Migräne bei Frauen

06.07.2017 | Gesundheitsinfos

Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Frauen leiden zwei- bis dreimal so oft unter Migräne wie Männer.

Migräne ist eine Erkrankung, von der vor allem Frauen betroffen sind. Die Erkrankung tritt zwei- bis dreimal so häufig bei Frauen auf wie bei Männern. Migräne ist eines der größten Gesundheitsprobleme bei Frauen.
Die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen wird stark durch die Hormone beeinflusst, und viele Frauen erleben, dass die Schmerzen im Einklang mit den häufigen Hormonschwankungen, die im Körper auftreten, variieren. Es ist jedoch nicht so, dass alle Betroffenen einen Zusammenhang zwischen Hormonstatus und Migräne erleben.

Vorkommen

In der Kindheit tritt Migräne bei Jungen und bei Mädchen etwa gleich häufig auf. Doch ab dem Beginn der Pubertät, wenn die Wirkung des Hormons Östrogen einsetzt, steigt die Häufigkeit bei Mädchen. Das Jahr, in dem bei einem Mädchen die Menstruation einsetzt, ist das Jahr, in dem die meisten Frauen ihren ersten Migräneanfall bekommen.
Nach der Pubertät steigt die Häufigkeit von Migräne bei Frauen bis zum Alter von etwa 45 Jahren, um dann wieder zurückzugehen. Untersuchungen zeigen, dass etwa 15 % der erwachsenen Frauen und 7 % der Männer Migräne haben. 
Viele Frauen erleben, dass die Migränebeschwerden durch die Menstruation, hormonelle Verhütung, Schwangerschaft und Wechseljahre (Menopause) beeinflusst werden. Mit dem derzeitigen Kenntnisstand kann jedoch nichts über die Entwicklung der Krankheit für die einzelne Frau vorhergesagt werden.

Menstruelle Migräne

Viele Frauen, die unter Migräne leiden, erleben eine Verschlechterung im Zusammenhang mit der Menstruation. Menstruelle Migräne ist ein Anfall, der von zwei Tagen vor bis zu drei Tage nach dem Beginn der Menstruation entsteht. Bei den meisten Betroffenen treten die Anfälle in dieser Zeit häufiger und stärker auf. Einige Betroffene erleben sehr schwere und anhaltende Anfälle zu Beginn der Menstruation. Es wird berichtet, dass mehr als 10 % aller Frauen menstruelle Migräne erleben. Die meisten dieser Frauen haben Migräne auch zu anderen Zeiten während des Monats.
Bei der gleichen Frau können sich die Anfälle von menstrueller Migräne in Bezug auf die Dauer, Intensität, Symptome und Ansprechen auf die Behandlung von anderen Anfällen unterscheiden.
Östrogen allein ist nicht die Ursache. Es gibt hormonelle Schwankungen, insbesondere wenn die Menge an Östrogen während des Menstruationszyklus fällt, die Migräne auszulösen scheinen.
Menstruelle Migräne wird mit den üblichen Migräne-Medikamenten behandelt. Wenn die menstruelle Migräne einer Frau so stark ist, dass sie nicht effektiv mit Medikamenten behandelt werden kann, sollte eine hormonelle Kontrazeption als Behandlung in Betracht gezogen werden.

Hormonelle Kontrazeption

Hormonelle Verhütungsmittel beeinflussen Frauen in unterschiedlicher Weise. Einige Frauen mit Migräne erleben weniger Kopfschmerzen, während andere mehr Kopfschmerzen erleben, und einige finden, dass ihre Migräne gar nicht beeinflusst wird. Die Pille enthält Hormone, und bei manchen Frauen verschlimmern sich die Migränebeschwerden, wenn sie mit der Einnahme der Pille beginnen.
Manche Frauen bekommen Migräne zum ersten Mal, wenn sie mit der Einnahme der Pille beginnen, vor allem wenn es Fälle von Migräne in der Familie gibt. Verhütungsmittel, die zu einer Verringerung oder zum Wegfall der Menstruation führen, werden gelegentlich verwendet, um eine schwere menstruelle Migräne zu behandeln. Frauen mit Migräne sollten vorsichtig sein, wenn sie ein hormonelles Verhütungsmittel wählen, und zusammen mit dem Arzt die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.
Wenn Sie starke Migräneschmerzen oder Migräne mit Aura bekommen, sollten Sie die Pille absetzen und stattdessen andere Verhütungsmittel verwenden, z. B. die Minipille. Es kann trotzdem nach dem Absetzen der Pille einige Monate dauern, bevor sich die Migräne normalisiert.

