Grauer Star (Katarakt)

06.06.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Der Graue Star – die Eintrübung der Linse im Auge – kommt bei älteren Menschen häufig vor. Im jüngeren Alter ist er hingegen ungewöhnlich und tritt in der Regel infolge von Verletzungen oder Krankheiten auf.

Was versteht man unter einem Grauen Star?

Beim Grauen Star handelt es sich um eine Erkrankung, bei der sich die Linse im Auge trübt und zunehmend undurchsichtig wird. Eine gesunde Linse besteht aus Eiweißstoffen und zu 40% aus Wasser: sie ist elastisch und durchsichtig wie eine Art Gel, umgeben von einer dünnen, festeren Kapsel. Mit dem Alter nimmt der Wassergehalt ab, und die im Laufe des Lebens gebildeten sog. Linsenfasern werden immer dichter. Als Folge wird die Linse langsam fester und weniger durchsichtig – die Linsentrübung setzt ein und beeinträchtigt das Sehvermögen zunehmend.

Bei manchen Betroffenen verstärken sich die Symptome langsam, fast unmerklich, bei anderen verschlechtert sich das Sehvermögen rasch und führt bereits nach wenigen Wochen zu spürbaren Veränderungen. Die Beschwerden beginnen oft zunächst an einem Auge und greifen in der Regel im Laufe der Zeit auf das andere Auge über. Ein Grauer Star ist schmerzfrei, brennt oder juckt nicht in den Augen. Bei moderaten Veränderungen kann der Graue Star auch völlig beschwerdefrei sein.

Grundsätzlich resultiert jedoch ein herabgesetztes Sehvermögen, ein „verschleiertes Sehen" sowohl in der Nähe als auch Ferne. Manche Menschen können bei abgeblendetem Licht besser sehen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Pupille in der Dunkelheit erweitert und somit die Lichtstrahlen durch einen größeren Linsenbereich gelangen können. Das betroffene Auge kann immer kurzsichtiger werden. 

Der Graue Star kommt besonders häufig bei älteren Patienten vor, kann aber auch – deutlich seltener – angeboren sein. Bei jüngeren Menschen entsteht diese Krankheit in der Regel durch Verletzungen oder andere Augenerkrankungen.

In der Regel lässt sich der Graue Star in einer Routineoperation heilen, indem eine Kunststofflinse in das Auge eingesetzt wird. 

Häufigkeit

Der Graue Star zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Blindheit. Ein altersbedingter Grauer Star ist für 51 % der weltweiten Blindheit verantwortlich. Dies entspricht etwa 20 Millionen Menschen. Auch in Europa steht der Graue Star bei den Ursachen für Erblindung an 3. Stelle; fast die Hälfte der über 75-Jährigen ist von der Linsentrübung betroffen. Menschen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) erkranken häufig bereits im frühen Erwachsenenalter. 

Ursache

Die Entstehung des Grauen Stars ist in der Regel auf den normalen Alterungsprozess zurückzuführen. Was genau die Augenlinsentrübung bewirkt, ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. In den meisten Fällen sind nach und nach beide Augen betroffen. Dazwischen können jedoch einige Jahre liegen.

Der Graue Star kann aber auch aufgrund einer anderen Krankheit oder Augenverletzung entstehen. Seltener ist er Teil einer Allgemeinerkrankung oder einer Komplikation, die auf eine Behandlung mit bestimmten Medikamenten zurückzuführen ist. Bei Säuglingen, die mit einem Grauen Star auf die Welt kommen, liegt entweder ein angeborener Defekt zugrunde oder eine Schädigung während der Schwangerschaft (z.B. eine Rötelnerkrankung der Mutter). Einige Krankheiten und äußere Ursachen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Grauen Stars, darunter:

  • Diabetes mellitus Typ 1 oder 2 u. a. Stoffwechselerkrankungen (z.B. Gicht, Schilddrüsenkrankheiten).
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Neurodermitis
  • Kortison-Therapie mit großen Dosen über lange Zeiträume, manche andere Medikamente.
  • Besonders hohe Dosen an Röntgen-, Infrarot- oder UV-Strahlung.
  • Augenverletzungen oder auch Operationen im Auge
  • Wiederholte Regenbogenhautentzündungen oder ein Tumor des Auges.
  • Durchblutungsveränderungen des Auges.
  • Rauchen
  • Mütterliche Erkrankungen während der Schwangerschaft, wie z. B. Röteln, erhöhen die Gefahr für das Kind, mit einem Grauen Star geboren zu werden.
  • Langanhaltende Unterernährung ist v.a. in ärmeren Ländern eine häufige Ursache für einen Grauen Star.

