Kniegelenksarthrose

18.12.2017 | Gesundheitsinfos

Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Das Kniegelenk ist eines der am meisten belasteten Gelenke im Körper. Von der Kniegelenksarthrose ist jeder Dritte über 65 Jahren betroffen. Die Behandlung setzt sich zusammen aus Gewichtsabnahme, physischer Aktivität, schmerzstillenden Medikamenten und in Ausnahmefällen einer Operation.

Fakten über Kniegelenksarthrose

  • Arthrose ist ein Sammelbegriff für Gelenkerkrankungen, die durch eine nachlassende Funktion des Gelenks mit variierender Zerstörung des Gelenkknorpels und einen Umbau des Knochens in der Umgebung des Gelenks charakterisiert sind. Bei Kniegelenkarthrose können Knorpel, Meniskus und Knochen des Kniegelenks verändert sein.
  • Die Symptome einer Kniegelenksarthrose sind Schmerzen im Knie, verbunden mit Druckempfindlichkeit und Schwellung des Knies.
  • Die Kniegelenksarthrose wird mit zunehmendem Alter häufiger. Zur Entwicklung der Krankheit tragen Risikofaktoren wie Übergewicht und frühere Knieschäden bei.
  • Zur Diagnosestellung genügt eine klinische Untersuchung in Verbindung mit der Beschreibung der Symptome. Mithilfe von Röntgenuntersuchungen werden andere Diagnosen ausgeschlossen.
  • Um die Kniegelenksarthrose einzudämmen, ist bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme die wichtigste Maßnahme.
  • Der Schmerz kann durch körperliche Betätigung und Physiotherapie gelindert werden. Die Medikamente tragen nur zur Linderung der Symptome bei und beeinflussen nicht den Krankheitsverlauf.
  • Bei einer weit fortgeschrittenen Arthrose wird eine Teil- oder Vollprothese in Erwägung gezogen. Die meisten Patienten müssen jedoch nicht operiert werden.

Was ist Kniegelenksarthrose?

In den Körpergelenken befindet sich Knorpelgewebe, das ein reibungsarmes Gleiten der Knochen ermöglicht. Bei einer Kniegelenksarthrose ist der Knorpel im Kniegelenk geschwächt, wird zunehmend dünner und kann verschwinden. Später kommt es zu einem Rückgang der Gelenkflüssigkeit des Knies und schließlich des Knochens.
Das Kniegelenk setzt sich aus den Gelenkflächen des Oberschenkelknochens und des Wadenbeins zusammen. Außerdem liegen im Kniegelenk zwei halbmondförmige Knorpelscheiben (Menisken), die das Gelenk stabilisieren und die Belastung verteilen.

Symptome

Bei einer Kniegelenksarthrose haben die Betroffenen Schmerzen im Knie. Der Schmerz verstärkt sich meistens durch Aktivität. Manche Patienten spüren nach dem Stillsitzen, nach langen Spaziergängen oder bei stehender Arbeit eine schmerzhafte Steifigkeit im Knie. Bei einer Arthrose verändert sich der Schmerz über die Zeit und im Tagesverlauf, der Schlaf kann dabei negativ beeinträchtigt werden. In manchen Fällen können Teile des Knorpels abbrechen und sich zwischen den Gelenkflächen verhaken, was zu Einklemmungen und Blockierungen führt. Infolgedessen kann sich das Knie entzünden und anschwellen.
Bei mehr als 10 % der Personen über 55 Jahren und bei jedem Dritten über 65 Jahren besteht eine Arthrose in den Kniegelenken. Die Erkrankung kommt bei Frauen doppelt so häufig vor wie bei Männern. 20 % der Frauen über 65 Jahre leiden an einer Form von Arthrose im Kniegelenk. Das Aufkommen von Arthrosen in den Knien wird mutmaßlich aufgrund der höheren Lebenserwartung und des zunehmenden Übergewichts in der Gesellschaft ansteigen.

Ursache

Beispiele für Risikofaktoren, die zur Ausbildung einer Kniegelenksarthrose beitragen:

  • Bei übergewichtigen Patienten ist das Risiko einer Arthrose 2- bis 3-mal höher als bei Normalgewichtigen.
  • Frühere verheilte Knochenbrüche können unregelmäßige Gelenkflächen ausbilden.
  • Frühere Knieschäden, wie zum Beispiel Kreuzbandrisse oder Meniskusverletzungen.
  • Ausgeprägte X- oder O-Beine.

