Trend „Waldbaden“ – warum die Natur der Gesundheit hilft!

21.02.2019 | Gesundheitstipps

Verschreiben Ärzte in Deutschland bald die Natur auf Rezept? In Japan ist das jedenfalls gängige Praxis. Lesen Sie, warum Waldbaden dem Körper, Geist und der Seele gut tut und welche Wirkungen die Frischluftkur auf uns hat.

Aus Japan ist ein neuer Trend nach Deutschland geschwappt: Waldbaden! Auf Japanisch heißt das Baden in der Waldluft „Shirin Yoku“. Diesen Begriff prägte das Japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei im Jahr 1982. Gemeint ist damit, dass ein Mensch in Kontakt mit dem Wald kommt und seine Atmosphäre in sich aufnimmt. In Japan und Südkorea hat das Waldbaden eine langjährige Tradition. Ärzte verschreiben ihren Patienten dort das Eintauchen in die Tier- und Pflanzenwelt sogar auf Rezept. Denn japanische Forscher haben in einigen Studien herausgefunden, dass der Wald der Gesundheit gut tut und eine Wohltat für Körper, Seele und Geist ist. Zukünftig wollen Ärzte vielleicht auch hierzulande die Klimatherapie gezielt zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation einsetzen.

Wald als Anti-Stress-Kur

Die Natur soll den Stress vertreiben, unter dem nicht nur in Japan, sondern weltweit viele Großstädter leiden. Auch die Ängste, Sorgen und seelischen Nöte sollen sich im Wald besser in Luft auflösen können. Und schließlich versprechen sich Ärzte positive Effekte auf den Körper. Eigentlich ist die Idee naheliegend, Waldbaden medizinisch zu nutzen. Dass ein Waldspaziergang etwas Befreiendes, Reinigendes und Beflügelndes haben kann, weiß im Grunde jeder, der öfters die Stille und frische Luft ohne Autoabgase genießt. Im Wald lässt es sich wunderbar abschalten von der Hektik des Alltags. Sie können sich hier auch digital entgiften – vorausgesetzt, Sie lassen Ihr Smartphone zu Hause.

Das passiert mit Ihren Sinnen beim Waldbaden

Die Idee des Waldbadens bedeutet aber nicht nur, einfach im Grünen spazieren zu gehen. Vielmehr sollen Sie die dortige Atmosphäre bewusst und intensiv erspüren, wahrnehmen und in sich aufnehmen. Die Natur spricht alle Sinne an und schärft sie: das Hören, Sehen, Riechen, Fühlen und sogar das Schmecken. Vielen gelingt es beim Waldbad, sich besser auf den Moment zu konzentrieren, loszulassen vom Grübeln und Nachdenken und ihre Achtsamkeit zu trainieren. Folgende Wirkungen hat das Waldbaden auf die Sinne:1

  • Die Augen nehmen unterschiedlichste Farben wahr, zum Beispiel das in allen Schattierungen gefärbte Herbstlaub.
  • Mit Ihrer Nase erschnuppern Sie den Geruch von Holz, Erde oder Wald- und Wiesenblumen.
  • Die Ohren hören Geräusche, die in der Stadt selten geworden sind: Vogelstimmen, das Knacken der Zweige unter Ihren Schritten, das Rascheln der Blätter im Wind oder das leise Plätschern eines Bachs. Auch die Stille und das Fehlen von Autolärm oder Handyklingeln können Sie „hören“.
  • Mit Ihren Händen erfühlen Sie die Beschaffenheit von Materialien, die Sie vielleicht so nicht mehr kennen: Blätter, die glatt, gezackt oder behaart sind, Baumrinde oder Wurzeln.
  • Der Wald bietet zudem eine Vielzahl von kostenlosen Lebensmitteln, zum Beispiel Himbeeren, Walderdbeeren, Heidelbeeren oder Brombeeren. Wer sich diese in den Mund steckt, verschafft sich meist ein Geschmackserlebnis der anderen Art. Denn Waldfrüchte haben kaum etwas mit jenen aus dem Gewächshaus und Supermarkt zu tun.

Was bringt das Waldbaden für die Gesundheit?

