue Flecken der Haut, Schwellungen im Gesicht und Infektionen in Mund- und Rachenraum auftreten. Wenn diese Symptome bei Ihnen auftreten, müssen Sie einen Arzt aufsuchen. Um Infektionen im Mund vorzubeugen, ist es wichtig, gleich nach jeder Inhalation den Mund sorgfältig mit Wasser auszuspülen. Tablettenbehandlungen mit Kortison erfolgen hauptsächlich als kurzzeitige Anwendungen bei Exazerbationen (Verschlechterungen), dabei treten weniger Nebenwirkungen auf als bei langfristigen Behandlungen mit Tabletten. Im Allgemeinen wird eine kontinuierliche Tablettenbehandlung für Patienten mit COPD nicht empfohlen.

Phosphodiesterase-4-Hemmer

PDE-4-Hemmer wirken ebenfalls entzündungshemmendund werden daher in Kombination mit Bronchodilatatoren bei COPD eingesetzt. Manche Patienten leiden an Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme oder Niedergeschlagenheit.

Sauerstoffbehandlung

Bei sehr schwerer COPD kann die Lungenfunktion so beeinflusst sein, dass die Lunge nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann. Gleichzeitig kann auch nicht mehr ausreichend Kohlendioxid, das „Abgas“ des Körpers, abgegeben werden. Diese Patienten benötigen eine Sauerstofftherapie. Abhängig von den Symptomen und Wünschen des Patienten kann eine Sauerstofftherapie unterschiedlich durchgeführt werden. Meistens werden sowohl fest installierte als auch tragbare Sauerstoffgeräte verwendet. Meistens befindet sich ein fest installierter Apparat zu Hause. Der Sauerstoff wird in der Regel durch einen mit der Nase verbundenen Schlauch zugeführt.

Antibiotika

Bei COPD-Patienten sind häufig auftretende Exazerbationen (Verschlechterungen) eines der schwerwiegendsten Probleme. Die geschädigten Lungen sind anfälliger für Infektionen. Darüber hinaus wirken sich schwere Erkrankungen wie COPD negativ auf das Immunsystem aus. Die jährliche Grippeimpfung ist daher für COPD-Patienten wichtig, außerdem sollten sie gegen Lungenentzündung (Pneumokokken) geimpft sein. Während einer Exazerbation können Symptome auftreten wie Husten, vermehrte Atemnot, erhöhte Schleimproduktion mit gelblichem Schleim und manchmal Fieber. Die Verschlechterungen (Exazerbationen) werden üblicherweise entweder durch Viren oder Bakterien verursacht. Es ist wichtig, COPD-Patienten während dieser Exazerbationen mit Antibiotika (zur Abtötung der Bakterien) zu behandeln. Bei schweren Exazerbationen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Studien zufolge kann eine Langzeittherapie (1 Jahr) mit einem bestimmten Antibiotikum die Anzahl von Exazerbationen v.a. bei älteren Patienten und solche mit leichten Symptomen verringern.

Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität)

COPD tritt oft zusammen oft mit anderen Erkrankungen auf wie Herzerkrankungen, Osteoporose, Diabetes mellitus usw. Liegen mehrere (chronische) Krankheiten gleichzeitig vor, sprechen Ärzte von Multimorbidität. Diese Begleiterkrankungen können bei allen Schweregraden der COPD auftreten; sie sind grundsätzlich bei Patienten mit schwerer COPD als schwerer zu beurteilen als bei nicht lungenkranken Personen. Der Arzt muss immer die Begleiterkrankungen berücksichtigen und entsprechend behandeln. Dabei kann es sich um eine Behandlung mit Medikamenten handeln, die Herz und Gefäße schützen, zum Beispiel bei einer Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) oder Bluthochdruck, und Medikamente, die die Herzfunktion stärken.

Chirurgische Maßnahmen bei COPD

Chirurgische Behandlungen der COPD sind ungewöhnlich, aber in ganz besonderen Situationen können sie notwendig sein. Darüber hinaus werden derzeit Verfahren entwickelt, bei denen durch eine „Schlüsselloch-Behandlung“ (minimalinvasive Chirurgie) durch die Luftröhre (Bronchoskopie) die am schlechtesten funktionierenden Teile der Lunge deaktiviert werden können. Unter ganz besonderen Umständen kann bei jüngeren Patienten mit COPD, die mit dem Rauchen aufgehört haben, manchmal eine Lungentransplantation erwogen werden.

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