Halsschmerzen

10.10.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Halsschmerzen sind weit verbreitet, und in den Wintermonaten sind sie für ca. 5 % der Krankmeldungen verantwortlich.

Was sind Halsschmerzen?

Als Halsschmerzen werden Schmerzen oder Beschwerden im Hals/Rachen bezeichnet, die von einigen Stunden bis zu einigen Tagen/Wochen andauern können.

Häufigkeit

Bei etwa 5 % aller Krankmeldungen in den Wintermonaten gehören Halsschmerzen zu den Hauptsymptomen. Sowohl Viren als auch Bakterien können zu Halsschmerzen führen. Ist eines der zahlreichen Erkältungsviren die Ursache, ist in der Regel keine Therapie spezielle Therapie nötig, weil die Infektion von selbst heilt. Deutlich schwerer kann aber das auch durch ein Virus bedingte viel seltenere Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) verlaufen.  Viele Patienten mit Halsschmerzen leiden an einer Infektion mit Bakterien namens Streptokokken (Typ A); solche Erreger lassen sich bei 10–40 % der Patienten, die den Arzt aufgrund von Halsschmerzen aufsuchen, nachweisen. Hier wird der Arzt meist Antibiotika empfehlen. Zusätzlich gibt es eine Reihe von anderen Viren und Bakterien, die zu Halsschmerzen führen können. Auch sehr trockene oder sehr kalte Luft oder andere physikalische Faktoren können zu Halsschmerzen führen.

Bewertung von Halsschmerzen

Häufige Ursache für Halsschmerzen sind Infektionen durch Viren. Solche Halsentzündungen heilen meist von selbst aus, Komplikationen sind selten, und die Symptome meist leicht bis mäßig ausgeprägt. Nur wenige Menschen benötigen eine spezifische medikamentöse Behandlung; warme Getränke und evtl. Lutschtabletten gegen den Schmerz reichen aus. Grundsätzlich reicht bei leichten Halsschmerzen zunächst eine solche Therapie, ggf. nach Beratung in der Apotheke aus und der Patient muss sich nicht beim Arzt vorstellen. Klingen die Schmerzen aber nicht ab, werden stärker oder sind von Anfang an sehr stark ausgeprägt, ist es wichtig beim Arzt zu klären, ob eine Infektion mit Streptokokken vorliegt. Dies wird häufig mit Antibiotika behandelt. Außerdem kann der Arzt auch beurteilen, ob Sie an Mononukleose erkrankt sind, da dies eine Erklärung dafür sein kann, dass die Halsschmerzen nicht abklingen.

Was sind mögliche Ursachen?

Von den zahlreichen möglichen Ursachen können hier nur die wichtigsten genannten werden.

Häufige Ursachen, die in der Regel keiner speziellen Behandlung bedürfen

  • Obere Atemwegsinfektion
    • Ist eine Virusinfektion
    • Sie führt zu Beschwerden in Nase und Rachen, hinzu kommen mäßige Schluckbeschwerden. Der Allgemeinzustand ist kaum verschlechtert und Fieber tritt selten auf.
  • Katarrh (Pharyngitis)
    • Fast immer durch Viren ausgelöst
    • Führt zu Halsschmerzen, meist morgens. Der Allgemeinzustand ist relativ gut und Fieber tritt selten auf.

