Parkinson-Krankheit

10.09.2017 | Gesundheitsinfos

Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns., die meist in fortgeschrittenem Alter auftritt. Symptome können u. a. eine verlangsamte Bewegung, Steifheit der Muskulatur und ein Zittern der Hände sein. Eine Heilung der Erkrankung ist zwar nicht möglich, jedoch gibt es einige Möglichkeiten, die Symptome zu lindern.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Das Parkinson-Syndrom beschreibt eine Reihe von typischen Symptomen, die oft zusammen auftreten. Die häufigste Krankheit, die diese Symptome verursacht, ist die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt. Hierbei handelt es sich um eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung der Nervenzellen des Gehirns.
Zu Beginn der Erkrankung entwickeln sich die Beschwerden schleichend und können zu Beginn relativ uncharakteristisch sein. Ein Beispiel für ein mögliches Frühsymptom der Parkinson-Krankheit sind Schlafstörungen. Die Bewegungseinschränkungen beginnen dann überwiegend einseitig und auch im Laufe der Erkrankung bleibt eine Seite meist stärker betroffen als die andere. Die typische Parkinson-Krankheit beginnt oft mit rhythmischem Zittern der Hände, gefolgt von Muskelsteifheit und instabiler Haltung. Mit der Zeit werden Bewegungen generell langsamer und insbesondere der Beginn einer Bewegung bereitet Probleme. Das Zittern, das als Tremor bezeichnet wird, tritt vor allem in Ruhe auf und kann sich bei psychischer Belastung noch verstärken. Die Muskelsteifheit bezeichnet man auch als Rigor und sorgt für erhöhten Muskelwiderstand beim Durchbewegen der Arme. Der Gang bei Patienten mit Parkinson-Krankheit wird nach und nach unsicherer und die Schritte häufig kleiner. Die Stimme wird meist schwächer, die Aussprache zunehmend monotoner und das Gesicht kann für Außenstehende ausdruckslos wirken. Das Schriftbild der Betroffenen wird durch die Bewegungseinschränkung häufig klein und undeutlich. Auch psychische Symptome wie Demenz und Depression sind bei Patienten mit Parkinson-Krankheit keine Seltenheit.

Häufigkeit

In Deutschland leiden etwa 200.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit. Pro Jahr erkranken ca. 10–20 pro 100.000 Menschen neu an der Erkrankung. Das durchschnittliche Alter, in dem die Erkrankung erstmals auftritt, liegt bei 60 bis 65 Jahren. Generell steigt die Häufigkeit mit zunehmendem Alter an, in seltenen Fällen kann sich die Erkrankung aber auch schon im mittleren Erwachsenenalter entwickeln. Es besteht kein wesentlicher Unterschied der Häufigkeit zwischen den Geschlechtern.

Ursache

Die Parkinson-Krankheit beruht auf der Schädigung und gestörten Funktion bestimmter Nervenzellen im Gehirn. Die Unterfunktion betrifft einen umschriebenen Bereich, der an der Bewegungskoordination mitwirkt und hier vor allem die Zellen, die Dopamin, einen sogenannten Neurotransmitter, freisetzen. Der Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen der Erkrankung. Die Ursache dieser Schädigung ist bis heute ungeklärt, man geht aber von einem Zusammenspiel vieler Faktoren aus.
Neben der eigentlichen Parkinson-Krankheit können andere, seltenere Erkrankungen des Gehirns sehr ähnliche Symptome verursachen. Man spricht dann von atypischen Parkinson-Syndromen. Eine weitere mögliche Ursache für derartige Symptome können Medikamente sein. Hier kommen unter anderem Antipsychotika in Frage, die zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden und als Nebenwirkung vorübergehende Symptome des Parkinson-Syndroms verursachen können.

Diagnose

Die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung erfolgt durch einen Spezialisten anhand der typischen Beschwerden und Symptome. Die Hauptsymptome, auf denen die Diagnose fußt, sind eine Bewegungsarmut, Muskelsteifheit, Zittern in Ruhe und eine instabile Haltung. In den frühen Stadien der Erkrankung, bevor die typischen Hauptsymptome auftreten, kann die Diagnose jedoch mitunter schwer zu stellen sein. Im Laufe der Zeit entwickeln sich dann meist die krankheitstypischen Symptome. Zur Diagnose wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt, die in manchen Fällen durch standardisierte Tests der Bewegungs- und Denkfähigkeit ergänzt wird.
Bevor die Diagnose gestellt wird, kann zuvor ausgeschlossen werden, dass die Symptome im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder Medikamenteneinnahme stehen. Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose ist das Ansprechen der Parkinson-Krankheit auf die Therapie. Hierzu werden die Symptome vor und nach Gabe eines Medikamentes erfasst. Eine Besserung spricht für eine Parkinson-Krankheit. Auch eine bildgebende Untersuchung, wie z.B. eine MRT-Untersuchung des Gehirns kann durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen. Bleibt die Diagnose weiterhin unklar, kann mit Hilfe einer speziellen Bildgebung die Funktionsfähigkeit der betroffenen Nervenzellen beurteilt werden. Insbesondere bei sehr jungen Betroffenen oder einer ungewöhnlichen Häufung der Parkinson-Krankheit in der Familie, kann zudem eine Gendiagnostik in Betracht gezogen werden.

