Hüftgelenksarthrose

13.09.2017 | Gesundheitsinfos

Marie-Ch. Fritzsche, Ärztin, Freiburg; Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Eine Arthrose in der Hüfte ist auf Veränderungen der Gleitflächen des Hüftgelenks zurückzuführen.

Was ist eine Hüftgelenksarthrose?

Bei einer Arthrose des Hüftgelenks werden nach und nach die Gelenkflächen geschädigt; gleichzeitig verdickt sich der darunterliegende Knochen. Die glatte Oberfläche zwischen der Hüftgelenkpfanne und dem Kopf des Oberschenkelknochens wird mit der Zeit unregelmäßig. Beim Gehen „knirscht" es zuweilen im Gelenk. Im weiteren Verlauf können Verkalkungen auftreten, die Beweglichkeit wird herabgesetzt und das Gelenk steifer.
Die Ursachen für Hüftgelenksarthrose sind nicht vollständig geklärt. Als Risikofaktoren gelten Überbelastung, häufig aufgrund von Übergewicht, eine schlecht schützende Muskulatur sowie angeborene Gelenkveränderungen. Ärzte verwenden manchmal den Begriff Coxarthrose/Koxarthrose für Hüftgelenksarthrose. Die Krankengeschichte sowie der Befund der ärztlichen Untersuchung geben ausreichend Hinweise für die Diagnose. Mitunter ist eine Bestätigung durch eine Röntgenuntersuchung erforderlich. Das Hüftgelenk besteht aus der Hüftgelenkpfanne, die Teil des Beckens ist, sowie dem Kopf des Oberschenkelknochens. Sowohl die Hüftpfanne als auch der Oberschenkelkopf sind von einem glatten Knorpel überzogen, der Gelenkfläche, die Bewegungen mit möglichst wenig Reibung sicherstellt. Das Hüftgelenk ist eines der Gelenke im Körper, das am häufigsten von Arthrose betroffen ist. Bei vielen älteren Menschen sind auf dem Röntgenbild Veränderungen zu erkennen, doch nur bei einem Teil dieser Patienten zeigen sich Symptome. Eine Arthrose, die durch eine Röntgenuntersuchung erkannt wurde, muss also nicht mit Schmerzen oder anderen Beschwerden einhergehen.
Ungefähr 90 % der Patienten über 65 Jahre, die über Hüftschmerzen klagen, leiden an Hüftgelenksarthrose.

Risikofaktoren

Die folgenden Bedingungen erhöhen das Risiko, an Hüftgelenksarthrose zu erkranken: Übergewicht, ein früherer Bruch des Hüftknochens oder Oberschenkelknochens, angeborene Fehlbildungen der Hüfte, eine Entzündung des Hüftgelenks (z. B. bei rheumatoider Arthritis), eine überstandene Perthes-Krankheit sowie einige seltenere Erkrankungen. Berufe, die überwiegend im Stehen ausgeübt werden oder mit dem häufigen Heben oder Bewegen schwerer Gegenstände verbunden sind, prädisponieren für eine Hüftgelenksarthrose. Das gleiche gilt für Sportler, die hohen Belastungen ausgesetzt sind und ständige Richtungswechsel durchführen, wie beispielsweise Fußballer.

Symptome

Die Schmerzen entwickeln sich allmählich in der Leiste sowie seitlich und vorne am Oberschenkel. Häufig strahlen die Schmerzen in Richtung Knie aus und treten meistens auf, wenn man beginnt zu gehen. Nach einigen Sekunden oder Minuten nimmt die Schmerzintensität ab, um wieder zuzunehmen, wenn man eine Weile gegangen ist. Eine hohe Belastung der Beine führt zu verstärkten Beschwerden. Im weiteren Verlauf treten die Schmerzen auch im Ruhezustand und in der Nacht auf. Wenn sich nächtliche Schmerzen äußern, ist die Erkrankung meist bereits weit fortgeschritten. Die bewältigten Strecken werden kürzer, die Patienten beginnen zu hinken und müssen eine Gehhilfe verwenden.

Diagnostik

Anlaufschmerzen beim Gehen, die dann zunächst nachlassen und nach einer Weile wieder zunehmen, sind sehr typisch für die Diagnose. Bei der Untersuchung der Hüfte stellt der Arzt eine eingeschränkte Mobilität fest, besonders beim Drehen nach innen und nach außen. Blutuntersuchungen können unter anderem dabei helfen andere Erkrankungen auszuschließen. Röntgenaufnahmen der Hüfte zeigen charakteristische Veränderungen und bestätigen die Diagnose. Gegebenenfalls werden andere Untersuchungsverfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Abgrenzung anderer Erkrankungen oder bei Therapieresistenz angewendet.

