Grüner Star

06.06.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Grüner Star (Glaukom) ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Blindheit in unserem Land, insbesondere im fortgeschrittenen Alter. Ursache ist eine Schädigung des Sehnervs im Auge, oft bedingt durch einen erhöhten Augeninnendruck.

Was ist grüner Star

Als Glaukom (Grüner Star) bezeichnen Ärzte verschiedene Krankheiten des Auges, die Ursache für eine bestimmte Schädigung des Sehnervs im Auge ist. Dies führt dazu, dass die Betroffenen manche Bereiche des Gesichtsfeldes (also des Bildes, das man normalerweise als Ganzes lückenlos vor Augen hat), nicht mehr sehen kann. Man hat also sozusagen schwarze Flecken im Gesichtsfeld. Meist liegt die Ursache der Sehnervschädigung darin, dass der Innendruck im Auge zu hoch ist. Dieser Augeninnendruck wird durch die Flüssigkeit in der Augenkammer aufrecht gehalten und ist normalerweise durch ständige Produktion von Kammerwasser und Abfließen im Augenwinkel genau reguliert. Bei einer Störung des Abflusses jedoch kann er ansteigen. 

Während der Grüne Star einerseits auch bei Menschen mit normalem Augeninnendruck (15–25 %) auftritt, kommt es andererseits vermutlich bei mehr als zwei Drittel der Personen mit leicht bis mäßig erhöhtem Druck zu keiner Erkrankung.

Der Grüne Star steht weltweit bei den Ursachen für Blindheit an zweiter Stelle nach dem Grauen Star (Katarkt). Nach wie vor ist er eine häufige Ursachen für Blindheit in unserem Land, insbesondere im fortgeschrittenen Alter. Schätzungsweise 1–2 % der Menschen über 40 Jahren leiden an einem Glaukom. In den meisten Fällen lässt sich jedoch durch Früherkennung und eine geeignete Behandlung ein Fortschreiten zu Blindheit verhindern.

Wie entsteht der Grüne Star?

Im hinteren und vorderen Bereich des Auges befindet sich eine klare Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser. Dies ist zuständig für Ernährung der Linse und Hornhaut, hält die kugelige Form des Auges aufrecht und hat entgiftende Funktionen. Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen produzierter Menge und Abfluss des Kammerwassers. Der Druck ist dann stabil und unauffällig. Wenn der Abfluss im Kammerwinkel im vorderen Bereich des Auges gestört ist (Engwinkelglaukom), steigt der Druck im Inneren des Auges.

Der Sehnerv tritt in der hinteren Wölbung des Auges durch die Netzhaut (Papille); seine Nervenfasern reagieren besonders empfindlich auf erhöhten Druck. Diese Empfindlichkeit ist bei verschiedenen Menschen individuell unterschiedlich. Welchen Druck ein Auge aushält, ist sehr verschieden; es lässt sich kein Normaldruck angeben, der für alle Menschen gleichermaßen gilt.

Eine Reihe anderer Faktoren kann ebenfalls die Entwicklung eines Glaukoms begünstigen. Zu diesen Risikofaktoren zählen: erbliche Veranlagung für Glaukom, fortgeschrittenes Alter, erhebliche Kurzsichtigkeit, Augenverletzungen, Entzündung der Regenbogenhaut (Iridozyklitis), Langzeit-Therapie mit Kortison, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Die Risikofaktoren müssen sowohl bei Diagnosestellung als auch Therapie der Erkrankung berücksichtigt werden. Die erbliche Veranlagung darf nicht außer Acht gelassen werden; nahe Angehörige der Glaukompatienten sollten ebenfalls untersucht werden.

Welche unterschiedlichen Formen von grünem Star gibt es?

  • Chronisches Glaukom ist die häufigste Form des Glaukoms und wird nachfolgend beschrieben.
  • Bei akutem Glaukom besteht eine abrupte Blockade des Kammerwasserabflusses. Der Druck steigt rasch an und führt zu Schmerzen im Auge, Kopfschmerzen und manchmal Übelkeit und Erbrechen. Die Sicht ist verschwommen und gelegentlich sehen die Betroffenen regenbogenfarbige Ringe (Glaukomanfall). Diese Erkrankung ist selten und erfordert eine sofortige augenärztliche Behandlung.
  • Ein angeborenes Glaukom ist sehr selten. Der Verdacht auf diese Erkrankung besteht, wenn das Auge des Kindes auffällig groß erscheint, sich gräulich verfärbt und tränt oder helles Licht nicht vertragen wird.
  • Ein sekundäres Glaukom entsteht, wenn das Abflusssystem für das Kammerwasser aus unterschiedlichen Gründen beeinträchtigt ist, z.B. nach Augenverletzungen, Entzündungen, Tumoren oder einem Blutgerinnsel im Auge, aber auch durch die Verwendung bestimmter Medikamente, insbesondere kortisonhaltiger Augentropfen.