Diagnostik

Die Anamnese ist typisch: die Betroffenen berichten über längere Zeit schlechter werdendes Sehvermögen auf einem oder beiden Augen, dass sie sehr empfindlich gegenüber blendendem Licht sind und zunehmend v.a. Probleme haben, Farben und Kontraste zu erkennen. Für das ärztliche Personal ist es wichtig zu wissen, ob Sie als Patient an einer der oben genannten Risikofaktoren leiden (Stoffwechselerkrankungen, Augenverletzungen etc.).

Nach einem Sehtest wird der Augenarzt Auge und Linse mit speziellen Instrumenten untersuchen, wie z. B. mit einem Augenspiegel und der sog. Spaltlampenuntersuchung. Beim altersbedingten Grauen Star unterscheiden Ärzte v.a. zwischen einer Kernkatarakt, bei der die Trübung im Zentrum der Linse zu sehen ist, und einer Rindenkatarakt mit trüben Bereichen im Außenbereich der Linse. 

Ist eine Operation notwendig, erfolgt die Überweisung zu einem Augenspezialisten. Neben einer gründlichen Augenuntersuchung beurteilt das ärztliche Personal auch den allgemeinen Gesundheitszustand, um einen komplikationslosen Eingriff sicherzustellen.

Behandlung

Der Graue Star ist an und für sich keine gefährliche Krankheit. Da sich das Sehvermögen verschlechtert, kann diese Krankheit jedoch als belastend empfunden werden. Ob, wie und wann Sie sich einer Behandlung unterziehen, unterliegt Ihrer Entscheidung und Ihrem Krankheitsempfinden.

Einigen Menschen hilft es, eine Sonnenbrille zu tragen, damit sich die Pupille nicht so stark verengt und dadurch das Licht durch einen größeren Anteil der Linse einstrahlen kann. 

Ein Grauer Star lässt sich nach wie vor nur operativ beheben. Dabei kommt eine moderne mikrochirurgische Technik zum Einsatz. Diese Technik basiert im Prinzip darauf, die geschädigte Linse mittels Ultraschall zu zerkleinern, um die kleinen Teilchen dann absaugen zu können, wobei die umschließende Kapsel erhalten bleibt. Für ein gutes Sehvermögen muss die entfernte Linse dann ersetzt werden. Heutzutage wird bei dieser Operation nahezu immer eine künstliche Linse eingesetzt. Bei den Eigenschaften künstlicher Linsen wurden beträchtliche Fortschritte gemacht. Gegenwärtig ist es bereits prinzipiell möglich, eine individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Linse einzupflanzen.

Der Eingriff erfolgt in der Regel mittels Lokalanästhesie und ambulant.

Prognose

Die meisten Menschen erleben eine allmähliche Verschlechterung ihres Sehvermögens aufgrund der fortschreitenden Linsentrübung. Wie schnell sich der Zustand verschlechtert, hängt von Person zu Person ab. Ein Grauer Star infolge einer Augenverletzung entwickelt sich hingegen schnell.

Nach der Operation genesen die meisten Patienten wieder vollständig. Bei einem ansonsten normalen Auge erreichen mehr als 95 % der Patienten innerhalb weniger Wochen eine normale oder fast normale Sehkraft. Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen nach dem Eingriff sind sehr selten. Manchmal allerdings bessert sich das Sehvermögen erst sehr verzögert oder selten kaum. Bei einigen Patienten kann es z. B. altersbedingte Veränderungen an der Makula (Gelber Fleck) geben, die sich erst zeigen, nachdem die getrübte Linse entfernt wurde. Dies erklärt auch, warum manche Patienten nach der Operation keine volle Sehkraft zurückerlangen. Ein anderer Grund ist die erneute Bildung einer Katarakt (Nachstar), was sich jedoch meist durch eine Laserbehandlung bessern lässt.

Mit dem Grauen Star leben

Wie stark sich die Erkrankung auf den Alltag und die Lebensqualität auswirkt, ist individuell ganz und gar verschieden. Einige Menschen leben problemlos mit einem Grauen Star, andere nehmen größere Beschwerden wahr.

Das Sehen ist ein wichtiger Sinn des Menschen. Ist die visuelle Wahrnehmung stark beeinträchtigt, wirkt sich dies bei den meisten Menschen massiv auf die Lebensqualität aus. Glücklicherweise können die meisten Patienten mit einem Grauen Star operiert werden und sie können ihre Sehkraft bis zu einem gewissen Grad wiedererlangen. In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Heute verlieren nur wenige Menschen ihr Augenlicht aufgrund eines Grauen Stars.

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