Zähneknirschen (Bruxismus)

22.04.2016 | Gesundheitsinfos

Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Beim unbewussten Zähneknirschen (Bruxismus) werden die Zähne im Schlaf oder in Stresssituationen aufeinander gebissen oder gepresst.

Was ist Zähneknirschen?

Beim unbewussten Zähneknirschen (Bruxismus) werden die Zähne im Schlaf oder in Stresssituationen aufeinander gebissen oder gepresst. Das Zähneknirschen tritt in der Regel nachts auf und kann so ausgeprägt sein, dass der Schlaf des Partners gestört wird. Viele Betroffene können im Schlaf lauter mit den Zähnen knirschen als im wachen Zustand. Bei anderen ist das Zähneknirschen lautlos und wird erst entdeckt, wenn es zu Zahn- oder Kieferbeschwerden kommt. Auch der Umfang des Zähneknirschens variiert. Einige Betroffene knirschen wenig und vorsichtig mit den Zähnen, während andere jede Nacht intensiv mit den Zähnen knirschen. Das Zusammenpressen der Zähne kommt eher tagsüber vor. Zähneknirschen und -pressen sind ein relativ häufiges Phänomen. Schätzungsweise knirschen oder pressen zwischen einer von fünf und einer von zehn Personen mit den Zähnen. Lediglich Schnarchen und das Sprechen im Schlaf sind häufigere Ursachen für Schlafstörungen.

Anzeichen und Symptome von Zähneknirschen

Ist Ihr Kiefer schmerzhaft, gespannt oder druckempfindlich? Sind Ihre Zähne schmerzhaft und empfindlich? Wachen Sie morgens mit steifem Hals oder Kopfschmerzen auf? Leiden Sie unter ständigem Spannungskopfschmerz oder Migräne? Dies können Anzeichen dafür sein, dass Sie mit den Zähnen knirschen. Andere Anzeichen für Zähneknirschen sind:

  • Hörbares Zähneknirschen im wachen Zustand oder in Stresssituationen
  • Außergewöhnliche Abnutzung der Zähne
  • Klickende und andere Geräusche des Kiefers
  • Beißen in die Wange Haben Sie einige dieser Symptome an sich beobachtet, sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen, der abklären kann, ob eventuell Zähneknirschen die Ursache ist. Zähneknirschen nimmt mit dem Alter wahrscheinlich ab, die Beschwerden treten jedoch meist zwischen der Pubertät und 40 Jahren auf.

Ursachen für Zähneknirschen

Die Ursache für das Zähneknirschen konnte noch nicht abschließend geklärt werden, in manchen Fällen wird jedoch davon ausgegangen, dass der Grund eine Bissfehlstellung ist. Andere Faktoren sind psychologischer Art und umfassen Anspannung, Stress oder Angst, unterdrückte Wut/Frustration oder eine aggressive, konkurrenzorientierte und möglicherweise hyperaktive Persönlichkeit. Koffein und Nikotin können den Adrenalinspiegel im Körper erhöhen und damit eventuelles Zähneknirschen verschlimmern. Zähneknirschen kann auch nach einer Hirnverletzung oder Krankheit (insbesondere Erkrankungen im Zusammenhang mit den Gesichtsbewegungen) auftreten. Zähneknirschen kann aber auch eine Nebenwirkung von Medikamenten bei psychiatrischen Störungen sein, z. B. Antidepressiva. Bis zu einem Drittel aller Kinder knirschen mit den Zähnen, insbesondere beim Zahnwechsel. Experten sehen einen Zusammenhang mit dem Wachstum, dem Durchbruch von neuen Zähnen und dem Schulbeginn, der für viele Kinder eine neue Herausforderung darstellt. Bei den meisten Kindern legt sich das Zähneknirschen von selbst, aber auch kurzfristiges Knirschen kann die bleibenden Zähne schädigen.

Beim Zahnarzt

Oftmals erkennt der Zahnarzt bei der Untersuchung eine übermäßige Abnutzung der Zähne. Vermutet der Zahnarzt, dass ein Patient mit den Zähnen knirscht, erfolgen regelmäßige Kontrollen, um zu beurteilen, ob eine Therapie notwendig ist. Durch Fragen zu Gewohnheiten und Medikamenten versucht der Zahnarzt die Ursache für das Zähneknirschen zu klären. Der Zahnarzt untersucht die Zähne und erstellt Röntgenaufnahmen, um die richtige Zahnstellung zu überprüfen. In komplizierten Fällen, bei ungesicherter Diagnose oder Verdacht auf andere physische oder psychische Ursachen für die Zahnschäden erfolgt in der Regel eine Überweisung an einen Spezialisten oder Arzt zur Beurteilung der Bissstellung.

Was können Sie selbst gegen Zähneknirschen tun?

Wird das Zähneknirschen durch Stress verursacht, können Entspannungsübungen, ein ruhigerer Lebensstil sowie ein reduzierter Konsum von Alkohol, Tabak und Kaffee hilfreich sein. Manchmal ist eine Aufbissschiene unumgänglich. Durch die Schiene wird das Zähneknirschen nicht verhindert, aber die Kiefergelenke und Muskeln werden entlastet und die Abnutzung der Zähne wird reduziert. Aufbissschienen werden beim Zahnarzt individuell angepasst. Es gibt auch Aufbissschienen zu kaufen, diese passen in der Regel jedoch nicht so gut. Andere Maßnahmen zur Linderung der Symptome des Zähneknirschens:

  • Korrektur der Bissfehlstellung von Zähnen und Kiefer. Liegt die Zunge mit leicht geöffneten Zähnen und geschlossenen Lippen am Gaumen an, werden das Zähneknirschen und die Anspannung im Kiefer verhindert.
  • Es sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt durchgeführt werden.

Therapie bei Zähneknirschen

Therapie bei Zähneknirschen verursacht durch:

  • Stress. Verschiedene Entspannungsübungen können hilfreich sein. Auch Selbsthilfeansätze oder professionelle Hilfe (in der Regel Psychiater/Psychologe) sind möglich.
  • Probleme mit der Zahnstellung. Verbesserung der Zahn-zu-Zahn-Kontakte durch Abschleifen des Gebisses, Korrektur der Zahnfehlstellung oder Kronen/Brücken über bestimmte Zähne. Eine Aufbissschiene aus Kunststoff, die am Abend eingesetzt wird, schützt die Zähne und entlastet das Kiefergelenk und die Muskeln. Diese Schienen, die die Zähne beim Zähneknirschen schützen, werden beim Zahnarzt angefertigt.
  • Wird das Zähneknirschen durch eine Hirnverletzung oder neuromuskuläre Krankheit verursacht, ist meist keine Therapie möglich. Eine Schiene o. Ä. ist in der Regel die beste Therapie.
  • Wird das Zähneknirschen durch Medikamente ausgelöst, sollte eventuell ein anderes Medikament in Erwägung gezogen werden. Ist dies nicht möglich oder ratsam, kann das Antiepileptikum Gabapentin einem durch Antidepressiva verursachten Zähneknirschen entgegenwirken.

Folgen des Zähneknirschens

Das größte Problem bei Bruxismus ist die Schädigung der Zähne. Die starke Muskelkontraktion während des Zähneknirschens verursacht Schmerzen im umliegenden Gewebe und in den Gelenken und Muskeln – dies kann zu Kopfschmerzen, Nackensteife und einem druckempfindlichen Kiefer führen. Weitere Beeinträchtigungen sind die Verschlimmerung von anderen Zahnproblemen, Zahnfrakturen und Schlafstörungen beim Partner.

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