Auch wenn die Auswirkungen des Waldbades auf Körper, Geist und Seele noch weiter wissenschaftlich erforscht werden müssen – folgende Effekte versprechen sich Ärzte davon1:

  • Ihr gestresster Körper und Geist erholen sich.3 Viele beschreiben nach dem Bad im Wald, dass der Alltagsstress „wie weggeblasen“ gewesen sei.
  • Sie stärken Ihre Achtsamkeit, indem Sie lernen, sich besser auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und den Moment bewusst wahrzunehmen. Dies tut der Seele und dem Geist gut.
  • Die Luft, die Sie im Wald einatmen, ist qualitativ deutlich besser als in den Städten und enthält kaum Schadstoffe. Dies wirkt sich positiv auf Ihre Atemwege, Haut, das Herz und die Gefäße aus. Auch der Blutdruck soll sinken.2 Die hohe Luftfeuchtigkeit im Wald ist zudem gut für die Lunge und Bronchien.
  • Im Wald ist es meist kälter, weil die Sonne selten durch die Blätter der Bäume dringt. Durch die Kühle steigern Sie Ihre körperliche Fitness und härten Ihren Körper ab.  Im Wald herrschen oft Dämmerlicht und besondere Lichtverhältnisse – viele fühlen sich in dieser Atmosphäre geborgener als im grellen Licht der Stadt. Das soll die Stimmung heben.
  • Und zuletzt tun Pflanzen, Bäume, Holz, Wald und Erde ganz einfach der Psyche gut.

In Deutschland gibt es bereits einige Kur- und Heilwälder, in denen Forscher im Rahmen von Pilotprojekten die Wirkung der Natur auf die menschliche Gesundheit testen (z.B. Mecklenburg-Vorpommern, Usedom). Sie wollen herausfinden, inwieweit sich der Wald zur Prävention und Behandlung von Krankheiten sowie als Reha-Maßnahme eignet. Im Grunde wäre das Waldbaden eine kostengünstige Art der Therapie und Krankheitsvorbeugung.

Alternative: Ab ins Museum!

Auch wenn die Wirkung der Natur auf die Gesundheit noch nicht ausreichend in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen ist: Probieren Sie es aus – Ihrer Gesundheit schaden wird Ihnen ein Aufenthalt im Wald sicher nicht! Noch ein Tipp, falls der Wald nicht ganz nach Ihrem Geschmack ist: Im kanadischen Montreal4 verschreiben Ärzte einen Besuch im Museum auf Rezept. Wer sich in die Kunst vertieft, schüttet Glückshormone aus. Davon ist die Vizepräsidentin der kanadischen Ärztevereinigung überzeugt.

Quellen: 

  • 1. Ludwig Maximilians Universität München (LMU):
    „Waldtherapie“
    Online-Quelle. URL: https://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/klimatologie/waldtherapie/index.html, zuletzt abgerufen am 22.01.2019
  • 2. Margaret M. Hansen, Reo Jones and Kirsten Tocchini:
    Shinrin-Yoku (Forest Bathing) and Nature Therapy: A State-of-the-Art Review, Int J Environ Res Public Health. 2017 Aug; 14(8): 851. Published online 2017 Jul 28. doi: 10.3390/ijerph14080851,
    Online-Quelle. URL. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5580555/, zuletzt abgerufen am 22.01.2019
  • 3. Yuki Ideno, et al. „Blood pressure-lowering effect of Shinrin-yoku (Forest bathing):
    a systematic review and meta-analysis“, BMC Complement Altern Med. 2017; 17: 409. Published online 2017 Aug 16. doi: 10.1186/s12906-017-1912-z,
    Online-Quelle. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5559777/, zuletzt abgerufen am 22.01.2019
  • 4. Park BJ et al.: „The physiological effects of Shinrin-yoku (taking in the forest atmosphere or forest bathing):
    evidence from field experiments in 24 forests across Japan.“ Environ Health Prev Med. 2010 Jan;15(1):18-26. doi: 10.1007/s12199-009-0086-9.
    Online-Quelle. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19568835, zuletzt abgerufen am 22.01.2019