Therapie

Das Ziel der Behandlung ist die Linderung der Schmerzen und anderer Beschwerden sowie die Verbesserung oder der Erhaltung der Hüftgelenksfunktion.

Was können Sie selbst tun?

Eine Gewichtsabnahme kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Es kann insbesondere vor einer Operation ratsam sein, bei der ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden soll, Gewicht abzunehmen. Vermeiden Sie langes Stehen sowie das Tragen und Heben schwerer Gegenstände. Beim Schlafen oder Ruhen empfiehlt sich die Bauch- oder Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Beinen. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass die Muskulatur um das Hüftgelenk schrumpft und dies zu erhöhter Steifheit führt. Körperliche Aktivitäten in Form von Radfahren und Schwimmen sind geeignet, um die Beweglichkeit zu bewahren, die umliegenden Muskeln des Gelenks zu stärken und so eine höhere Stabilität zu erzielen. Die Verwendung einer Gehhilfe auf der gegenüberliegenden Seite des schmerzenden Hüftgelenks bringt häufig eine Linderung der Schmerzen.

Medikamente

Medikamente lindern lediglich die Symptome und haben keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
Nach Absprache mit den Ärzten werden häufig Schmerzmittel wie Paracetamol empfohlen. Einige entzündungshemmende Medikamente können zwar die Schmerzen abschwächen, aber auch zu unangenehmen und manchmal schweren Nebenwirkungen im Magen führen (Magengeschwüre). Diese Gruppe von Medikamenten sollte nach ärztlichem Rat und nicht bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen verwendet werden. Wenn Sie solche Medikamente einnehmen und Magenprobleme bekommen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Nach Bedarf können Sie eventuell zusätzlich ein vor Magengeschwüren schützendes Mittel einnehmen.
Bei starken nächtlichen Schmerzen, die einen erholsamen Schlaf unmöglich machen, kann in einzelnen Fällen Kodein in Erwägung gezogen werden.

Ergänzende nicht-medikamentöse Therapie

In der konservativen Therapie der Hüftgelenksarthrose können Thermotherapie, Hydrotherapie, Balneotherapie, Elektrotherapie, Ultraschalltherapie oder pulsierende Magnetfeldtherapie einen günstigen Einfluss auf Schmerzen und Funktionseinschränkung haben.

Operative Therapie

Der Einsatz einer Hüftprothese (künstliches Hüftgelenk) ist häufig die beste Behandlungsalternative für Personen mit schmerzhafter Arthrose der Hüfte. In den meisten Fällen wird sowohl der Gelenkkopf (am Oberschenkelknochen) als auch die Hüftpfanne (am Hüftknochen) mit einer kompletten Prothese, auch Endoprothese genannt, ersetzt. Es ist nicht eindeutig nachgewiesen, welcher der beste Zeitpunkt für eine Operation ist. Möglicherweise lässt sich ein besserer Effekt erzielen, wenn früher als bisher üblich operiert wird.
Die Ergebnisse der Hüftprothesenchirurgie sind insgesamt gut. Nach 10 Jahren funktionieren 90 % aller künstlichen Hüftgelenke ordnungsgemäß, und etwa 80 % aller Patienten sind mit dem Ergebnis zufrieden. Nach 20 Jahren sind immer noch 70 % der Hüftprothesen intakt. Als Komplikationen der Operation können z. B. Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nachblutungen, Nervenschäden, Thrombose, Lungenembolie und Beinlängendifferenz auftreten. Verbesserungen der chirurgischen Verfahren führten dazu, dass der Eingriff heute weniger umfassend ist als früher; zudem treten weniger Komplikationen auf, die Patienten kommen schneller wieder auf die Beine, und der Krankenhausaufenthalt konnte verkürzt werden. Nach dem Eingriff sollte ein Rehabilitationsprogramm absolviert werden. Die Dauer des Programms richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen der Patienten. Häufig kann diese Trainingsform mehrere Monate nach der Operation andauern. Durch die Rehabilitation (Reha) verbessert sich die Funktion der Hüfte.

Physiotherapie

Physiotherapie ist sowohl vor als auch nach der Operation wichtig. In der Regel wird die Reha vor allem von Physiotherapeuten durchgeführt.

Prognose

Die Beschwerden nehmen meist allmählich zu; viele Patienten sind jedoch mit Medikamenten gut versorgt und benötigen keine Operation.
Bei manchen Betroffenen mit Prothesen können Muskelschwäche und ein Funktionsverlust der Hüfte auftreten. In seltenen Fällen kann es zur Lockerung der Prothese kommen. Das Ergebnis einer Prothesenoperation ist jedoch in der Regel positiv.

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