Therapie von ADHS

11.01.2018 | Gesundheitsinfos

Schab DW, Trinh NH. Do artificial food colours promote hyperactivity in children with hyperactivity syndromes? A Meta-analysis of double-blind, placebo-controlled trials. J Dev Behav Pediatr 2004; 25: 423-34

Die Therape der ADHS ist vielschichtig. Dabei ist das Zusammenspiel aus verhaltenstherapeutischen Ansätzen, Schulungen für Angehörige und einer eventuellen medikamentösen Therapie von Bedeutung.

Welche Therapie bei ADHS am besten ist, wird laufend diskutiert. Aktuell besteht die Therapie vor allem aus psychosozialen Maßnahmen. Es können auch zusätzlich Medikamente eingesetzt werden. Eine alleinige medikamentöse Therapie ist nicht ausreichend.

Psychotherapie

Kinder und Erwachsene mit ADHS profitieren meist sehr von Beratungsangeboten und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen durch Psychiater, Psychologen, Sozialarbeiter und weiterer Förderkräfte. Etwa ein Drittel der ADHS-Betroffenen leidet auch unter anderen psychischen Erkrankungen wie Angststörung oder Depression. In solchen Fällen helfen Beratungsangebote sowohl in Hinsicht auf ADHS als auch auf bestehende weitere Probleme. Bei dieser Beratung kann es sich um folgende Angebote handeln:

  • Psychotherapie: In einer Psychotherapie können Kinder und Erwachsene mit ADHS über ihre Probleme sprechen, sie können sich negativer Verhaltensmuster bewusst werden und lernen mit den Symptomen umzugehen.
  • Verhaltenstherapie: In dieser Therapieform können Eltern und Lehrer Techniken lernen, mit dem Verhalten des Kindes umzugehen. Beispiele für solche Techniken können Belohnungssysteme und Unterbrechungen oder Pausen sein, um Fehlverhalten zu korrigieren („Auszeiten“).
  • Familientherapie: Diese Therapieform kann Eltern und Geschwistern helfen, mit dem Stress und Ärger umzugehen, den sie im Zusammenleben mit einem von ADHS betroffenen Kind erleben.
  • Training sozialer Kompetenzen: Kann dazu beitragen, dem Kind ein geeignetes Sozialverhalten beizubringen.
  • Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen können Erwachsene und Kinder mit ADHS und ihre Eltern sich vernetzen und von vielfältiger sozialer Unterstützung, Informations- und Weiterbildungsangeboten profitieren.
  • Elterntraining: Kann Eltern helfen, das Verhalten ihres Kindes zu verstehen und besser damit umzugehen. Die besten Ergebnisse zur Zeit werden mit interdisziplinären Teams erzielt, in denen Eltern, Lehrer, Therapeuten und Ärzte zusammenarbeiten. Es ist wichtig, dass die Eltern mit den Lehrern des Kindes zusammenarbeiten und ihnen helfen, die Herausforderungen im Unterricht zu meistern.

Psychostimulanzien

Zentral stimulierende Medikamente sind die am häufigsten verschriebenen Arzneimittel für Kinder mit ADHS. Es herrscht Einigkeit, dass nur diejenigen Kinder eine medikamentöse Therapie erhalten sollten, die stark unter ihrer ADHS-Erkrankung leiden und vorherige psychotherapeutische Maßnahmen nicht erfolgreich waren. Die Therapie soll von speziell ausgebildeten medizinischen Fachkräften verordnet und im Verlauf kontrolliert werden. Kinder, die sowohl von ADHS als auch von einer Depression betroffen sind und bei denen keine anderen Maßnahmen ausreichenden Erfolg haben, können auch Antidepressiva erhalten. Es stellt sich die Frage, warum Kinder stimulierende Substanzen erhalten sollten, die eigentlich schon überstimuliert erscheinen. Zwar verstehen die Wissenschaftler den Wirkmechanismus dieser Medikamente noch nicht vollständig, es scheint aber so, als ob die stimulierenden Mittel den Spiegel der chemischen Substanzen Dopamin, das mit Aktivität gekoppelt ist, und Serotonin, das mit dem Gefühl von Zufriedenheit gekoppelt ist, verstärken und ausbalancieren. Die Wirkstoffe Methylphenidat und Methylphenidat-Hydrochlorid, die bei ADHS am häufigsten zum Einsatz kommen, erhöhen offensichtlich den Dopaminspiegel im Gehirn. Psychostimulanzien können dazu beitragen, die charakteristischsten Symptome, also Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, zu lindern – und das teilweise erheblich. Medikamente können zu besseren Schulleistungen und sozialen Kompetenzen beitragen und auch dafür sorgen, dass es zu Hause zu weniger Konflikten kommt. Allerdings besteht eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Anwendung dieser Medikamente, weil die langfristigen Auswirkungen noch nicht vollständig bekannt sind. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Medikamente allein nicht ausreichen, um die langfristige Prognose bei Kindern mit ADHS zu verbessern. Die medikamentöse Therapie muss mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und speziellem Förderunterrricht ergänzt werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Psychostimulanzien sind Appetitlosigkeit, Nervosität und Schlaflosigkeit. Bei manchen Kindern kommt es zu Reizbarkeit und einem erhöhten Aktivitätsniveau, wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt. Diese Nebenwirkungen können oft durch eine Dosisanpassung behoben werden. Bei einem kleinen Teil der Kinder kommt es unter Umständen zu ruckartigen Muskelbewegungen wie Grimassen oder Tics, die aber verschwinden, wenn die Dosis verringert wird. Methylphenidat ist möglicherweise auch die Ursache für eine leicht reduzierte Wachstumsrate bei Kindern, auf lange Sicht wird das Wachstum aber nicht beeinträchtigt.

Können die Medikamente abhängig machen?

Verständlicherweise befürchten Eltern womöglich, dass Psychostimulanzien – die ja ähnlich wie Amphetamine funktionieren – zu Abhängigkeit führen können. Es wurde aber noch kein einziger Fall von Abhängigkeit bei Kindern berichtet, die die Medikamente in Tablettenform und in der richtigen Dosierung nehmen. Dies liegt daran, dass der Wirkstoffspiegel im Gehirn so langsam steigt, dass es nicht zu dem „High“ kommt, das Drogenkonsumenten erleben. Es gibt andererseits aber Berichte über den Missbrauch von ADHS-Medikamenten bei Geschwistern und Klassenkameraden von Kindern und Jugendlichen mit ADHS. Es ist wichtig, die Verabreichung der Medikamente sorgfältig zu kontrollieren.

Ernährung und Ernährungstherapie

Wenn es um ADHS geht, liegt starkes Augenmerk auf der Ernährung. Studien an gesunden Kindern zwischen drei und neun Jahren haben gezeigt, dass eine hohe Aufnahme von Farbstoffen, Konservierungsstoffen und Zucker zu mehr Episoden von Hyperaktivität führt. Das Problem bei diesen Studien ist, dass die Nahrungsmittelzusätze gemischt wurden und die Kinder Dosen erhielten, die den Zusatzstoffen in zwei bis vier Tüten Süßigkeiten à 56 g täglich über mehrere Wochen entsprachen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dies Teil einer normalen Ernährung für Kleinkinder sein sollte. Darüber hinaus ist es schwierig zu beurteilen, ob die Farbstoffe, die Konservierungsmittel oder der Zucker die Ursache für die Episoden von Hyperaktivität waren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Ergebnisse der Studie kritisiert. Andere Studien konzentrierten sich auf eine Eliminationsdiät. Dabei erhalten die Kinder für ein paar Wochen eine sehr begrenzte Auswahl an Lebensmitteln, bevor nach und nach jeweils ein Nahrungsmittel in die Ernährung aufgenommen wird. Eine 2011 veröffentlichte Studie zeigte, dass dieses Verfahren bei manchen Kindern sehr vorteilhafte Auswirkungen hatte. Die Autoren der Studie empfehlen, das Verfahren fünf Wochen lang unter fachlicher Begleitung zu testen. In der Studie wurde auch versucht zu ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen bestimmten Blutwerten (IgE- und IgG-Wert) und dem Effekt der Ernährung besteht, die Blutwerte hatten aber keine Bedeutung. Die Grunddiät bestand aus Reis, Fleisch, Gemüse, Birnen und Wasser. Dazu kamen Kartoffeln, bestimmte Obstsorten und Weizen. Andere Forscher vermuten, dass der Effekt der Ernährungstherapie vor allem darauf zurückzuführen ist, dass deutlichere Strukturen und Regeln für die Kinder gelten und dies der Grund dafür ist, dass sie ruhiger und konzentrierter werden. Allen ernährungstherapeutischen Ansätzen gemeinsam ist, dass der heutige Kenntnisstand nicht ausreicht, um eine spezielle Diät zu empfehlen. Den Effekt einer besonderen Ernährungstherapie zu erproben, sollte nur unter fachlicher Begleitung durch Krankenschwestern, Ärzte oder Ernährungsberater erfolgen, um sicherzustellen, dass die Betroffenen alle erforderlichen Nährstoffe in ausreichender Menge zu sich nehmen. Sehr kritisch sollte man gegenüber Wunderkuren und teuren Behandlungsansätzen sein, da hier häufig die Verzweiflung von Eltern ausgenutzt wird, die das Beste für ihr Kind wollen.

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