Was Sie über Alkohol wissen sollten

20.12.2017 | Gesundheitsinfos

Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Alkohol ist in unserer Gesellschaft ein akzeptiertes und weit verbreitetes Genussmittel. In kleinen Mengen kann es durchaus einen positiven Einfluss auf den Körper haben. Aber es hat auch ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotenzial und ein erhöhter Konsum führt zu gesundheitlichen Schäden.

Alkohol ist ein Produkt, welches durch den Gärungsprozess von zuckerhaltigen Rohstoffen entsteht. Es ist ein Bestandteil unserer Kultur, der schon als eine Art Urbier vor 8000 Jahren in Erscheinung trat. Seitdem hat sich die Vielfalt alkoholischer Getränke weiterentwickelt. Es entstanden Mythen um die Wirkungen des Alkohols und lange Zeit, war über die schädliche Wirkung von Alkohol nichts bekannt. Heutzutage fallen viele Menschen ihrem Trinkverhalten zum Opfer, da Alkohol als Zellgift sich schädlich auf die menschlichen Organe auswirkt. Im folgenden soll ein Überblick über die Wirkung und Risiken von Alkohol auf den Organismus verschafft werden.

Blutalkohol – Promille

Kurze Zeit nach dem Konsum von Alkohol kann dieser im Blut nachgewiesen werden. Alkohol wird besonders schnell ins Blut aufgenommen, wenn man lange nichts gegessen hat und der Magen leer ist. In dem Fall kann die maximale Alkoholkonzentration 15–30 Minuten nach dem Konsum von beispielsweise einem Glas Wein erreicht sein. Beim Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken wie Champagner oder Sekt, Alkopops und Getränken mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser wird der Alkohol besonders schnell absorbiert.

Die Alkoholkonzentration im Blut sinkt, wenn der Alkohol in der Leber verstoffwechselt wird. Trinkt man alkoholische Getränke zu einer Mahlzeit oder auf vollen Magen, kann die Aufnahme mehrere Stunden dauern. Noch vor dem letzten Schluck haben Sie bereits einen Teil des Alkohols abgebaut. Dadurch steigt die Konzentration im Blut nicht so stark an wie bei einem schnellen Konsum der gleichen Menge Alkohol auf nüchternen Magen.

Alkohol wird in die Blutbahn aufgenommen und verteilt sich im wasserhaltigen Körpergewebe, z. B. in der Muskelmasse. Frauen haben etwas weniger Wasser im Körper als Männer und wiegen meist auch weniger als Männer. Dadurch hat eine durchschnittliche Frau nach dem Konsum von beispielsweise 0,5 Litern Bier eine höhere Alkoholkonzentration im Blut als ein durchschnittlicher Mann.

Abbau hauptsächlich über die Leber

Alkohol wird hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt. Ein Teil wird jedoch bereits im Magen abgebaut, bevor der Alkohol in den Blutkreislauf gelangen kann. Im Magen befinden sich Enzyme (Alkoholdehydrogenasen), die Alkohol abbauen können. In der Regel haben Männer mehr Alkoholdehydrogenasen im Magen als Frauen. Auch das ist ein Grund dafür, dass Frauen bei der gleichen Menge Alkohol einen höheren Blutalkoholspiegel haben als Männer.

Sauna, Sport, Kaffee oder ähnliche Maßnahmen führen nicht dazu, dass der Alkohol schneller verbrannt und ausgeschieden wird. Bei gesunden Menschen können auch die meisten Medikamente den Abbau von Alkohol im Körper nicht beeinflussen.

Wie schnell sinkt der Blutalkoholspiegel?

Die Verbrennung erfolgt gleichmäßig, und der Blutalkoholspiegel sinkt im Durchschnitt etwa 0,12–0,18 Promille pro Stunde bei Frauen und Männern.

Bei mäßigem Alkoholkonsum kommt es nur zu kleinen individuellen Schwankungen bei der Verbrennungsgeschwindigkeit. Bei starkem Alkoholkonsum kann die Verbrennung bis zu 0,3 Promille/Stunde betragen und in seltenen Fällen sogar noch schneller gehen. Bei einem Blutalkoholspiegel unter 0,2 Promille kann die Verbrennung etwas langsamer sein.

Etwa 95 % des Alkohols im Körper wird in der Leber verbrannt. Von dem restlichen Alkohol wird etwa 2 % mit dem Urin, etwa 2 % über die Ausatmung und etwa 1 % durch Schwitzen ausgeschieden.

Alkoholgehalt von Getränken

Die Tabelle enthält den Alkoholgehalt von verschiedenen Getränken und die Menge an Alkohol pro Glas. Etwa 10–12 Gramm Alkohol pro Glas entsprechen einem Standardglas. Ein Standardglas entspricht also einem Glas Bier (0,25 l), einem Glas Wein (0,1 l), einem Glas Sekt (0,1 l) oder einem Schnaps (4cl).

Alkohol enthält verhältnismäßig viele Kalorien: 1 g Alkohol enthält 7 kcal (29 kJ). Viele alkoholische Getränke enthalten auch Zucker. Alkohol kann damit eine erhebliche Energiequelle für Menschen darstellen, die täglich Alkohol trinken.

Getränk

Alkohol in Volumenprozent

Inhalt pro Glas (Standardglas)

Alkohol pro Glas (Standardglas)

 

Starkbier

5,5–9,9

33 cl (0,33 l)

14,5–26,1 g

 

Bier

4,5

35–50 cl

12,6–18 g

 

Leichtbier

2,5

35 cl

7 g

 

Wein (rot, weiß)

 

7–15

12 cl

6,7–14,4 g

Likörwein

15–22

7,5 cl

9–13,2 g

Likör

15–60

4 cl

4,8–19,2 g

Spirituosen: Gin, Wodka, Whisky

 

37,5–43

4 cl

12,0–13,8 g

Messung der Alkoholkonzentration im Blut

Der Alkoholgehalt im Blut kann über die Atmung oder im Blut gemessen werden. Bei der Messung im Blut wird die Menge an Ethanol (in Gramm) pro Kilogramm Blut gemessen (g/kg), was der Einheit Promille entspricht. Die Messung über die Atmung ist nicht so zuverlässig wie ein Bluttest. Sind rechtliche Konsequenzen zu erwarten, führt die Polizei daher in der Regel einen Bluttest durch. Handelt es sich um Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, ist die Messung der Alkoholkonzentration über einen Atemgastest ausreichend, wenn die Messung mit einem Präzisionsgerät durchgeführt wird.

Die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten wirkt sich nicht auf das Messergebnis des Alkohols aus.

Unterschiedlicher Alkoholabbau

In der Leber wird der Alkohol in Acetaldehyd und anschließend weiter in Essigsäure umgewandelt. Einige Menschen haben Schwierigkeiten bei dieser biochemischen Umwandlung. Dadurch steigt die Konzentration von Acetaldehyd im Blut, was zu einem verstärkten Alkoholrausch führt. Der Grund für diesen mangelnden Abbau, ist eine Genmutation, die vor allem in Teilen Asiens häufig vorkommt.

Auswirkungen auf den Körper

Die Auswirkungen des Alkohols hängen von der Alkoholkonzentration im Blut ab. Es gibt große individuelle Unterschiede. Bereits ab 0,5 Promille fühlen sich die meisten Menschen leicht alkoholisiert. Bei 1–2 Promille werden die Bewegungen unkontrolliert, man wird müde und antriebslos. Bei ca. 1,5 Promille kommt es häufig zu Gedächtnisstörungen. Bei einem sehr hohen Blutalkoholspiegel kann es zu einer Lähmung des Atemzentrums im Gehirn kommen. Ein Blutalkoholspiegel über 3 Promille kann zum Tod führen.

Als Faustregel gilt:

  • Bis ca. 0,5 Promille: leicht alkoholisiert
  • Zwischen 0,5 und 1 Promille: Bereitschaft Risiken einzugehen, steigt; leichtsinnige Einschätzung von Situationen
  • Mehr als 1 Promille: Gleichgewichtssinn beeinträchtigt, verschwommene Sprache, Kontrollverlust über den Körper, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Mehr als 1,5 Promille: Erinnerungslücken
  • Mehr als 2 Promille: Bewusstseineintrübung, Bewusstlosigkeit, Übelkeit
  • Mehr als 3 Promille: tödlicher Ausgang möglich

Je höher die Alkoholkonzentration im Blut, desto gefährlicher wirkt sich die gleichzeitige Einnahme von Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln, Schmerzmitteln und anderen Medikamenten mit Einfluss auf das Gehirn aus.

Durch ein regelmäßiges Trinkverhalten können die Auswirkungen des Blutalkohols erst bei viel höheren Promillewerten greifen, sodass die Angaben Durchschnittswerte darstellen und individuellen Schwankungen unterliegen. Eine höhere Toleranz gegenüber dem Alkohol bedeutet aber nicht, dass die schädlichen Wirkungen von Alkohol auch später einsetzen. Nur das rein subjektive Empfinden des Alkoholrausches kann sich verzögern.

Menschen, die viel und oft trinken erleiden häufiger Unfälle. Anhaltender, starker Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, Lebererkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Blutdruckhochdruck, Blutungen (insbesondere im Verdauungstrakt), Schlaganfall, bestimmte Krebserkrankungen und Schädigungen des Fetus. Das Risiko für Leberschäden steigt erst ab einem täglichen Konsum von etwa 2–3 Standardgläsern (ein Standardglas entspricht 33 cl Bier, einem Glas Wein oder einem Drink).

