Schlaganfall, Vorbereitung auf die Krankenhausentlassung

23.01.2018 | Gesundheitsinfos

Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Bei einem Schlaganfall kommt es durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn zu plötzlichen Funktionsausfällen, wie z. B. halbseitigen Lähmungen. Der Weg zurück in den Alltag nach einem Schlaganfall kann lang sein. Die Vorbereitungen für die Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus werden häufig schon zu Beginn der Rehabilitation geplant, um dem Betroffenen einen unkomplizierten Übergang in das eigene Umfeld zu ermöglichen und die Fortschritte der Behandlung auch danach beizubehalten.

Was ist ein Schlaganfall? 

Bei einem Schlaganfall kommt es durch eine verminderte Durchblutung bestimmter Teile des Gehirns zu plötzlich auftretenden Funktionsausfällen. Diese können von Lähmungen, Gefühlsstörungen und Sprachstörungen bis zur Bewusstlosigkeit reichen. In den meisten Fällen ist die Ursache für die Minderdurchblutung ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. Deutlich seltener handelt es sich um eine Hirnblutung. Wenn die Symptome nur vorübergehend auftreten und sich von alleine zurückbilden, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). In der Regel hält eine TIA weniger als eine Stunde an. Die häufigsten Folgen eines Schlaganfalls sind:

  • Schwäche oder Ungeschicklichkeit auf einer Seite des Körpers
  • Sprechschwierigkeiten oder Störungen des Sprachverständnis
  • Schlechtes Gleichgewichtsgefühl und ungeschickte Bewegungen
  • Kein Gefühl in einer Hälfte des Körpers
  • Schluckbeschwerden
  • Kontrollverlust bei Harnentleerung und Stuhlgang
  • Schwierigkeiten beim Erinnern, Denken und beim Lösen von Problemen
  • Veränderungen des Sehvermögens

Der Weg zurück in den Alltag nach einem Schlaganfall kann lang sein. Welche Maßnahmen jeweils erforderlich sind, ist individuell verschieden und hängt von der Ausprägung des Schlaganfalls ab. Häufig folgt auf die Notfallbehandlung und den Aufenthalt im Krankenhaus eine Rehabilitation zur Wiedererlangung der eingeschränkten Funktionen. Abhängig von der Ausprägung des Schlaganfalls und der Einschränkungen für den Betroffenen sind dann Schritte notwendig, um die unproblematische Rückkehr in das eigene Zuhause und die weitere Versorgung sicherzustellen.

Welche Planungsschritte sind notwendig?

Ein Schlaganfall kann sehr variable Symptome zur Folge haben und die bleibenden Einschränkungen, die sich daraus für den Betroffenen und sein alltägliches Leben ergeben, sind sehr unterschiedlich. Folgende Punkte können in der Planung vor der Entlassung des Betroffenen aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitation eine Rolle spielen:

  • Unterbringung des Patienten in einem sicheren Wohnumfeld, Anpassung des Wohnumfelds.
  • Betreuung und Unterstützung zuhause, evtl. benötigte Hilfsmittel.
  • weitere Rehabilitationsmaßnahmen und sonstige unterstützende Maßnahmen im alltäglichen Leben
  • Kontaktaufnahme und Informationsgespräche mit einem ambulanten Pflegedienst, einer Pflegeeinrichtung oder der Reha-Klinik.

Muss das Wohnumfeld angepasst werden?

Nach einem Schlaganfall und der Behandlung, muss überlegt werden, ob ein selbstständiges Leben mit den bisherigen Umständen problemlos möglich ist. Viele Betroffene können nach dem Krankenhausaufenthalt oder der Rehabilitation in ihr vertrautes Wohnumfeld zurückkehren. In manchen Fällen müssen jedoch Plätze in Pflegeeinrichtungen oder speziellen Wohngemeinschaften gefunden werden, wo Hilfe, Pflege und Fürsorge rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Diese Entscheidung ist abhängig vom Unterstützungsbedarf und weiteren Bedingungen vor Ort, wie z. B. der Nähe zu Angehörigen oder den Stockwerken und Entfernungen die bewältigt werden müssen. Entscheidend ist aber vor allem, dass sich der Betroffene dort, wo er wohnt, gut aufgehoben fühlt. Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus wird individuell beurteilt, welche Voraussetzungen das zukünftiges Wohnumfeld erfüllen muss. Ein Besuch zu Hause kann Aufschluss darüber geben, welche Veränderungen vorgenommen werden müssen, damit Sie sich dort gut zurechtfinden. Folgende Maßnahmen können infrage kommen:

  • Die Zimmer können getauscht und ummöbliert werden, so dass Sie alles auf einer Etage haben und keine Treppen bewältigen müssen.
  • Ein Treppenlift stellt dazu eine Alternative dar.
  • Teppiche, Türschwellen und ähnliche Stolperfallen können entfernt werden.
  • Haltegriffe und Stützvorrichtungen können Ihnen den Toilettenbesuch, das Baden und das Duschen erleichtern.

Werden spezielle Hilfsmittel benötigt?

Bestehen auch nach der Rehabilitation noch Einschränkungen beim Gehen, mit dem Gleichgewicht oder mit der Ausführung alltäglicher Tätigkeiten, kann auf spezielle Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Gehstock: Viele Patienten benötigen nach einem Schlaganfall eine Gehhilfe. Ein Gehstock ist bei leichteren Einschränkungen häufig die erste Wahl.
  • Rollator: Ein Rollator bietet mehr Sicherheit als ein Gehstock, weil man sich besser abstützen kann. Rollatoren gibt es in verschiedenen Ausführungen, die zusätzlich an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können.
  • Fußgelenkstütze: Eine spezielle Stütze kann dabei helfen, den Fuß beim Laufen in der richtigen Position zu halten.
  • Rollstuhl: Auch ein Rollstuhl lässt sich individuell anpassen.
  • Hilfsmittel zum Waschen, Anziehen und Essen: Haltegriffe und Stützvorrichtungen können montiert werden; bestimmte Hilfsmittel die Bewältigung von Aufgaben mit nur einer Hand erleichtert.
  • Kommunikationsmittel: Ein Sicherheitsalarm kann installiert werden und Geräte wie Telefon und Computer können angepasst werden.

Wie ist die Pflege und Fürsorge organisiert?

Falls Hilfsbedarf besteht, kümmern sich oft die Angehörigen, enge Freunde oder ein ambulanter Pflegedienst um den Betroffenen, wenn er zuhause wohnt. Sämtliche Personen, die mit der Pflege und Fürsorge des Patienten betraut sind, sollten über seine individuellen, physischen und emotionalen Bedürfnisse informiert sein und diese respektieren, damit der Patient sich gut aufgehoben fühlt. Da jeder Schlaganfall individuell ausfällt, variiert auch der Unterstützungsbedarf. Was Pflege- und Fürsorgepersonen unterstützend tun können:

  • Die Rückkehr des Betroffenen in sein vertrautes Wohnumfeld vorbereiten.
  • Der Betroffene benötigt möglicherweise Hilfe bei der regelmäßigen und korrekten Einnahme von Medikamenten, der Einhaltung von Ernährungsempfehlungen und bei der Ausführung geplanter Aktivitäten.
  • Motivation und Hilfestellung bei den in der Rehabilitation erlernten Übungen können dazu beitragen, dass der Betroffene diese weiterhin regelmäßig durchführt.
  • Viele Menschen benötigen nach einem Schlaganfall Unterstützung bei praktischen Tätigkeiten.
  • Auch Unterstützung bei der Kommunikation kann erforderlich sein.
  • Zudem können möglicherweise Arztbesuche und Aktivitäten außer Haus organisiert werden.
  • Am wichtigsten ist es, dass dringende Bedürfnisse des Betroffenen beachtet und nach Möglichkeit erfüllt werden.

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