Häufige Ursachen, die eine Behandlung erfordern können

  • Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononukleose
    • Befällt in der Regel Jugendliche, wird durch eine Virusinfektion verursacht.
    • Die Symptomatik ist sehr unterschiedlich und erstreckt sich von mäßigen bis zu ausgeprägten allgemeinen Beschwerden, häufig wird von lokalen Symptomen im Hals berichtet, langwieriger Krankheitsverlauf. Der Allgemeinzustand ist beeinträchtigt. Die Mandeln sind geschwollen und rot, bei der Hälfte der Betroffenen bildet sich ein Belag auf den Mandeln. Die Lymphknoten am Hals sind auffällig stark vergrößert, eventuell auch Milz und Leber.
  • Mumps
    • Mumps ist eine vom Mumps-Virus verursachte Entzündung der Speicheldrüsen.
    • 2–3 Wochen nach der Infektion kommt es für einige Tage zu leichtem Fieber, bevor Sie Empfindlichkeit an den Wangen und Schmerzen beim Kauen feststellen. Schwellungen und Druckempfindlichkeit der Ohrspeicheldrüse sind typische Anzeichen. Die Schwellung nimmt innerhalb von wenigen Tagen zu und kann sich auch zu den Speicheldrüsen unter der Zunge und im Unterkiefer ausbreiten. Ist seit Einführung des Impfstoffs selten.
  • Herpangina
    • Herpangina ist eine Virusinfektion, die am häufigsten bei Kindern unter 15 Jahren auftritt.
    • Es kommt zu einem akuten Krankheitsbeginn mit Fieber, allgemeinem Krankheitsgefühl und Schluckbeschwerden. Die Mundschleimhaut ist stark gerötet, und am Gaumen (evtl. auch auf den Mandeln) bilden sich Bläschen, die nach dem Aufplatzen kleine Wunden hinterlassen. Die Bläschen treten nur vorübergehend auf und sind nicht immer nachweisbar.
    • Die Symptome gehen nach wenigen Tagen von selbst zurück.
  • Streptokokken-Mandelinfektion
    • Bakterielle Infektion mit Streptokokken
    • Sie fühlen sich in der Regel krank, haben Fieber, Schluckbeschwerden und eine belegte Stimme, aber Sie haben keinen Husten.
  • Scharlach
    • Bakterielle Infektion (verursacht schädliche Substanzen, die von  A-Streptokokken produziert werden)
    • Die Mandeln sind entzündet, geschwollen, möglicherweise mit Eiterpusteln belegt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu Hautausschlag, intensiv geröteten Wangen, bei dem nur ein kleines Dreieck zwischen Mund und Kinn ausgespart bleibt, und evtl. Himbeerzunge. Nach Abklingen der Krankheit beginnt die Haut an den Händen und Fußsohlen zu schuppen.
  • Mandelabszess (Peritonsillarabszess)
    • Dabei handelt es sich um eine Infektion im Gewebe außerhalb oder um eine der Gaumenmandeln. Die Infektion führt zu einer Ausbreitung der Entzündung von den Gaumenmandeln zum umliegenden Gewebe.
    • Die Erkrankung beginnt oft mit einer gewöhnlichen Halsentzündung. Nach und nach nehmen die Schmerzen im Hals und Rachen zu und das Fieber steigt. Es stellen sich Schluckbeschwerden ein. Sie können Schwierigkeiten haben, den Mund zu öffnen.