Diagnostik

Der Arzt untersucht das Kniegelenk hinsichtlich seiner Beweglichkeit und versucht herauszufinden, wie schmerzhaft bestimmte Bewegungen sind. Häufig ist das Gelenk überdurchschnittlich stark angeschwollen und die Beweglichkeit wird dadurch weiter eingeschränkt. Wenn das Gelenk bewegt wird, kann ein knackendes Geräusch zu hören sein. Blutuntersuchungen können indiziert sein, um rheumatische Erkrankungen und Gicht oder Pseudogicht auszuschließen, doch die Kniegelenksarthrose liefert keine krankhaften Werte.
Mithilfe von Röntgenuntersuchungen werden andere Diagnosen ausgeschlossen. Die Röntgenbilder zeigen typische Veränderungen, die vor allem im späteren Verlauf deutlicher sind, aber keine vollständige Diagnose zulassen. Oft kann man ausgeprägte Veränderungen bei Patienten mit mäßigen Beschwerden erkennen, während sich bei Patienten mit starken Schmerzen teilweise keine oder nur geringe Veränderungen auf dem Röntgenbild zeigen.
Vor einer Operation kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) eine gute Darstellung des Kniegelenks ermöglichen. Teilweise wird eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt, bei der ein Endoskop in das Knie eingeführt wird und mit der man Knorpeldefekt bereits bei leichter Arthrose aufzeigen kann.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, eventuellen Fehlstellungen im Gelenk entgegenzuwirken und damit einer Verschlechterung des Zustands vorzubeugen. Körperliche Betätigung und Physiotherapie können den Schmerz lindern. Die Medikamente tragen nur zur Linderung der Symptome bei und beeinflussen nicht den Krankheitsverlauf. Eine Kniegelenksarthrose kann auch operiert werden. Am häufigsten ist dabei eine Teil- oder Vollprothese des Gelenks. Die meisten Patienten müssen jedoch nicht operiert werden.

Empfehlungen für Patienten

  • Um ein Fortschreiten der Kniegelenksarthrose zu verhindern, ist eine Gewichtsabnahme die wichtigste Einzelmaßnahme.
  • Zudem ist sportliche Aktivität mit gezieltem Aufbau der vorderen Oberschenkelmuskeln von großer Relevanz. Die gestärkten Muskeln können das Körpergewicht besser tragen, diese Stabilisierung trägt zum Schutz der Gelenke bei.
  • Um die Gewichtslast auf der betroffenen Seite zu verringern, sind Gehhilfen wie Stöcke oder Krücken sinnvoll.
  • Empfehlenswert sind auch Aktivitäten, die das Knie nicht zu stark belasten, wie zum Beispiel Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen oder leichte Gymnastik.
  • Stoßdämpfendes Schuhwerk trägt zur Verbesserung bei; jedoch ist ein guter Oberschenkelmuskel der beste „Stoßdämpfer".

Medikamentöse Therapie

  1. Zur Behandlung wird in erster Linie Paracetamol empfohlen. Dieses rezeptfreie Schmerzmittel kann bei dieser Art von Schmerzen gute Wirkung erzielen.
  2. In Phasen mit starken Schmerzen können entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, speziell nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), separat als auch in Verbindung mit Paracetamol eingesetzt werden. Manche entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamente sind ohne Rezept erhältlich, einige jedoch nur mit Rezept. Da diese Medikamente Magenschmerzen verursachen können, die sich im schlimmsten Fall zu blutigen Magengeschwüren entwickeln können, dürfen diese Medikamente nicht von Patienten mit Magenproblemen eingenommen werden. Darüber hinaus verschreiben Ärzte diese Medikamente bei Personen über 75 Jahren nur mit äußerster Vorsicht. Bei auftretenden Magenschmerzen ist die Behandlung sofort abzubrechen.

Physiotherapie

Physiotherapie kann die Schmerzen bei Kniegelenksarthrose verringern. Die Behandlung besteht unter anderem aus körperlichen Aktivitäten und Übungen zur Stärkung der Muskulatur. Dabei soll die Stärkung der Muskulatur unter anderem die Beweglichkeit im Gelenk verbessern.

Behandlung mittels Operation

Es gibt mehrere verschiedene Alternativen für chirurgische Eingriffe bei Kniegelenksarthrose. Welcher Eingriff dabei in Frage kommt, hängt mit dem Umfang und der Lage der Arthrose sowie dem Alter des Patienten zusammen. Bei einer leichten Kniegelenksarthrose kann die Lage der Gelenkflächen zueinander justiert werden (Osteotomie). Bei einer fortgeschrittenen Arthrose ist die Implantation einer Teil- oder Vollprothese (künstliches Kniegelenk) möglich. Die Implantation einer Vollprothese hat sich bewährt; eine nicht-invasive Behandlung sollte aber zuerst versucht werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Prothesen 15 Jahre nach dem Einsatz bei circa 90 % der Patienten noch gut funktionieren.
Das Risiko für Komplikationen kann dadurch verringert werden, dass der Patient einige Zeit vor der Operation das Rauchen einstellt.

Prognose

Man kann die Symptome der Kniegelenksarthrose mithilfe von Gewichtsabnahme, Training und Medikamenten verringern. Eine Prothesenoperation ist eine wirkungsvolle Maßnahme und viele Patienten mit einem neuen Kniegelenk sind von ihren Schmerzen befreit und können sich leichter bewegen. Eine Operation wird jedoch erst in Erwägung gezogen, wenn die Behandlung mit Gewichtsabnahme, Training und Medikamenten nicht zum gewünschten Ergebnis führt.

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