Therapie

Das Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und den Betroffenen ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität zu bewahren. Es gibt keine heilende Therapie der Parkinson-Krankheit, aber eine Vielzahl an Medikamenten, die das Fortschreiten verlangsamen und die Beschwerden lindern können. Die medikamentöse Therapie sollte aber unbedingt durch weitere Behandlungs- und Betreuungsangebote ergänzt werden. Körperliche Aktivität beizubehalten, ist für Betroffene sehr wichtig, da dies den Symptomen entgegenwirkt. Allen Parkinson-Patienten werden daher physiotherapeutische Maßnahmen empfohlen. Die Medikamente, die in der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, wirken größtenteils über die Erhöhung der Menge an Dopamin, einem Neurotransmitter. Es gibt eine Vielzahl von Wirkstoffen mit unterschiedlichem Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil. Ein bedeutendes Medikament ist beispielsweise L-Dopa, eine Vorstufe des Dopamins. Da sich die Wirksamkeit im Laufe der langfristigen Behandlung ändern kann, müssen mitunter Medikamente gewechselt oder ergänzt werden. Welche Medikamente im Einzelfall am besten geeignet sind und wie die weitere Therapie angelegt wird, sollte mit dem betreuenden Neurologen geklärt werden.
Falls die medikamentöse Therapie nicht mehr die beabsichtigte Wirkung erzielt, kann bei stark einschränkenden Symptomen ein operativer Eingriff infrage kommen. Bei dieser Behandlung, der tiefen Hirnstimulation (THS) wird eine Elektrode in ein bestimmtes Areal des Gehirns platziert und mit einer programmierbaren Stromquelle gekoppelt. In mehreren Studien wurden hierdurch deutliche Verbesserungen der Symptome bei schwer betroffenen Patienten gezeigt.

Krankheitsverlauf

Die Erkrankung beginnt oft erst nach dem Alter von 50 Jahren und entwickelt sich dann im Laufe einiger Jahre fort. Der Verlauf variiert und kann bei einigen Betroffenen schneller oder langsamer sein. Schwankungen der Symptome sind insbesondere nach einigen Jahren medikamentöser Behandlung häufig. Auch das sogenannte On-Off-Phänomen tritt häufig auf. Dies beschreibt, dass die Symptome schnell von gutem Befinden und Beweglichkeit („On") zu Steifheit und ausgeprägter Parkinson-Symptomatik („Off“) wechseln können. Dass die Betroffenen ganz plötzlich etwas nicht mehr schaffen, was vor wenigen Minuten noch möglich war, kann oft sehr belastend sein und für Angehörige schwer verständlich sein.
Bei einer Überdosierung der eingesetzten Medikamente können Betroffene unwillkürliche Bewegungen erleben. Diese ungezielten Bewegungen, die im Laufe der Erkrankung immer häufiger auftreten bezeichnet man als Dyskinesien. Bei einigen Patienten kann es zudem zu psychischen Symptomen wie Depressionen, Kontrollverlust oder Wahnvorstellungen kommen. Ob diese von der Krankheit selbst verursacht werden oder Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie sind, ist nicht immer klar zu unterscheiden.  Im Laufe der Zeit entwickeln viele Patienten eine Demenz. Laut einer Studie war es bei älteren Patienten fünf Jahre nach der Diagnose des Parkinson-Syndroms bei 40 % der Männer und bei 25 % der Frauen zu einer Demenzerkrankung gekommen. Es hat sich gezeigt, dass insbesondere eine gute und vielseitige Therapie mit physiotherapeutischer Unterstützung dazu führt, dass die Betroffenen für eine möglichst lange Zeit ihre körperliche Aktivität und Selbstständigkeit beibehalten können. Auch die Unterstützung durch Angehörige und nahestehende Menschen wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Das Leben mit Parkinson

In den ersten Jahren der Erkrankung unterscheidet sich der Verlauf von Person zu Person recht stark. Bei vielen Betroffenen kommt es anfänglich nur zu geringen Auswirkungen auf die Aktivität und Lebensführung. In dieser Phase zeigt auch die medikamentöse Therapie gute Wirkung gegen die Symptome. Nach und nach müssen die meisten Betroffenen lernen, mit einem zunehmenden Grad an Einschränkung zu leben. Bei den meisten Erkrankten führt das Parkinson-Syndrom nach einer gewissen Zeit zu einem mehr oder minder starken Grad der Behinderung und der Hilfsbedürftigkeit.
Viele Menschen wissen nicht, welche Konsequenzen das Parkinson-Syndrom für die Betroffenen hat, sodass es häufig zu Missverständnissen kommt. Das Parkinson-Syndrom kann bei den Betroffenen das Selbstvertrauen untergraben und die physischen und psychischen Probleme können zu Isolation und Depression führen. Daher ist es wichtig, dass die Angehörigen der Betroffenen und das Pflegepersonal wissen, wie sich die Erkrankung entwickelt und wie sie vom Patienten erlebt wird. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen, kann im Umgang mit der Erkrankung hilfreich sein.

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