Durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen

29.06.2017 | Gesundheitsinfos

Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die aufgrund längerer Einnahme von Medikamenten gegen Kopfschmerzen auftreten. Der Effekt ist also entgegengesetzt zu dem gewünschten: Medizin gegen Kopfschmerzen verursacht Kopfschmerzen.

Was sind durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen?

Wenn Sie gewöhnliche Schmerzmittel mehr als 15 Tage pro Monat oder Migräne-Medikamente mehr als 10 Tage pro Monat verwenden, besteht die Gefahr, durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen zu entwickeln. Wenn die ursprünglichen Kopfschmerzen sogenannte Spannungskopfschmerzen waren, werden die durch Medikamente ausgelösten Kopfschmerzen oft Spannungskopfschmerzen ähneln, mit Schmerzen, wie ein straffes Band über die Stirn, Schläfen und oft auch den Hinterkopf. Bei Patienten, die wegen Migräne behandelt werden, ist der Schmerz oft halbseitig und pulsierend und ähnelt gewöhnlicher Migräne. Möglicherweise können Sie häufigere Migräneattacken als früher erleben. Oft ist der Kopfschmerz durch Schmerzmittel auch ein diffuser, drückender Schmerz im gesamten Kopf, der nur selten von Übelkeit begleitet wird. Darüber hinaus werden durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen oft durch andere Beschwerden wie Müdigkeit, Übelkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisverlust, Depression und Schlafstörungen begleitet.
Typisch für durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen ist, dass die Symptome sich zu Beginn verschlimmern, wenn man das Medikament absetzt.

Ursache

Die Erkrankung kann sich bei Patienten mit Migräne, Spannungskopfschmerzen oder seltener bei Cluster-Kopfschmerz entwickeln. Alle schmerzlindernden Medikamente, auch die rezeptfreien, können bei Langzeitgebrauch zu Kopfschmerzen führen. Die Gefahr scheint groß, wenn Medikamente verwendet werden, die zwei schmerzlindernde Substanzen kombinieren, und am größten, wenn die Medikamente Stoffe enthalten, die abhängig machen. Die Gefahr steigt mit der Häufigkeit der Medikamenteneinnahme und ist am größten bei täglichem Gebrauch. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass auch die nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimittel Paracetamol und Ibuprofen durch Medikamente ausgelöste Kopfschmerzen verursachen können. 

Diagnostik

Die Diagnose wird auf Grundlage der Anamnese gestellt. Sie müssen mit Ihrem Arzt den Gebrauch von Schmerzmitteln besprechen – einschließlich rezeptfreier Medikamente. Wenn der Einsatz von Schmerzmitteln für mehr als drei Monate andauert und die Kopfschmerzen anhalten, gibt es Grund, diese Diagnose zu vermuten.
Es kann sowohl für Sie selbst als auch für Ihren Arzt nützlich sein, wenn Sie eine Liste über die Kopfschmerzen und die eingenommen Medikamente führen: z. B. einen Kopfschmerz-Kalender.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist es, die Häufigkeit und Schwere von Kopfschmerzen sowie die Notwendigkeit, Medikamente zu nehmen, zu reduzieren. Wenn möglich, wird versucht, die Medikamente abzusetzen.
Wenn es nicht möglich ist, die Medikamente einfach abzusetzen, kann ein Therapieversuch mit Topiramat (ein Mittel zur Prophylaxe von Migräne) oder mit Injektionen von Botulinumtoxin (Botox) in die Nacken- und Kopfmuskulatur vorweg versucht werden. Hierunter sollte sich die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich senken lassen. Ist dies nicht möglich, müssen auch hier alle Schmerzmittel abgesetzt werden.
Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die Schmerzmedikation zu stoppen. Mit Ausnahme von abhängig-machenden Medikamenten, d. h. Medikamente, die Opiate oder Benzodiazepine enthalten, ist es möglich, die Einnahme abrupt zu stoppen. Dies führt bei allen zu Entzugserscheinungen, das heißt ein paar Tage erhöhte Kopfschmerzen und oft Unruhe, Schwindel und Herzklopfen. In den meisten Fällen werden diese Kopfschmerzen und das Unwohlsein nach ein paar Tagen vorbei sein, bei einigen kann es bis zu zwei Wochen dauern.
Es kann notwendig sein, Medikamente zu verwenden, um die Entzugserscheinungen zu lindern, aber bei den meisten ist dies nicht notwendig. Manchmal ist eine kurze Krankmeldung hilfreich. Es ist sinnvoll, einen Plan zu machen, wie die Abstinenzzeit gemeistert werden kann, und eine gute Motivation hilft.
Es kann hilfreich sein, regelmäßig zu schlafen und zu essen, sich zu bewegen und an die frische Luft zu gehen. Einige Patienten profitieren von einem Entspannungsprogramm und angenehmen Aktivitäten.
In der Regel kann man einen langsamen Fortschritt über mehrere Wochen bemerken, nachdem die Medikamenteneinnahme gestoppt wurde. Aber viele werden auch nach ein paar Monaten feststellen, dass die Kopfschmerzen, gegen die sie ursprünglich behandelt wurden, zurückkommen. Wenn das passiert, ist es wichtig, andere Therapien in Betracht zu ziehen, als die, die zu den Beschwerden geführt haben. Akupunktur eignet sich beispielsweise dazu, Migräne vorzubeugen. Und es gibt vorbeugende Medikamente sowohl gegen Migräne (z. B. Beta-Blocker) als auch gegen Spannungskopfschmerzen (z. B. Amitriptylin), die eine Option sein können.

Prognose

Auf kurze Sicht sind die Ergebnisse sehr gut, die durch Medikamente ausgelösten Kopfschmerzen treten nicht auf, solange man den Gebrauch von Schmerzmitteln nicht wieder aufnimmt. Bei einigen werden die ursprünglichen Kopfschmerzen zurückkehren. Dann kommt es darauf an, dass diese auf eine andere Weise behandelt werden. Viele Patienten benötigen Hilfe und Unterstützung, um langfristig einen Übergebrauch von Schmerzmitteln zu vermeiden. 

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