Wie funktioniert das Immunsystem?

03.09.2020 | Gesundheitstipps

Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten können uns krank machen. Aber nicht jede Infektion mit einem Erreger führt automatisch zu einer Erkrankung. Lesen Sie hier, wie unser Immunsystem funktioniert.

Viele Keime werden bereits durch mechanische, mikrobielle und chemische Barrieren darin gehindert, überhaupt in den Körper einzudringen. Doch unsere hochentwickelte körpereigene Abwehr kann noch viel mehr. Sie bekämpft sogar krankhafte Veränderungen wie etwa Krebszellen.

Mechanische, mikrobielle und chemische Barrieren

Mechanisches Schutzschild

Die meisten Krankheitserreger scheitern bereits an den mechanischen Barrieren: Unsere Haut verhindert, dass Schädlinge in unseren Körper eindringen. Die Tränenflüssigkeit reinigt die Augen und entfernt Fremdkörper. Flimmerhärchen auf den Schleimhäuten schützen die Atemwege vor schädlichen Stoffen.

Mikrobielles Schutzschild

Unser Darm ist von Tausenden gutartiger Mikrobenarten besiedelt. Insgesamt „wohnen“ in unserem Körper Billionen von Mikroorganismen. Gemeinsam bilden sie das sogenannte Mikrobiom. 100 Millionen Bakterien siedeln allein im Verdauungstrakt. Bei einem erwachsenen Menschen wiegt diese mikrobielle Schutztruppe etwa zwei Kilogramm. Sie bildet in unserem Körper eine Art biologischen Schutzschild gegen krankmachende Keime. Welche Rolle sie genau spielen, ist noch nicht erforscht. Sicher ist, dass wir ohne sie schneller krank werden. Das merken wir zum Beispiel nach einer Behandlung mit Antibiotika. Antibiotika töten nicht nur die „bösen“, sondern auch viele „gute“ Bakterien in unserem Darm.

Chemische Barrieren

Eine weitere Barriere ist das antibakteriell wirkende Enzym Lysozym. Es befindet sich im Speichel, im Schweiß, im Nasensekret und in der Tränenflüssigkeit. Niedrige pH-Werte im Magen, in der Scheide und auf der Haut verhindern die Ausbreitung von unerwünschten Mikroorganismen. Und die Salzsäure im Magen ist ebenfalls sehr aggressiv und nützlich.

Immunsystem: Die angeborene und die erworbene Abwehr

Unser Immunsystem arbeitet mit zwei unterschiedlichen, sich ergänzenden Abwehrstrategien: der angeborenen und der erworbenen Abwehr.

Wie arbeitet die angeborene Abwehr?

Keime, die die mechanischen, mikrobiellen und chemischen Barrieren überwinden, werden durch bestimmte Abwehrzellen bekämpft. Die wichtigsten, angeborenen Abwehrspieler sind unspezifische Fresszellen (Phagozyten). Diese erkennen alle eindringenden Krankheitserreger. Sie sind nicht auf bestimmte Erreger spezialisiert. Die Fresszellen nehmen den fremden Eindringling in ihr Zellinneres auf, um ihn anschließend zu zerkleinern und zu verdauen. Unsere angeborene Abwehr funktioniert von Geburt an. Sie ist sehr schnell und reagiert innerhalb weniger Stunden.

Wie arbeitet die erworbene Abwehr?

Komplettiert wird unser Immunsystem durch die erworbene Abwehr. Sie arbeitet sehr präzise und ist anpassungsfähig. Denn die Abwehrspieler der erworbenen Abwehr merken sich, gegen wen sie einmal gekämpft haben. Das Knochenmark produziert zu diesem Zweck eine bestimmte Sorte von Leukozyten (weiße Blutkörperchen), die sogenannten Lymphozyten. Diese Zellen haben unterschiedliche Aufgaben: • Die T-Zellen sind Wächterzellen. Sie docken an die Eindringlinge an und koordinieren die Abwehrmaßnahmen. • Die B-Zellen sind Killerzellen. Sie bilden Antikörper, die den Eindringling gezielt unschädlich machen. Die erworbene Abwehr arbeitet nicht so schnell wie die angeborene. Bei der erworbenen Abwehr dauert es ein paar Tage bis Wochen, bevor sie mit der effektiven Verteidigung durchstartet. Sie ist sehr effektiv und lernt bei jeder neuen Attacke dazu. Das Immunsystem bildet bei jedem Angriff Gedächtniszellen. Diese merken sich den Erreger und sind dann bei der nächsten Infektion sofort einsatzbereit.

Wie wird das Immunsystem aktiviert?

Unser Immunsystem kann durch viele körperfremde Stoffe und Substanzen in Gang gesetzt werden. Nach dem ersten Kontakt mit einem Krankheitserreger speichert unsere Abwehr in der Regel die entsprechenden Informationen. Bei erneutem Kontakt kann sie diese Informationen wieder abrufen. Beide Teile des Abwehrsystems – die angeborene und die erworbene Abwehr – arbeiten als Team eng zusammen. Gemeinsam bilden beide einen guten Schutz gegen Krankheiten. Stuft unsere Immunabwehr irrtümlicherweise Zellen unseres Körpers als fremd ein, sprechen Ärzte von einer Autoimmunreaktion. Bei einer Autoimmunreaktion geht die Abwehr gegen körpereigene, gesunde Zellen vor. Das kann zu Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und Multipler Sklerose führen.

Was schwächt die Immunabwehr?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die das Immunsystem schwächen. Dazu zählen:

  • einseitige Ernährung,
  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • Rauchen,
  • Stress und gedrückte Stimmung,
  • zu wenig Schlaf,
  • zu wenig Bewegung,
  • Medikamente,
  • Operationen,
  • Umweltschadstoffe.

Wie stärke ich mein Immunsystem langfristig?

Sie können Ihr Immunsystem langfristig stärken, indem Sie

  • sich ausgewogen ernähren,
  • sich regelmäßig (an der frischen Luft) bewegen,
  • ausreichend schlafen,
  • aufhören zu rauchen und in Maßen Alkohol trinken,
  • in die Sauna gehen und Wechselduschen machen und
  • Dauerstress vermeiden.

Quellen: