Schlaganfall

07.08.2017 | Gesundheitsinfos

Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Als Schlaganfall bezeichnet man die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn, bei der Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. In 80–85 % der Fälle ist die Ursache ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. In den übrigen Fällen beruht der Schlaganfall auf einer Hirnblutung.

Fakten

  • Als Schlaganfall bezeichnet man die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn, bei der Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.
  • In 80-85 % der Fälle ist die Ursache ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. In den übrigen Fällen beruht der Schlaganfall auf einer Hirnblutung.
  • Ein Schlaganfall kann sich – je nach betroffenem Hirnareal – durch verschiedene Symptome äußern. Zu den häufigsten Anzeichen zählen eine halbseite Körperlähmung, Taubheitsgefühle, Sprech- und Sprachverständnisstörungen, Sehstörungen, starker Schwindel, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden sowie Bewusstlosigkeit.
  • Bei einem Schlaganfall handelt es sich um einen medizinischen Notfall, bei dem Sie umgehend den Rettungsdienst alarmieren sollten!
  • Bei Personen, die bereits einen Schlaganfall hatten, ist das Risiko eines erneuten Schlaganfalls erhöht.

Was ist ein Schlaganfall?

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich – „schlagartig“ – auf. Mit Hilfe eines einfachen Schnelltests, dem sogenannten FAST-Test, können medizinische Laien typische Schlaganfall-Symptome erkennen. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Beobachten Sie bei sich oder einer anderen Person eines der folgenden Symptome, alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112!Bei einem Schlaganfall kommt es infolge einer Durchblutungsstörung im Gehirn zu plötzlichen Funktionsausfällen im Körper. In 80-85 % der Fälle ist die Ursache ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. Geben sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden wieder, so spricht man in medizinischen Kreisen von einer transitorischen ischämischen Attacke, TIA. In den meisten Fällen hält eine TIA weniger als eine Stunde an.

FAST-Test

  • Face (Gesicht) – Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?
  • Arms (Arme) – Fordern Sie die betroffene Person auf, beide Arme gleichzeitig zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen, und die Arme so für einige Sekunden zu halten. Sinkt ein Arm allmählich ab?
  • Speech (Sprache) – Bitten Sie die betroffene Person einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage, oder ist die Aussprache verwaschen?
  • Time (Zeit) – Sollte der Betroffene mit einer der genannten Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute! Je schneller der Patient behandelt wird, desto geringer sind die zu erwartenden Folgeschäden. Rufen Sie in diesem Fall den Notruf 112!

Häufigkeit

Geschätzt erleiden in Deutschland etwa 270.000 Personen pro Jahr einen Schlaganfall. Bei 75 % der Betroffenen handelt es sich um den ersten Vorfall, während die übrigen 25 % bereits zum wiederholten Mal von einem Schlaganfall betroffen sind. Etwa 15% der deutschen Bevölkerung erleidet im Laufe des Lebens einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland mit jährlich etwa 60.000 Todesfällen. Allerdings ist die Sterblichkeit unter Schlaganfall-Patienten in den letzten Jahren zurückgegangen.  Von den Überlebenden bleibt etwa jede dritte Betroffene dauerhaft behindert. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist äußerst langwierig.

Ursachen

Ein Schlaganfall kann verschiedene Ursachen haben. Allgemein werden zwei Hauptmechanismen voneinander unterschieden: der sogenannte Hirninfarkt (ischämischer Infarkt), der auf einer Mangeldurchblutung des Gehirns infolge eines Gefäßverschlusses beruht, und die Hirnblutung (hämorrhagischer Infarkt), die durch einen Riss in der Gefäßwand eines Hirngefäßes verursacht wird. Kommt es bei einem Blutgefäß im Gehirn zum Gefäßverschluss, so sterben infolge des Sauerstoffmangels die Hirnzellen ab, die von dem Gefäß normalerweise versorgt werden. Bei einer Hirnblutung steigt durch das austretende Blut der Druck auf die umliegenden Areale. In diesem Fall führt die Druckerhöhung zum Absterben des Hirngewebes. Da Hirnzellen nicht regenerationsfähig sind, führt eine Schädigung von Nervenzellen zu einem dauerhaften Ausfall des betroffenen Hirnareals. Die Aufgaben der abgestorbenen Zellen können nur in begrenztem Umfang von anderen Nervenzellen übernommen werden Daher verursachen Hirnschäden oftmals eine dauerhafte Funktionsstörung im Körper. Das Gehirn lässt sich in mehrere Bereiche unterteilen, die jeweils für verschiedene Aufgaben verantwortlich sind. Die bei einem Schlaganfall auftretenden Symptome sind abhängig davon, welches Hirnareal von der Durchblutungsstörung betroffen ist. Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen:

