Herzinfarkt, Symptome

10.12.2017 | Gesundheitsinfos

Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Das wichtigste Symptom bei einem Herzinfarkt sind plötzlich einsetzende, anhaltende Brustschmerzen, die in einen anderen Körperteil ausstrahlen können, zum Beispiel in den linken Arm oder in Hals und Unterkiefer. Die Diagnosefindung ist dennoch nicht immer leicht: Nicht jeder Herzinfarkt präsentiert sich mit den typischen Symptomen und nicht hinter jedem Brustschmerz steckt ein Herzinfarkt.

Aus Print und Medien kennen wir das typische Symptom des Herzinfarktes: Brustschmerzen. Weniger bekannt ist, dass nicht jeder Herzinfarkt Brustschmerzen verursacht. Und nicht jeder Brustschmerz ist auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Tatsächlich steckt in der Hausarztpraxis nur bei ungefähr jedem zehnten Brustschmerz ein Herzinfarkt dahinter. Häufige andere Ursachen sind Probleme der Muskulatur oder des Skeletts, Atemwegserkrankungen, Krankheiten im Verdauungstrakt oder psychische Erkrankungen.

Leitsymptom: Brustschmerz

Als Leitsymptom bezeichnet man ein besonders auffälliges Symptom einer Erkrankung. Patientinnen und Patienten nehmen es oft deutlicher als andere Beschwerden wahr. Für Ärztinnen und Ärzte ist das Leitsymptom wegweisend bei der Diagnosestellung. Leitsymptome können jedoch meist durch mehrere Krankheiten ausgelöst werden. Und das Leitsymptom kann im individuellen Krankheitsfall abwesend sein. Bei einem Herzinfarkt liegt ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes vor. Das dahinter liegende Herzmuskelgewebe „erstickt" – es erhält kein Blut und keinen Sauerstoff mehr. Sauerstoffnot im Gewebe, medizinisch Ischämie genannt, macht sich durch Schmerzen oder ein Druckgefühl bemerkbar. Das erklärt den Brustschmerz oder die Brustenge bei einem Herzinfarkt. Entsprechend den Vorgängen in den Herzkranzarterien – ein verkalktes Gefäß reißt plötzlich ein, darauf bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß gänzlich verlegt – treten die Schmerzen in der Brust abrupt auf und halten über längere Zeit an, man sagt länger als 20 Minuten. Der Schmerz in der Brust kann in einen anderen Körperteil ausstrahlen, zum Beispiel in den linken Arm, die linke Schulter, den Hals, den Unterkiefer, den Rücken oder in den Oberbauch. Oft treten die Beschwerden nach einer körperlichen Belastung oder bei Kälte auf. Der Brustschmerz wird nicht durch Atembewegungen in seiner Stärke beeinflusst. Der medizinische Name für dieses Leitsymptom ist Angina pectoris, lateinisch für Brustenge. Er kann von einem Herzinfarkt herrühren oder aber von einer koronaren Herzkrankheit (KHK), die noch nicht zu einem Herzinfarkt geführt hat. Schmerzen im Brustbereich können auch vielfältige andere Ursachen haben. Mehr dazu finden Sie im Artikel Brustschmerzen.

Weitere Symptome

Häufig gehen die Brustschmerzen bei Herzinfarkt mit weiteren Symptomen einher. Dazu gehören:

  • Luftnot
  • Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen
  • Angstgefühle oder große innere Unruhe
  • Anzeichen eines Kreislaufversagens: Blässe, Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht.

„Untypische" Symptome

Lange Zeit wurde übersehen, dass zahlreiche Menschen bei einem Herzinfarkt nicht die typischen Beschwerden aufweisen. Insbesondere bei Frauen sind die Schmerzen oftmals weniger stark ausgeprägt, es überwiegt ein Druckgefühl oder die Symptome des vegetativen Nervensystems, also Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen. Die Verkennung der wahren Ursache dieser Symptome führte dazu, dass Frauen später als Männer diagnostiziert und therapiert wurden. Frauen hatten schlechtere Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt als Männer. Heute sind mehrere Personengruppen bekannt, die bei einem Herzinfarkt abweichende oder schwächer ausgeprägte Symptome haben können. Neben Frauen zählen ältere Menschen und Patientinnen und Patienten mit Diabetes dazu. Langjährige Diabetiker tragen oftmals Schäden an den Nerven davon. Diese sogenannte Neuropathie kann dazu führen, dass Schmerzen weniger oder nicht mehr wahrgenommen werden. Daher sind bei Diabetikern „stumme" Infarkte häufig der Fall. „Untypische" Anzeichen eines Herzinfarktes können aber prinzipiell jeden Menschen betreffen.

Herzinfarkt oder „nur" Angina pectoris?

Brustschmerzen oder Angina pectoris können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Jede und jeder, die oder der mit akut einsetzenden, anhaltenden, ausstrahlenden, belastungsabhängigen Schmerzen in der Brust zum Arzt oder in die Notaufnahme geht oder gebracht wird, wird auf einen Herzinfarkt untersucht. Dazu bedarf es lediglich eines Elektrokardiogramms (EKG) und einer Blutentnahme. Angina pectoris kann jedoch auch „nur" auf eine fortgeschrittene koronare Herzkrankheit (KHK) hinweisen. Die Verengung des Herzkranzgefäßes ist hier zwar so stark ausgeprägt, dass insbesondere bei körperlicher Belastung das Herz nicht mehr genügend Sauerstoff erhält. Das Gefäß ist jedoch im Unterschied zum Herzinfarkt nicht vollständig verschlossen. In Ruhe oder durch Einnahme von gefäßerweiternden Medikamenten lassen daher die Schmerzen wieder nach. Man spricht von einer stabilen Angina pectoris. Bei erstmaligem Auftreten von Angina pectoris wird dennoch abgeklärt, ob ein Herzinfarkt vorliegt. Das gilt auch bei Patientinnen und Patienten, die zwar bekannte Angina pectoris-Beschwerden haben und entsprechend behandelt werden, deren Symptomatik sich aber geändert hat: die Schmerzen werden stärker, halten länger als üblich an, treten bei geringerer körperlicher Belastung oder sogar in Ruhe auf, sprechen nicht mehr auf Medikamente an. In diesen Fällen ist die Rede von einer instabilen Angina pectoris. Die instabile Angina pectoris kann in einen Herzinfarkt übergehen. Deshalb werden diese Patientinnen und Patienten ins Krankenhaus eingewiesen und dort über mehrere Stunden überwacht. Wenn sich der Zustand stabilisiert hat, können Betroffene das Krankenhaus verlassen. Zeitnah sollte aber eine weitere Abklärung der Symptome erfolgen. Eventuell müssen die Medikamente geändert oder ein Herzkatheter vorgenommen werden.

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