Koronare Herzkrankheit, Vorbeugung von Komplikationen

31.05.2017 | Gesundheitsinfos

Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Koronare Herzkrankheit führt zu Brustschmerzen (Angina pectoris) und Herzinfarkten. Eine vorbeugende Behandlung bei diesen Patienten verhindert Herzinfarkte und Todesfälle und verringert das Risiko für andere Komplikationen.

Was ist koronare Herzkrankheit?

Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien), welche den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verändert und verengt. Hierdurch kann der Sauerstoffbedarf des Herzens nicht mehr gedeckt werden. Es kommt zu anfallsartigen Brustschmerzen (Angina pectoris). Ist ein Gefäß vollständig verschlossen, so spricht man von einem Herzinfarkt, bei welchem das dahinter liegende Gewebe abstirbt.

Vorkommen

Die koronare Herzkrankheit zählt zu den häufigsten Todesursachen in westlichen Ländern. Jährlich erleiden in Deutschland ca. 280.000 Personen einen Herzinfarkt. Etwa 20% der Todesfälle in Deutschland sind durch eine koronare Herzkrankheit verursacht. 2011 verstarben 52.000 Personen an den Folgen eines Herzinfarktes.

Höhere Überlebenschancen bei Herzinfarkt

Dank neuer Behandlungsmethoden haben sich die Überlebenschancen nach einem akuten Herzinfarkt in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Behandlung im Notfall beinhaltet mittlerweile in den vielen Fällen einen Herzkatheter-Eingriff, durch welchen verschlossene Gefäße wiedereröffnet und durch Einsetzen eines Stents dauerhaft offengehalten werden können.  Nichtsdestotrotz haben Patienten nach einem Herzinfarkt und Patienten mit koronarer Herzkrankheit, die bisher noch keinen Infarkt erlitten haben, ein erhöhtes Risiko für einen zukünftigen Infarkt und weitere Komplikationen und versterben früher. Durch Veränderungen des Lebensstils, Ausschaltung von Risikofaktoren und Medikamente kann dieses Risiko jedoch reduziert werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Die Behandlung richtet sich auf drei Hauptgebiete: Veränderungen des Lebensstils, Vermeidung von Risikofaktoren und die medikamentöse Behandlung. Wichtige Bausteine sind eine Raucherentwöhnung, eine Steigerung der körperlichen Aktivität, gesunde Ernährung und eventuell eine Gewichtsabnahme. Erkrankungen, welche koronare Herzkrankheit fördern, wie Bluthochdruck und Diabetes, sollten behandelt werden. Die medikamentöse Behandlung bei koronarer Herzkrankheit beinhaltet darüber hinaus sogenannte Plättchenhemmer, welche die Bildung von Blutgerinnseln verhindern, Betablocker zur Entlastung des Herzens und Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut und der Stabilisierung der verkalkten Gefäßwände.

Was können Sie selbst tun?

Am besten können Sie Komplikationen vorbeugen, indem Sie selbst die Risikofaktoren reduzieren. Viele Risikofaktoren sind eng miteinander verknüpft - so senkt beispielsweise regelmäßiger Sport auch den Blutdruck, hilft bei einer Gewichtsabnahme und beeinflusst die Blutfettwerte positiv. Häufig liegen bei einem Patienten mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vor. Indem Sie Ihre Lebensgewohnheiten ändern, können Sie einem Herzinfarkt gezielt vorbeugen und das Fortschreiten der Erkrankung deutlich bremsen.

Hören Sie auf zu rauchen!

Dies ist die wichtigste Maßnahme, die Sie durchführen können und ähnlich nützlich wie die Einnahme von Medikamenten. Dabei ist Passivrauchen fast genauso schädlich wie aktives Rauchen. Falls Sie Hilfe benötigen, informieren Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Krankenkasse über Raucherentwöhnungsprogramme.

Bleiben Sie in Bewegung!

Regelmäßige Bewegung trägt zu einer Senkung des Blutdrucks, einer Zunahme des „guten" Cholesterins (HDL-Cholesterin) und zu einem gesunden Körpergewicht bei. Ausreichend körperliche Aktivität, z. B. in Form von regelmäßigem Ausdauertraining, wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit aus und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermutlich genauso effektiv vorbeugen wie Medikamente. Förderlich ist insbesondere mildes Ausdauertraining, wie Spaziergänge oder Fahrradfahren. Bauen Sie dieses in Ihren Alltag ein: Nehmen Sie die Treppe anstatt den Aufzug, fahren Sie zur Arbeit mit dem Rad oder gehen Sie zu Fuß einkaufen. Suchen Sie sich einen Sport, der Ihnen Freude bereitet, beispielsweise auch durch gemeinsame Ausübung mit Freunden.

Ernähren Sie sich gesund!