Diagnostik

Die meisten Fälle von Glaukom werden im Frühstadium bei Routineuntersuchungen der Augen festgestellt. Die Patienten klagen bei chronischem Glaukom weder über Schmerzen noch über andere Beschwerden. Das zentrale, scharfe Sehvermögen, das unter anderem beim Lesen und Fernsehen benötigt wird, ist in der Regel am längsten erhalten. Erst bei einer erheblichen Schädigung des Sehnervs fallen blinde Bereiche im Gesichtsfeld auf. Zu diesem Zeitpunkt kann es bereits schwierig sein, das noch verbleibende Sehvermögen zu erhalten.

Messungen des Augeninnendrucks können in der Hausarztpraxis, beim Betriebsarzt oder Optiker durchgeführt werden und sind v.a. im höheren Alter empfehlenswert. Selten ist es erforderlich bereits vor dem 50. Lebensjahr damit zu beginnen, und in der Regel reicht eine Untersuchung alle 3–5 Jahre aus. Bei Verdacht auf Glaukom erfolgt eine Überweisung an eine augenärztliche Praxis. Die vollständige augenärztliche Untersuchung umfasst:

  • Messen des Augeninnendrucks (Tonometrie)
  • Beurteilung des Sehnervs (Ophthalmoskopie)
  • Untersuchung des Gesichtsfeldes (Perimetrie)
  • Sehschärfetest (Visus)
  • Untersuchung der Kammerwinkels (Gonioskopie)

Die Patienten müssen häufig mehrfach untersucht werden, bevor eine endgültige Diagnose gestellt oder ein Glaukom als Ursache ausgeschlossen werden kann.

Therapie

Die Therapie besteht in der Senkung des Augeninnendrucks auf ein für den Sehnerv ungefährliches Niveau. Diese kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie umfasst Augentropfen und gelegentlich Tabletten. Die Augentropfen sorgen entweder für eine verminderte Produktion von Kammerwasser oder verbessern dessen Abfluss. Die Tropfen müssen regelmäßig angewendet werden, in der Regel ein- oder zweimal am Tag. Eine Kombination verschiedener Arten von Augentropfen kann zweckmäßig sein, und gelegentlich müssen zusätzlich Tabletten zur Senkung des Drucks eingenommen werden. Es ist sehr wichtig, dass Sie die ärztlichen Anweisungen bei der Therapie genau einhalten, weil dies Ihr Sehvermögen schützt – auch wenn Sie nicht das Gefühl haben, dass Ihr Sehvermögen beeinträchtigt ist und auch wenn Sie selbst keine Verbesserung durch die Behandlung bemerken.

Laserbehandlung

Mittels Laserbehandlung können winzige Löcher im Abflusssystem erzeugt werden, sodass das Kammerwasser leichter abfließen kann. Die Behandlung dauert nicht lange und ist schmerzlos. Im Allgemeinen wird eine Laserbehandlung empfohlen, wenn die Drucksenkung mithilfe von Augentropfen nicht den gewünschten Erfolg bringt. Die Laserbehandlung kann aber auch zuerst zum Einsatz kommen. In diesem Fall kann oft auf die Anwendung von Augentropfen – zumindest während einiger Jahre – verzichtet werden.

Operative Therapie

Es ist durchaus möglich, ein Glaukom zu operieren. Ziel der Operation ist die Senkung des Augeninnendrucks und dadurch eine Rettung der noch verbleibenden Sehkraft. Bei einem Eingriff unter Mikroskop wird ein künstlicher Abfluss für das Kammerwasser unter der Bindehaut des Auges geschaffen. Dadurch wird eine Senkung des Augeninnendrucks erreicht. Dank moderner Methoden sind schwerwiegende Nebenwirkungen bei einer solchen Operation selten. In der Regel wird jedoch dennoch zunächst eine Therapie mit Augentropfen und Laser versucht.

Verlaufskontrolle

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Glaukomtherapie in der Regel lebenslang angewendet werden muss, um die Funktion des Sehnervs und damit das Sehvermögen so lange wie möglich zu erhalten. Es gibt keine Therapie, mit der das bereits eingeschränkte Sehvermögen bei einem Glaukom wieder verbessert werden kann und jegliche Behandlung kann mit Nebenwirkungen verbunden sein. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der augenärztlichen Praxis müssen wahrgenommen werden, um ein zufriedenstellendes Therapieergebnis zu gewährleisten. Welche Therapiealternative am besten geeignet ist und wie häufig die Kontrollen durchgeführt werden müssen, wird von Fall zu Fall im Gespräch zwischen Ihnen und der Ärztin entschieden.

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