Demenz

17.02.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Demenz ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Die Ursachen für Demenz sind vielfältig. Unter anderem sind Strukturveränderungen im Hirngewebe (wie bei der Alzheimer-Krankheit) und Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn dafür verantwortlich.

Was ist Demenz?

Demenz ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Erkrankungen des menschlichen Gehirns. Kennzeichen der Demenz sind eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung und anderer geistiger Fähigkeiten, Probleme im Umgang mit Emotionen und Schwierigkeiten mit der Bewältigung von Alltagssituationen. Typische Symptome für Demenz sind:

  • Verschlechterung der Gedächtnisleistung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwindendes Urteilsvermögen
  • Schwindendes Planungsvermögen
  • Verringerte Fähigkeit, abstrakt zu denken – von Demenz Betroffene interpretieren Dinge oft buchstäblich.
  • Verändertes Sprechen; zunächst fallen Wortfindungsstörungen auf, im Verlauf reden die Patienten häufig unzusammenhängend und wiederholen sich häufig. Schließlich können sie einem Gespräch gar nicht mehr folgen.
  • Probleme mit einfachen Alltagsaufgaben, zum Beispiel in späten Stadien sogar mit dem Ankleiden oder Essen.
  • Emotionale Instabilität, Reizbarkeit, Initiativlosigkeit und sozial unpassendes Verhalten.
  • Im Verlauf erkennen die Betroffenen selbst engste Angehörige nicht mehr.
  • In späten Phasen ausgeprägte Blasen- und Darmschwäche, Gangstörungen, Kraftmangel, Gewichtsverlust.

In Deutschland leiden ca. 1 Million Menschen an Demenz, davon die allermeisten an Altersdemenz. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit. In der Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen sind etwa 1,5 % von Demenz betroffen, bei den über 90-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei 32–39%.

Ursache

Es gibt viele Ursachen für Demenz. Ein Teil der Demenzerkrankungen, unter anderem die Alzheimer-Krankheit, beruht auf einer Schädigung der Funktion und Struktur des Hirngewebes aufgrund verschiedener Veränderungen. Andere Demenzformen sind auf Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn zurückzuführen, aber auch Faktoren wie Vitaminmangel, Stoffwechselstörungen oder Alkoholmissbrauch können eine Demenz verursachen.

Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, ist höher, wenn Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen oder bestimmte Medikamente eingenommen werden. Auch neurologische Erkrankungen oder schädliche Einflüsse auf das Gehirn, wie Epilepsie, Schädelverletzungen, Alkoholmissbrauch oder Schädigungen durch Lösungsmittel, erhöhen das Risiko, eine Demenzerkrankung zu entwickeln.

Diagnostik

Besonders wichtig ist die Krankengeschichte. Der Arzt zieht Schlüsse aus den Symptomen und dem Verhalten der Betroffenen. Dazu kommen eine allgemeine körperliche und spezielle neurologische Untersuchung. Dabei sucht der Arzt besonders nach Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere neurologische Erkrankungen.

Es folgen genaue Untersuchungen zur Beurteilung der geistigen Funktionen und auf das Vorliegen möglicher psychischer Erkrankungen mithilfe verschiedener Testverfahren, wie z. B. einer Depression. Mit verschiedenen Blutuntersuchungen werden mögliche Stoffwechselstörungen und andere eventuelle Ursachen für die Symptome abgeklärt. Außerdem erfolgt ein EKG (eine Untersuchung der Herztätigkeit), in einigen Fällen auch eine Computertomografie oder MRT-Untersuchung des Gehirns.

Behandlung

Das wichtigste Ziel der Therapie ist es, für die Betroffenen und ihre Angehörigen Sicherheit zu schaffen. Wenn es behandelbare Ursachen für die Erkrankung gibt, dann werden diese Ursachen therapiert. Dies gilt zum Beispiel für Stoffwechselerkrankungen oder Mangelerscheinungen. Wichtig ist, dass die Betroffenen sich darum bemühen, ihre geistigen Fähigkeiten so lange wie möglich zu trainieren und aufrechtzuerhalten, und auch, dass sie sich nicht zurückziehen und passiv werden.

Es gibt momentan keine wirksamen Medikamente gegen die Entwicklung oder das Fortschreiten einer Demenz. Für Patienten, die an der Alzheimer-Krankheit leiden, gibt es jedoch Medikamente, die zumindest bei einigen Betroffenen die Symptome ein wenig lindern oder hinauszögern können. Aggressivität und übergriffiges Verhalten können mit sogenannten Neuroleptika behandelt werden, die meist jedoch nur vorübergehend eingesetzt werden. Schlafprobleme können ebenfalls behandelt werden.

Begleitend sind meist kognitive Trainingsmethoden, Musiktherapie, Ergotherapie und verschiedene ähnliche Verfahren sinnvoll.

Daneben sind auch Maßnahmen zur Verbesserung der konkreten Lebenssituation notwendig, unter anderem durch Einbeziehung der Angehörigen. Körperliches Training kann nachgewiesenermaßen positive Auswirkungen auf die Aktivität im Alltag und möglicherweise auch auf die kognitiven Fähigkeiten haben.

Es gibt verschiedene Hilfeleistungen und kommunale Einrichtungen wie z. B. ambulante Pflege oder Unterstützung im Haushalt. Auch ein vorübergehender oder längerer Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung ist möglich. Es gibt Patientenorganisationen, die Hilfe und Rat bieten, zum Beispiel die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz.

Prognose

Eine Demenzerkrankung entwickelt sich normalerweise langsam und allmählich und ihre Entwicklung wird häufig in drei Phasen eingeteilt:

  • Phase 1: Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten, sich an Namen von Dingen und Menschen zu erinnern.
  • Phase 2: Größere Sprachprobleme, Koordinationsprobleme, Schwierigkeiten mit alltäglichen Aufgaben. Auch vertraute Personen erkennt der Betroffene nicht mehr.
  • Phase 3: Körperliche Schwäche, eingeschränkte Mobilität bzw. zunehmende Bettlägerigkeit, Harninkontinenz.

Die Erkrankung verschlechtert sich nach und nach. Zunehmend wird auch das Immunsystem geschwächt und viele Betroffene leiden unter Infektionen, insbesondere Lungenentzündungen. Die meisten Demenzkranken werden mit der Zeit immer pflegebedürftiger. Im Endstadium der Erkrankung müssen Betroffene oft von zu Hause in eine Pflegeeinrichtung umziehen.

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