Nehmen Sie so oft wie möglich frisches Obst und Gemüse zu sich. Außerdem werden reichlich Ballaststoffe empfohlen, wie sie in Produkten aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten zu finden sind, mindestens zweimal pro Woche Fisch und wenig gesättigte Fettsäuren, enthalten in Fleisch, Fertiggerichten und süßen Backwaren. Meiden Sie Softdrinks wie Cola und Fruchtsäfte möglichst ganz. Trinken Sie stattdessen Wasser oder ungesüßte Tees. Trinken Sie täglich nicht mehr als 1 Glas (Frauen) oder 2 Gläser (Männer) alkoholhaltiger Getränke.

Falls Sie an Übergewicht leiden: Nehmen Sie ab!

Übergewicht trägt zu einer erhöhten Belastung von Herz und Blutgefäßen bei. Eine ballaststoffreiche und zugleich kalorienarme Ernährung kann in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Bewegung beim Abnehmen und Halten des Idealgewichts helfen. Schon wenige Kilogramm Körpergewicht weniger haben einen positiven Effekt. Vermeiden Sie „Blitz-Diäten", sie führen selten zu langfristigen Erfolgen. Setzen Sie sich Ziele, die Sie erreichen können, und belohnen Sie sich für erreichte Erfolge. Krankenkassen bieten zahlreiche Angebote, welche Sie unterstützen bei Änderungen Ihres Lebensstils. Zögern Sie auch nicht, Ihren Hausarzt diesbezüglich anzusprechen.

Andere Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit Bluthochdruck

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit - man schätzt, dass zwischen 30% und 45% der Bevölkerung in Europa betroffen ist. Personen mit Bluthochdruck erleiden häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Personen mit normalem Blutdruck. Bei Patienten mit Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit verringert eine Senkung des Blutdrucks die Sterblichkeit. Die Grenze von normalem zu erhöhtem Blutdruck ist jedoch abhängig von weiteren Faktoren. Als Richtwert gilt 140/90mmHg. Je mehr Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, desto eher sollte der Blutdruck gesenkt werden. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Diabetes. Hierfür stehen eine Reihe von zuverlässigen Medikamenten zur Verfügung wie ACE-Hemmer oder Kalziumkanalblocker.

Diabetes

Patienten mit langjährigem Diabetes sind besonders häufig von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Auch die Sterblichkeit an Erkrankungen der Herzkranzgefäße ist bei Patienten mit Diabetes höher als bei Patienten ohne Diabetes. Eine gute Einstellung des Blutzuckers verbessert die Prognose entscheidend. Als Kontrollwert hat sich mittlerweile der Langzeit-Blutzucker (HbA1c) etabliert. Jedoch gibt es auch hier, ähnlich wie beim Bluthochdruck, keinen für alle Patienten gültigen Zielwert. Aufgrund des erhöhten Risikos ist bei Patienten mit Diabetes die Ausschaltung weiterer Risikofaktoren (Rauchen) und die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung (erhöhte Blutfettwerte) besonders wichtig.

Depressionen?

Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, sind häufiger als die Durchschnittsbevölkerung von Depression betroffen. Studien haben auch gezeigt, dass Depressionen mit einem erhöhten Risiko für einen erneuten Herzinfarkt verbunden sind. Es besteht jedoch keine Gewissheit darüber, ob Depressionen zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen oder vielmehr eine Folge dieser oder gemeinsamer Risikofaktoren sind. Auch ist unklar, ob eine medikamentöse Behandlung der Depression mit Antidepressiva die Prognose der koronaren Herzkrankheit verbessert.

Vorbeugende Medikamente bei koronarer Herzkrankheit Plättchenhemmer

Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin) wirken auf die Blutplättchen (Thrombozyten) und verhindern die Bildung von Blutgerinnseln im Gefäß. So senken sie das Risiko für einen erneuten Gefäßverschluss um 25% und vermindern die Sterblichkeit. Als Nebenwirkungen können Blutungen auftreten, sie sind jedoch insgesamt selten. Die lebenslange Einnahme wird allen Patienten mit koronarer Herzkrankheit empfohlen. Eine Alternative zu Acetylsalicylsäure stellen neuere Plättchenhemmer wie Clopidogrel dar.

Betablocker

Betablocker verringern Puls und Blutdruck und senken hierdurch den Bedarf der Herzmuskulatur an Sauerstoff. So reduzieren sie die Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen und verhindern Infarkte sowie einen plötzlichen Herztod. Sofern keinen Gegenanzeigen bestehen, wie bestimmte Herzrhythmusstörungen oder Asthma, wird die Einnahme Patienten mit koronarer Herzkrankheit empfohlen. Als Alternative zu Betablockern werden sogenannte Kalziumkanalblocker verwendet.

Statine

Statine verringern das Risiko eines Herzinfarkts, indem sie den Cholesterinspiegel senken und das Fortschreiten der Arterienverkalkung bremsen. Auch stabilisieren sie sogenannte Plaques, welche sich bei Arteriosklerose in der Gefäßwand bilden und welche entscheidend an der Entstehung von Herzinfarkten beteiligt sind. Man empfiehlt fast allen Patienten mit koronarer Herzkrankheit, unabhängig vom Cholesterinwert, die Einnahme von Statinen. In höheren Dosierung treten allerdings begleitend häufig Muskelschmerzen auf. 

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