Bei jüngeren Menschen gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Alkohol positiv auf die Gesundheit auswirkt. Bei Menschen über 40–50 Jahre kann ein Konsum von einem halben bis einem Standardglas pro Tag wahrscheinlich Herz-Kreislauf- Erkrankungen vorbeugen. Mehrere statistische Untersuchungen deuten darauf hin. Es kann jedoch zu großen individuellen Unterschieden bei den positiven und negativen Auswirkungen kommen. Es ist auch fraglich, ob eine Droge und ein potenzielles Suchtmittel als tägliche „Medizin" empfohlen werden sollte.

„Kater" – Symptome nach übermäßigem Konsum

Nach einem hohen Alkoholkonsum kann es am darauffolgenden Tag zu erheblichen Beschwerden kommen. Kopfschmerzen, allgemeine Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen sind typische Symptome. Dies kann mit der Austrocknung des Körpers durch den Alkohol zusammenhängen. Werden während des Alkoholkonsums und danach auch reichlich alkoholfreie Getränke getrunken, kann dies die Katersymptomatik am darauffolgenden Tag lindern. Das einzig wirksame Mittel gegen einen Kater ist jedoch, weniger Alkohol zu trinken. Die Verwendung von Schmerzmitteln zur Linderung der Symptome kann das Risiko für Blutungen in Magen und Darm erhöhen.

Beeinflussung der Hormone

Alkohol kann den Spiegel mehrerer Hormone beeinflussen.

  • Die Menge des antidiuretischen Hormons verringert sich und führt zu einer erhöhten Harnausscheidung.
  • Die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron kann sinken.
  • Die Konzentration des Stresshormons Kortisol steigt. In Kombination mit weniger Testosteron kann dies mit der Zeit zu einem Abbau von Muskelmasse führen.
  • Andere Stresshormone können ansteigen und damit zu Herzrhythmusstörungen führen.
  • Der Blutzuckerspiegel wird beeinflusst, da sich Alkohol auf das Insulin auswirkt. Diabetiker müssen dies berücksichtigen.

Risikogrenze

Das Risiko für Schädigungen und Krankheiten durch Alkohol steigt bei einem Konsum von mehr als 14 Standardgläsern pro Woche für Männer und mehr als 9 Standardgläsern pro Woche für Frauen.

Der gesundheitlich unbedenkliche Alkoholkonsum beträgt bei gesunden erwachsenen Frauen 12 Gramm pro Tag. Das entspricht in etwa einem Standardglas Alkohol am Tag. Für gesunde erwachsene Männer liegt die Grenze bei 24 Gramm Alkohol pro Tag, was circa zwei Standardgläsern entspricht. Trinkt man als Frau pro Tag mehr als 0,1 Liter Wein oder Sekt, mehr als 0,25 Liter Bier oder 4 Zentiliter Schnaps, kommt man schnell in einen gesundheitlich riskanten Bereich. Für Männer gilt die doppelte Menge. Unabhängig vom Geschlecht sollten Sie an mindestens zwei Tagen in der Woche gar keinen Alkohol trinken. Hervorzuheben ist, dass auch das einmalige Rauschtrinken, also der Konsum von so viel Alkohol, dass man die Kontrolle über seinen Körper verliert, ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt.

Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für eine Abhängigkeit. Jeder Mensch kann eine Alkoholabhängigkeit entwickeln, jedoch sind einige Menschen anfälliger als andere. Bei einer Alkoholabhängigkeit dreht sich das Leben mehr und mehr um Alkohol. Betroffene haben das ständige Bedürfnis zu trinken und wenden viel Zeit für die Beschaffung von Alkohol auf.

Schädigung des Fetus

Eine für das Kind sichere untere Grenze für den Alkoholkonsum der Mutter gibt es nicht. Schwangere sollten keinen Alkohol trinken und auch Frauen, die versuchen, schwanger zu werden, müssen ihre Trinkgewohnheiten anpassen.

Die Gefahr für Schädigungen steigt mit der Häufigkeit des mütterlichen Alkoholkonsums während der Schwangerschaft. Die Alkoholschäden beim Kind können von Konzentrationsproblemen und Lernschwierigkeiten bis hin zu Hirnschäden und schweren Entwicklungsstörungen reichen. Ältere und neuere Studien empfehlen die totale Abstinenz während der gesamten Schwangerschaft. Für einen verantwortlichen Umgang mit Alkohol sollten Sie Folgendes beachten:

  • Trinken Sie nicht mehr als vier (Männer) bzw. drei (Frauen) Standardgläser pro Gelegenheit.
  • Vermeiden Sie Alkohol an zwei Tagen hintereinander.
  • Trinken Sie keinen Alkohol bei einem Kater.
  • Trinken Sie keinen Alkohol in der Schwangerschaft.

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