Seltene Ursachen, die eine Behandlung erfordern können

  • Halszysten
    • Werden meist im Grundschulalter oder bei Jugendlichen entdeckt
    • Zeigen sich als wiederholte Schwellung und möglicherweise Schmerzen entweder in der vorderen Halsmitte (mediane Halszyste) oder auf der Seite des Halses (laterale Halszyste). Die Zysten messen meist 1–3 cm im Durchmesser und werden häufig im Laufe der Zeit größer
  • Brennen im Mund (orale Dysästhesie)
    • Die Ursache ist nicht bekannt. Die Beschwerden treten am häufigsten ab dem 40. bis 50. Lebensjahr auf.
    • Es kommt zu anhaltendem, schmerzhaftem Brennen bzw. Schmerzen auf der Zunge, in der Regel symmetrisch. Die Beschwerden werden häufig durch Trinken oder Essen gelindert. Die Krankheit kann Wochen und Monate andauern.
    • Die Krankheit ist harmlos.
  • Stein, der einen Speicheldrüsengang blockiert (Sialolithiasis)
    • Männer sind häufiger betroffen. Frühere Entzündungen der Drüse oder im Drüsengang erhöhen das Risiko, dass sich ein Speichelstein festsetzt.
    • Beim Essen oder in anderen Situationen, die die Speichelproduktion anregen, kommt es zu einer druckempfindlichen Schwellung und kolikartigen Schmerzen. Die Schwellung kann einige Zeit anhalten. Tritt am häufigsten unter der Zunge auf.
  • Speicheldrüsenentzündung (Sialoadenitis)
    • Mumps ist die häufigste Ursache, aber sowohl bakterielle als auch andere virale Erreger können eine solche Entzündung auslösen. Mögliche Ursachen sind schlechte Mundhygiene, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Nierenversagen.
    • Es kommt zu einer Schwellung im Bereich der Drüse, in seltenen Fällen tritt eine Rötung auf.
  • Fremdkörper
    • Vor allem Kleinkinder schlucken manchmal unbemerkt z.B. ein Teil eines Spielzeugs. Bleibt der Gegenstand im Rachenraum oder Speiseröhre hängen, führt das abrupt zu Schmerzen. Hat das Kind auch Probleme beim Atmen, muss ein Notarzt gerufen werden.
  • Diphtherie
    • Sehr selten, kann eventuell bei Migranten auftreten
    • Typisches Anzeichen ist ein weißlich-gelber Belag auf den Gaumenmandeln. Der Allgemeinzustand ist in der Regel beeinträchtigt.

Was können Sie selbst tun?

Die meisten Fälle von Halsentzündungen oder Reizungen in Mund und Rachen klingen von selbst ohne Behandlung ab. Antibiotika verkürzen in solchen Fällen die Dauer der Krankheit nicht und bringen auch keine Symptomlinderung. Lutschtabletten können lindernd wirken.

Wann wird ein Arztbesuch empfohlen?

Sie sollten zum Arzt gehen, wenn eine Halsentzündung von Schwierigkeiten beim Atmen, schlechtem Allgemeinzustand oder starken Halsschmerzen oder anderen Symptomen begleitet wird. Ein Arztbesuch ist auch zu empfehlen, wenn die Beschwerden trotz Ruhe nach einigen Tagen nicht abklingen oder sogar stärker werden.

Was geschieht bei der ärztlichen Untersuchung? Anamnese

Die Ärzte können Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie diese Beschwerden?
  • Sind Sie erkältet?
  • Fühlen Sie sich krank? Haben Sie Fieber?
  • Haben Sie Schwierigkeiten beim Schlucken?
  • Haben Sie Ohrenschmerzen?

Ärztliche Untersuchung

Die Ärztin wird Ihnen in den Hals schauen und die Außenseite des Halses abtasten. Bei stark geschwollenen Lymphknoten wird der Arzt auch die Lymphknoten in den Achselhöhlen, den Leisten sowie Leber und Milz abtasten.

Weitere Diagnostik

Wenn Ihre Ärztin darüber im Zweifel ist, ob eine bakterielle Halsentzündung vorliegt, die mit Antibiotika behandelt werden sollte, werden ein Schnelltest zum Nachweis von Streptokokken durchgeführt und evtl. Entzündungswerte im Blut gemessen. Bei Verdacht auf eine andere Grunderkrankung (z. B. Mononukleose) werden weitere Blutuntersuchungen durchgeführt.

Überweisung an den Facharzt oder in ein Krankenhaus

Die meisten Fälle von Halsschmerzen werden von Allgemeinmedizinern oder Kinderärzten behandelt. Bei Verdacht auf z.B. einen Mandelabszess oder andere spezielle Ursachen kann es sein, dass Sie an einen anderen Spezialisten überwiesen werden. In seltenen Fällen, in denen eine ernsthafte Erkrankung vorliegt (z. B. in Einzelfällen bei Mononukleose), kann eine stationäre Behandlung in der Klinik erforderlich sein.

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