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft geschehen enorme hormonelle Veränderungen im Körper, und dies kann sich auf die Migräne auswirken. Rund 60 % der betroffenen Frauen erleben eine Verbesserung der Migräne während des ersten Trimesters, und mehr als 75 % der Frauen erleben, dass sich die Symptome während der übrigen Schwangerschaft verringern oder verschwinden. Nach der Geburt kommt die Migräne jedoch schnell zurück, aber häufig nicht so stark wie zuvor. Stillen kann die Rückkehr der Migräne verzögern. 15 % der Frauen erleben, dass sich die Migräne während des ersten Trimesters verschlimmert, während ca. 25 % keinen Unterschied bemerken.
Einige der Medikamente, die gegen Migräne verwendet werden, führen dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, und dies kann dazu führen, dass das ungeborene Kind zu wenig Sauerstoff bekommt. Es ist daher wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt besprechen, welche Medikamente Sie verwenden dürfen. Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist es wichtig, dass Sie mit Medikamenten vorsichtig sind.
Bei starken Schmerzen ist die Verwendung von Paracetamol wahrscheinlich unbedenklich. Andere Schmerzmittel sollten vermieden werden. Auch andere Migränemedikamente sollten vermieden werden.
Viele Medikamente werden durch die Muttermilch ausgeschieden und können während der Stillzeit Einwirkungen auf das Kind haben. Paracetamol gilt als unbedenklich zu verwenden. Was die Verwendung anderer Medikamente betrifft, sollten Sie diese mit Ihrem Arzt besprechen. Wenn Sie selten Anfälle haben, wird häufig empfohlen, dass Sie gegen diese Anfälle ein Migränemedikament einnehmen und danach für einige Zeit das Stillen aussetzen. Bis das Medikament aus Ihrem Körper ausgeschieden ist, können Sie das Kind mit eingefrorener Milch füttern, die Sie im Voraus vorbereitet haben.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind während der Schwangerschaft immer die erste Wahl! Neuere Forschungen zeigen eine Möglichkeit, migränevorbeugende Medikamente für schwangere Frauen mit häufigen und starken Anfällen einzunehmen, vor allem, wenn sich diese nicht durch symptomlindernde Behandlung verbessern lassen. Beta-Blocker wie Propranolol sind die erste Wahl, in der niedrigsten wirksamen Dosis.

Die Wechseljahre

Die Wechseljahre (Menopause) sind ebenfalls eine Phase im Leben, in der im weiblichen Körper große hormonelle Veränderungen stattfinden. Viele Frauen erleben eine vorübergehende Verschlimmerung der Migräne in den Jahren um die Wechseljahre herum.
Danach tritt bei zwei von drei Frauen üblicherweise eine Verbesserung ein oder die Migräne hört ganz auf. Frauen, die eine natürliche Menopause durchleben, geht es deutlich besser. Dagegen leiden Frauen, die nach einem chirurgischen Eingriff (Entfernung der Eierstöcke) in die Wechseljahre kommen, häufig mehr.
Die Wirkung, die eine Zufuhr von Östrogenen zur Linderung der Wechseljahrsbeschwerden auf die Migräne hat, ist schwierig vorherzusagen.

Im späteren Leben

Die Prävalenz von Migräne nimmt mit dem Lebensalter ab, nur noch ca. 5 % der Frauen im Alter von über 60 Jahren klagen über Migräne. Nur 2 % aller Migränepatientinnen erleben ein erstmaliges Auftreten der Symptome im Alter von über 65 Jahren. Wenn Kopfschmerzen spät im Leben entstehen, ist es besonders wichtig, den Hausarzt zu kontaktieren, um andere Ursachen auszuschließen.

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