Schlaganfall, Notfalltherapie

23.01.2018 | Gesundheitsinfos

Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Bei einem akuten Schlaganfall kommt es zu neurologischen Funktionsausfällen, die auf einer plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung im Gehirn beruhen. Eine schnelle Versorgung und frühe Diagnose ist von enormer Bedeutung, um nach Möglichkeit im Zeitfenster mit der richtigen Behandlung zu beginnen. Die Prognose eines Schlaganfalls hängt unter anderem von der schnellen Notfallbehandlung ab.

Was ist ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall kommt es durch eine verminderte Durchblutung bestimmter Teile des Gehirns zu plötzlich auftretenden Funktionsausfällen. Diese können von Lähmungen, Gefühlsstörungen und Sprachstörungen bis zur Bewusstlosigkeit reichen. In 80-85 % der Fälle ist die Ursache für die Minderdurchblutung ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. Lediglich in 10–15 % handelt es sich um eine Hirnblutung. Wenn die Symptome nur vorübergehend auftreten und sich von alleine zurückbilden, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). In der Regel hält eine TIA weniger als eine Stunde an.

Symptome

Ein Schlaganfall kann sich – je nach betroffenem Hirnareal – durch verschiedene Symptome äußern. Die meisten Patienten weisen eins oder mehrere der Symptome auf, die mit dem sogenannten FAST-Schnelltest auch von medizinischen Laien erkannt werden können. Die Abkürzung FAST steht für die englischen Worte Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):

FAST-Test

  • Face (Gesicht) – Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?
  • Arms (Arme) – Fordern Sie die betroffene Person auf, beide Arme gleichzeitig zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen, und die Arme so für einige Sekunden zu halten. Sinkt ein Arm allmählich ab?
  • Speech (Sprache) – Bitten Sie die betroffene Person einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage, oder ist die Aussprache verwaschen?
  • Time (Zeit) – Sollte der Betroffene mit einer der genannten Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute! Je schneller der Patient behandelt wird, desto geringer sind die zu erwartenden Folgeschäden. Rufen Sie in diesem Fall den Notruf 112!

Notfalltherapie des Schlaganfalls

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um einen Notfall, der möglichst früh im Krankenhaus behandelt werden sollte. Die Symptome können dem Betroffenen selbst, Angehörigen oder dem Hausarzt auffallen, der dann den Rettungsdienst verständigt. Ziel einer schnellen Behandlung ist es, den entstandenen Hirnschaden zu begrenzen und erneute Schlaganfälle zu verhindern. Bei der Behandlung wird zwischen der Notfalltherapie und der Behandlung nach der Akutphase unterschieden. Häufige Erstmaßnahmen sind die Gabe von Sauerstoff, eine Monitorüberwachung und ggf. die Stabilisierung des Kreislaufs. Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall werden dann unmittelbar mit dem Rettungsdienst in das Krankenhaus gebracht. Dort erfolgt eine zielgerichtete neurologische Untersuchung, bei der Kraft, Gefühl, Sehfähigkeit und Sprache beurteilt werden, um einen ersten Hinweis auf Lokalisation und Ausmaß des Schlaganfalls zu erlangen. Zusätzlich wird mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) ein Bild vom Gehirn gemacht, um herauszufinden, ob der Schlaganfall durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung verursacht wird und welches Areal betroffen ist. Ist seit dem Eintreten des Schlaganfalls noch nicht zu viel Zeit vergangen, kann ein Versuch unternommen werden, ein verschlossenes Gefäß im Gehirn wieder zu eröffnen und so weitere Schäden am Gewebe zu verhindern. Eine Möglichkeit besteht in der Auflösung des ursächlichen Blutgerinnsels mit einem Medikament, das intravenös verabreicht wird. Dies bezeichnet man als medikamentöse Thrombolyse. Je nach Schwere des Schlaganfalls und vergangener Zeit, lässt sich durch diese Maßnahme eine deutliche Besserung bewirken. Zusätzlich wird in den Jahren immer häufiger auf ein Verfahren mittels Katheter zurückgegriffen, die intraarterielle Thrombektomie. Hierbei wird ein Katheter über die Arterien bis zum Verschluss des Gefäßes im Gehirn vorgeschoben und das Blutgerinnsel mit spezialisierten Geräten mechanisch entfernt. In den meisten Fällen wird eine solche Thrombektomie nach begonnener Thrombolyse durchgeführt. Die weitere Akuttherapie des Schlaganfalls erfolgt häufig auf einer spezialisierten Schlaganfallstation im Krankenhaus, auch Stroke-Unit genannt. Dort erfolgt die Behandlung meist durch ein interdisziplinäres Team und speziell geschultes Personal. Die Monitorüberwachung wird dort über einige Zeit fortgeführt. Um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern, wird in der Regel ein Hemmer der Blutplättchen, wie z. B. ASS verschrieben. Die weitere Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und Einschränkungen der Betroffenen. In den Tagen nach einem Schlaganfall wird im Krankenhaus auf mögliche Ursachen, wie z. B. Vorhofflimmern und Ablagerungen in den Halsschlagadern (Karotisstenose) untersucht. Nach einem Schlaganfall hat die Rehabilitation einen hohen Stellenwert und wird bereits im Krankenhaus begonnen.

Bei einer Hirnblutung unterscheidet sich die Behandlung in einigen Punkten. Häufig ist zusätzlich zu der Monitorüberwachung eine medikamentöse Senkung des Blutdrucks notwendig. In sehr schweren Fällen kann eine neurochirurgische Operation notwendig sein.

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