Magen-Darm-Entzündung durch Viren

14.03.2017 | Gesundheitsinfos

Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Eine durch Viren verursachte Magen-Darm-Entzündung ist eine häufige Ursache für Durchfall und Erbrechen. Die Erkrankung hält üblicherweise ein paar Tage bis eine Woche an und kann leicht übertragen werden.

Was ist eine durch Viren verursachte Magen-Darm-Entzündung?

Virale Gastroenteritis ist die medizinische Bezeichnung für eine Virusinfektion des Magen-Darm-Trakts (umgangssprachlich auch Magen-Darm-Grippe genannt). Sie ist eine häufige Ursache für Durchfall und Erbrechen. Die Infektion kann alle Altersgruppen betreffen, am kritischsten ist die Erkrankung aber bei Kleinkindern (während sie bei Säuglingen unter drei Monaten selten auftritt). Wie bei Erkältungen kommt es vor allem im Winter zu Virusinfektionen des Darms, sie können aber in allen Jahreszeiten auftreten. Verschiedene Viren können zu Durchfall und Erbrechen führen. Einige Viren verursachen in erster Linie Übelkeit und Erbrechen, während andere vor allem Durchfall hervorrufen. Am häufigsten tritt jedoch eine Kombination dieser Symptome auf. Die verschiedenen Virustypen haben zudem unterschiedliche Auswirkungen auf den Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit. In den meisten Fällen dauert dies ein bis drei Tage, aber sowohl längere als auch kürzere Intervalle sind möglich. Die Erkrankung kann bis zu einer Woche anhalten. Die Neigung zum Erbrechen klingt in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab, während der Durchfall häufig länger anhält.

Was bedeutet eine durch Viren verursachte Magen-Darm-Entzündung?

Das Virus, das die Magen-Darm-Grippe verursacht, wird meist durch Stuhl oder Erbrochenes von infizierten Personen übertragen. Wer es mit dem Händewaschen nach dem Toilettengang nicht so genau nimmt, kann die Infektion auf andere übertragen. Besonders bei Norovirusinfektionen, einer häufigen Ursache für Ausbrüche der Erkrankung in Krankenhäusern, erfolgt die Übertragung typischerweise zusätzlich über Kontakt mit Erbrochenem. Virusbedingte Magen-Darm-Entzündungen sind hochansteckend. In Kindergärten und Krankenhäusern wie auch in anderen Einrichtungen mit vielen Menschen breitet sich die Krankheit rasch aus und wird sowohl auf Kinder bzw. Patienten als auch auf das Personal übertragen. Kinder sind besonders anfällig für Magen-Darm-Entzündungen, da ihr Immunsystem noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Erwachsenen. Die meisten Viren, die Durchfall und Erbrechen auslösen, sind relativ harmlos. Sie lösen einige Tage lang Beschwerden aus und verschwinden dann von alleine. Unangenehmere und langwierigere Erkrankungen werden durch Rotaviren oder Noroviren ausgelöst. Inzwischen werden kleine Kinder meist gegen Rotaviren geimpft. Gegen Noroviren gibt es bislang keinen Impfstoff.

Wie wird eine durch Viren verursachte Magen-Darm-Entzündung behandelt?

Magen-Darm-Entzündungen sind für die meisten Menschen ungefährlich und dauern zwischen drei und sieben Tagen. Ein mögliches Problem ist jedoch eine Dehydrierung, d.h. ein Wassermangel. Zum einen wird durch Erbrechen und Durchfall viel Flüssigkeit verloren, zum anderen lässt im Laufe der Erkrankung der Appetit auf Essen und Trinken nach. Eine Dehydrierung kann zu schwerwiegenden Problemen führen, vor allem bei Kindern unter zwei Jahren und bei älteren Menschen. Um eine Austrocknung zu vermeiden, ist es wichtig, viel zu trinken. Eine geringe Urinmenge und dunkler Urin sind Zeichen für Flüssigkeitsmangel. Bei kleinen Kindern kann sich die Dehydrierung auch so äußern, dass das Kind matt, träge und möglicherweise reizbar wird. Der wichtigste Teil der Therapie ist also die Flüssigkeitszufuhr. Die folgenden Tipps können bei einer Magen-Darm-Entzündung hilfreich sein:

  • Der größte Fehler ist es, Flüssigkeit und Nahrung zu meiden.
  • Es wird empfohlen, kleine Flüssigkeitsmengen zu sich zu nehmen – jeweils nur wenige Milliliter, dafür aber häufig. Dies kann auch die Übelkeit mildern!
  • Säuglinge sollten so oft wie möglich gestillt werden; die Krankheit kann allerdings dazu führen, dass sie zu kraftlos sind, um ausreichend Milch zu sich zu nehmen. In diesem Fall sollten Sie mithilfe einer Spritze, einer Flasche oder eines Löffels häufig kleine Portionen Flüssigkeit geben.
  • In der Apotheke erhalten Sie spezielle Elektrolytlösungen, die auch den Bedarf des Körpers an Salzen und Zucker decken. Diese Mittel empfehlen sich, da sie die richtige Mischung an Salzen enthalten.
  • Man kann sich entsprechende Flüssigkeitsmischungen aber auch relativ leicht selbst herstellen. Hausgemachter Flüssigkeitsersatz: 1/2 TL (2,5 ml) Kochsalz und 6 TL (30 ml) gewöhnlicher Haushaltszucker auf 1 l Trinkwasser. Das Wasser kann abgekocht werden, diese Maßnahme ist bei der Trinkwasserqualität in Deutschland jedoch nicht notwendig.
  • Wenn die Verwendung von Elektrolytlösungen nicht erwünscht oder nicht möglich ist, können kleine Mengen Salzgebäck oder Ähnliches eine sinnvolle Ergänzung sein.
  • Das Wichtigste bleibt die Flüssigkeitszufuhr. Kinder sollten daher ihr Wunschgetränk bekommen. Apfelschorle ohne Kohlensäure hat sich als besonders günstig erwiesen. Süße Getränke wie Limonaden und unverdünnte Fruchtsaftgetränke sind allerdings nach Möglichkeit zu vermeiden, da sie die Flüssigkeitsmenge im Darm erhöhen und den Durchfall verschlimmern können.
  • Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen spricht nach heutigen Erkenntnissen nichts dagegen, einem Kind Milch zu trinken zu geben, wenn es dies möchte. Einige Menschen vertragen jedoch während und nach einer Magendarminfektion vorübergehend Milch nicht besonders gut. Dies muss ausprobiert werden. 
  • Wenn Sie vorübergehend nur wenig Nahrung zu sich nehmen können, besteht keine Gefahr, doch schreitet die Genesung schneller voran, wenn Sie trotz Erbrechen weiterhin essen. Es spricht nichts dagegen, in kleineren Mengen normale Nahrung zu sich zu nehmen. Leicht verdauliche Lebensmittel wie Joghurt, Suppen, Kekse, geriebene Äpfel und dergleichen lassen sich üblicherweise besser verzehren. Reis, Banane und Zwieback sind ebenfalls günstig. Für Erwachsene: Zigaretten, Kaffee und Alkohol sind während der Erkrankung zu meiden. Fette oder stark gewürzte Speisen sollten vermieden werden.
  • Generell kann man jedoch sagen, dass es ratsam ist, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten und die Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, auf die man Appetit hat.
  • Es gibt Medikamente, die Durchfall reduzieren, jedoch wird im Allgemeinen die Einnahme von Medikamenten nicht empfohlen. Mit dem Durchfall reagiert der Körper auf die Infektion und versucht damit, das Virus aus dem Darm zu spülen. Medikamente sind daher nur angeraten, wenn der Durchfall in einer bestimmten Situation vermieden werden soll, zum Beispiel für die Zeit des Arztbesuchs. Kindern unter zwölf Jahren sollten diese Medikamente nicht verabreicht werden.
  • Genauso entbehrlich sind in der Regel Mittel gegen Übelkeit oder Bauchschmerzen, diese können jedoch vorübergehend die Beschwerden lindern. 
  • Ob die Einnahme von sogenannten Probiotika, z. B. Laktobazillen, sinnvoll sein kann, muss der Arzt individuell mit Ihnen besprechen. Es gibt widersprüchliche Erkenntnisse hierzu. Meist ist die Einnahme unproblematisch und bestenfalls günstig für den Krankheitsverlauf, in einigen Fällen ist jedoch auch zur Vorsicht zu raten. 

Was ist mit der Tagesbetreuung/Schule?

Kinder mit akuten Durchfallerkrankungen dürfen nach 48 Stunden ohne Durchfall oder Erbrechen wieder in die Kita oder Schule. Dies gilt auch für Kleinkinder. In jedem Fall sollte auch der Kindergarten informiert werden, um zu prüfen, ob andere Kinder im Kindergarten ähnliche Symptome haben.

Hygiene-Tipps

Virale Magendarmerkrankungen werden in der Regel von Mensch zu Mensch übertragen. Hierbei spielt die Handhygiene, d. h. häufiges Händewaschen, eine wichtige Rolle. Die Erreger werden bei Durchfall und Erbrechen in großen Mengen ausgeschieden und gelangen über die Hände bzw. seltener auch durch Tröpfchen, die beim Erbrechen entstehen, von einem erkrankten Menschen auf weitere Personen. Nur beim Norovirus kann man sich auch durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel anstecken.  Wichtig ist also, dass Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und Wasser waschen, insbesondere nach dem Toilettengang und vor dem Essen. Dies ist vor allem auch für Kinder wichtig, und Erwachsene sollten sie stets daran erinnern.  Wenn in Ihrem Haushalt ein Mitglied an einer Magen-Darm-Infektion leidet, wäre es vorteilhaft, wenn diese Person ein separates WC nutzen könnte. Die Oberflächen im Bad sollten regelmäßig gründlich gereinigt werden. Spezielle Oberflächen- oder Händedesinfektionsmittel sind hierbei bei den meisten Magen-Darm-Erregern nicht notwendig. Anders bei Rota- oder Noroviren, hier können bestimmte Desinfektionsmaßnahmen erwogen werden, da diese beiden Viren hochansteckend sind und oft schwerere Erkrankungen auslösen. Spezielle Desinfektionsmaßnahmen sind vor allem sinnvoll bei Kontakt mit Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, sowie in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Säuglinge, die schweren Durchfall oder Erbrechen haben, sollten stets von einem Arzt untersucht werden.
  • Kleinkinder, die mitgenommen und schlapp wirken, „nicht sie selbst sind“, keine Energie zum Spielen aufbringen usw., sind von einem Arzt zu untersuchen.
  • Wenn Anzeichen von Dehydrierung vorliegen (geringe Urinmenge, dunkler Urin, trockener Mund und Durst), sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
  • Bei ausgeprägten Magenschmerzen, hohem Fieber, Blut im Erbrochenen oder im Stuhl sollte ebenfalls ein Arzt konsultiert werden.

Bei Anzeichen einer schweren Dehydrierung, Blut im Stuhl oder starken Magenschmerzen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Im Krankenhaus kann der Flüssigkeitsverlust wirksam ausgeglichen werden: durch Einführen einer Sonde durch die Nase in den Magen oder durch intravenöse Zufuhr (Kochsalzlösung direkt ins Blut). Ein Krankenhausaufenthalt ist nur in seltenen Fällen notwendig.

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