  • Bluthochdruck
  • Früherer Schlaganfall oder TIA
  • Erkrankungen des Herzens
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht und Adipositas

Diagnostik

Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, wird die betroffene Person umgehend ins Krankenhaus verlegt. Dort wird ein Bild vom Gehirn gemacht, entweder mittels Röntgen (Computertomografie, CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), um herauszufinden, ob der Schlaganfall durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung verursacht wird. Eine neurologische Untersuchung, bei der eine Auswertung von Kraft, Gefühl, Sehfähigkeit, Sprache usw. erfolgt, kann bei der Lokalisierung des Hirnschadens und der Beurteilung des Schweregrads helfen.  In den Tagen nach einem Schlaganfall wird nach möglichen Ursachen gesucht wie Vorhofflimmern und Ablagerungen in den Halsschlagader (Karotisstenose).

Therapie

Das Behandlungsziel bei einem Schlaganfall besteht darin, den Schaden weitestgehend zu begrenzen und die Auswirkungen auf die Hirnfunktionen möglichst gering zu halten. Darüber hinaus gilt es, zukünftigen Schlaganfällen vorzubeugen. Bei der Behandlung des Schlaganfalls wird zwischen der Notfalltherapie und der Behandlung nach der Akutphase unterschieden. Das Vorgehen in der Akutphase ist abhängig von der Ursache des Schlaganfalls. Die Behandlung in der Klinik erfolgt meist auf spezialisierten Schlaganfall-Stationen, sogenannten stroke units. Bei einem Hirninfarkt, also einen Gefäßverschluss, geht es darum, die Durchblutung des betroffenen Hirnareals so schnell wie möglich wiederherzustellen. Innerhalb der ersten Stunden sollte daher die Behandlung mit blutgerinnselauflösenden Medikamenten (Thrombolyse) erfolgen, sofern keine Gegenanzeigen vorliegen. In den letzten Jahren wird außerdem verstärkt versucht, verschlossene Gefäße über einen Katheter, welcher über Gefäße des Armes oder der Leiste eingeführt wird, wiederzueröffnen. Solche Behandlungen sind nur in den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome zielführend, da sonst das Hirngewebe schon unwiderruflich geschädigt ist und Nebenwirkungen überwiegen. Beruht der Schlaganfall auf einer Hirnblutung, so sind die Behandlungsoptionen geringer. Manchmal wird eine Operation durchgeführt, um bei den betroffenen Hirnarealen für eine Druckentlastung zu sorgen.  Nach der akuten Phase stehen diverse Maßnahmen im Vordergrund, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu verringern. Häufig ist eine Änderung der Lebensgewohnheiten sinnvoll, das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer gesunden Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung. Darüber hinaus erfolgt oftmals eine medikamentöse Behandlung, die darauf abzielt, Blutdruck und Blutfettwerte zu senken und das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln zu minimieren. Einen besonderen Stellenwert bei der Behandlung von Schlaganfall-Patienten hat die Rehabilitation. Diese startet meist noch im Krankenhaus und ist in der Regel von langer Dauer.

Prognose

80–85 % der von einem Schlaganfall betroffenen Patienten überleben die ersten Monate nach dem Schlaganfall. Bei einer Hirnblutung ist die Sterblichkeit in der Akutphase zwei- bis dreimal so hoch wie bei einem Hirninfarkt. Das durchschnittliche Überleben nach einem Schlaganfall beträgt fünf Jahre. Etwa drei Viertel der Betroffenen können drei Monate nach dem Schlaganfall wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehren und grundlegende Alltagshandlungen selbst vornehmen. Viele Menschen, die nach einem Schlaganfall bleibende körperliche Schäden davontragen, fühlen sich sozial isoliert, insbesondere dann, wenn die Sprachfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Oftmals leiden Schlaganfall-Patienten nach durchlebter Erkrankung zudem an Angst- und Unruhezuständen, auch depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen sind nicht ungewöhnlich. 

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