Was passiert bei einem Herzinfarkt?

18.11.2017 | Gesundheitsinfos

Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Bei einem Herzinfarkt liegt der Verschluss eines Herzkranzgefäßes vor. Die daraus resultierende Minderdurchblutung eines Teils des Herzmuskels kann zum Absterben des betroffenen Gewebes führen. Ohne rasche medizinische Behandlung drohen schwere Komplikationen bis hin zum Tod.

Herz und Blutkreislauf

Auch wenn wir ruhen, steht unser Kreislauf nie still. Das Herz pumpt unermüdlich Blut in die entferntesten Kapillaren. Mit dem Blut befördert es Sauerstoff und wertvolle Nährstoffe zu den Zellen und hilft beim Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Das Herz besteht hauptsächlich aus Muskelzellen, die sich synchron zusammenziehen und wieder entspannen. Taktgeber für die koordinierten Herzschläge ist ein System aus spezialisierten Herzmuskelzellen, die elektrische Signale abgeben. Nur so kann das Herz die nötige Kraft aufbauen, um das gesamte Blutvolumen des Körpers in Bewegung zu halten. Sauerstoff wird in den Zellen benötigt, um Nahrung in Energie umzuwandeln. Ohne Sauerstoff, das heißt ohne Energie, fehlt den Zellen die Voraussetzung, um ihre spezifischen Aufgaben zu erfüllen sowie sich selbst am Leben zu erhalten. Es kommt zum Gewebsuntergang, in der medizinischen Fachsprache Infarkt genannt. Die unzureichende Blut- und somit Sauerstoffzufuhr wird als Ischämie bezeichnet (Altgriechisch is-chein/echein „zurückhalten" sowie haima „Blut"). Bereits nach wenigen Minuten einer Ischämie gehen die ersten Zellen unter.   Einem Herzinfarkt liegt die Minderdurchblutung des Herzen zugrunde. Meist geschieht dies auf dem Boden einer koronaren Herzkrankheit. Weil das Herz die zentrale Pumpe des Organismus darstellt, die alle anderen Organe mit Blut und Sauerstoff versorgt, hat die ischämiebedingte Schwächung der Pumpleistung des Herzen negative Auswirkungen auf den gesamten Körper. Die möglichen Folgen eines Herzinfarktes lassen sich unterteilen in Frühkomplikationen innerhalb der ersten zwei Tage nach dem akuten Geschehen und Spätkomplikationen über diesen Zeitraum hinaus.

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Die Arterien, die dem Herzmuskel Nährstoffe und Sauerstoff zuführen, umschließen das Herz kranzförmig von außen und werden daher Herzkranz- oder Koronararterien genannt. Sie entspringen der Hauptschlagader (Aorta) direkt oberhalb der Aortenklappe, zweigen sich in zwei Hauptgefäße (rechtes und linkes Herzkranzgefäß) und dann in viele weitere Äste auf, ehe feinste Ausläufer in die Herzmuskulatur abtauchen. Jedes Herzkranzgefäß ist für die Blutversorgung eines bestimmten Herzmuskelareals zuständig. Im gesunden Zustand sind die Herzkranzgefäße elastisch und haben eine glatte Innenwand, die einen ungehinderten Blutfluss zulässt. Die häufigste Grunderkrankung, die zur Minderdurchblutung des Herzen und somit zum Infarkt führt, ist die koronare Herzerkrankung. Hierbei kommt es zu fettreichen Ablagerungen in der Gefäßwand der Koronarien (sogenannte Plaques), die plötzlich aufplatzen und die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombus) nach sich ziehen können. Plaques und Thrombus verstopfen das Herzgefäß und blockieren die Blutzufuhr betroffener Herzmuskelabschnitte. Die Innenschicht der Herzmuskulatur ist am schlechtesten durchblutet und stirbt daher als Erstes ab. Hält der Gefäßverschluss länger an, dehnt sich der Infarkt nach außen und in die oberen Muskelschichten aus. Die Größe des Infarktareals hängt unter anderem davon ab, an welcher Stelle der Thrombus sitzt. Für die Schwere des Herzinfarktes ist auch entscheidend, ob strategisch wichtige Teile des Herzmuskels betroffen sind. Innerhalb der ersten 48 Stunden nach Eintreten der ersten Symptome – meist plötzlich einsetzende Brustschmerzen, die in den linken Arm, Hals, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen können – ist das Risiko für schwere Komplikationen am größten. Fast jeder zehnte Betroffene verstirbt. Ein großes Problem stellen Herzrhythmusstörungen dar, die zum Beispiel dann auftreten, wenn das Infarktareal diejenigen Zellen miteinschließt, von denen die elektrischen Signale für die koordinierten Muskelkontraktionen ausgehen. Weiterhin kann untergegangenes Gewebe einreißen. Durch diese Komplikationen wird die Schlagkraft des Herzen stark eingeschränkt. Hat das Herz nicht mehr die nötige Kraft, um den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten, kommt es zum Kreislaufversagen (kardiogener Schock). Dieser lebensgefährliche Zustand einer allgemeinen Minderdurchblutung aller Körperorgane muss auf der Intensivstation behandelt werden.    Die meisten Spätkomplikationen eines Herzinfarktes stehen im Zusammenhang mit dem Narbengewebe, das sich Tage und Woche nach einem Herzinfarkt im Infarktareal ausbildet. Es nimmt nicht teil an den Herzkontraktionen und ist anfällig für Aussackungen. In der Folge kommt es zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Herzrhythmusstörungen sowie Blutgerinnselbildung im Herzinneren. Näheres finden Sie im Artikel Herzinfarkt, Komplikationen.

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