Der weibliche Zyklus

Wie Hormone Körper und Psyche beeinflussen

Der weibliche Zyklus wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert. Besonders wichtig sind dabei Östrogen und Progesteron. Diese Hormone beeinflussen nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch viele andere Körperfunktionen – darunter Knochenstoffwechsel, Herz‑Kreislauf‑Gesundheit, Gehirnleistung und Stimmung.

Östrogen – Schutz für viele Organe

Östrogene, insbesondere Östradiol, sorgen in der ersten Zyklushälfte für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Darüber hinaus haben sie eine zentrale Schutzfunktion: Sie tragen zur Erhaltung der Knochendichte, zur Elastizität der Blutgefäße und zu einem günstigen Cholesterinstoffwechsel bei. Auch im Gehirn spielen Östrogene eine wichtige Rolle, da sie die Bildung von Serotonin fördern – einem Botenstoff, der Stimmung, Schlaf und Konzentration beeinflusst.

Progesteron – das hormonelle Gegengewicht 

Progesteron wird nach dem Eisprung gebildet. Es wirkt beruhigend auf das Nervensystem, fördert einen erholsamen Schlaf und schützt die Gebärmutterschleimhaut vor einem übermäßigen Wachstum. Sinkt der Progesteronspiegel, kann es zu Schlafstörungen, innerer Unruhe und Zyklusunregelmäßigkeiten kommen.

Typisch für die Wechseljahre ist, dass Progesteron oft früher abnimmt als Östrogen. Dieses hormonelle Ungleichgewicht erklärt viele frühe Beschwerden der Perimenopause.

Die Menopause verstehen

Prä‑, Peri‑ und Postmenopause

Die Wechseljahre sind kein einzelner Zeitpunkt, sondern ein mehrjähriger hormoneller Übergang. Medizinisch erfolgt die Einteilung primär anhand des Blutungsmusters – nicht anhand einzelner Hormonwerte.

1. Prämenopause

Die Prämenopause beginnt meist ab Mitte 40. Eisprünge werden seltener, der Progesteronspiegel sinkt. Typisch sind:

  • unregelmäßige Zyklen
  • stärkere oder verlängerte Blutungen
  • Schlafprobleme
  • PMS-ähnliche Beschwerden 

2. Perimenopause

Die Perimenopause umfasst die Jahre rund um die letzte Regelblutung. Die Hormone schwanken stark und führen häufig zu:

  • Hitzewallungen
  • Nachtschweiß
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsproblemen
  • depressiven Verstimmungen

3. Postmenopause

Als postmenopausal gilt eine Frau, wenn 12 Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Die Hormonspiegel bleiben nun dauerhaft niedrig. Akute Beschwerden lassen häufig nach, gleichzeitig steigt jedoch das Risiko für bestimmte Folgeerkrankungen.

Gesundheitsrisiken in und nach der Menopause

Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich langfristig auf verschiedene Organsysteme aus.

Endometriumhyperplasie

Wenn Östrogen über längere Zeit ohne ausreichenden Gegenspieler wirkt, kann sich die Gebärmutterschleimhaut übermäßig aufbauen. Dadurch steigt das Risiko für Endometriumhyperplasie – eine gutartige, aber behandlungsbedürftige Verdickung der Gebärmutterschleimhaut und in der Folge für ein Endometriumkarzinom – ein bösartiger Tumor.

Progesteron bzw. Gestagene wirken hier protektiv: Sie stabilisieren die Schleimhaut und hemmen deren übermäßiges Wachstum. Dieser Effekt ist ein zentraler Aspekt bei der sicheren Durchführung einer Hormonersatztherapie.

Osteoporose

Bereits in der Perimenopause beginnt ein beschleunigter Knochenabbau. Nach der Menopause ist etwa jede zweite Frau über 50 betroffen.

Wichtige Maßnahmen:

  • regelmäßige Bewegung (v. a. Krafttraining)
  • ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr

Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen

Östrogen schützt die Blutgefäße. Fällt dieser Schutz weg, steigt das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich an. Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen sind heute die häufigste Todesursache bei Frauen.

Psychische Belastungen

Hormonelle Schwankungen, Schlafmangel und anhaltende Erschöpfung können depressive Verstimmungen verstärken oder auslösen. Besonders in der Perimenopause berichten viele Frauen über eine erhöhte seelische Belastung.

Therapieoptionen bei Wechseljahres­beschwerden

Hormonersatztherapie (HRT)

Die Hormonersatztherapie gilt als wirksamste Behandlung bei ausgeprägten Wechseljahres­beschwerden. Bei Frauen mit Gebärmutter besteht sie immer aus Östrogen und Progesteron (Gestagene). Ziel ist es nicht, „jugendliche“ Hormonwerte zu erreichen, sondern Beschwerden zu lindern und Risiken – etwa für Osteoporose – zu senken.

Wichtiger Hinweis dazu:

  • Gestagene in der richtigen Dosierung schützen zuverlässig vor Endometriumkarzinom
  • Die langfristige kombinierte Anwendung kann jedoch – abhängig von Dauer, Alter bei Therapiebeginn und Präparat – mit einem leicht erhöhten Risiko für Brustkrebs (Mammakarzinom) verbunden sein

Daher ist immer eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

Lebensstil: eine zentrale Säule

Unabhängig von Medikamenten spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle:

  • ausgewogene, eiweiß‑ und kalziumreiche Ernährung
  • regelmäßige Bewegung, insbesondere Krafttraining
  • gute Schlafhygiene und Stressreduktion

Diese Maßnahmen verbessern nicht nur Symptome, sondern wirken langfristig gesundheitsfördernd.

Phytopharmaka – warum sie kritisch gesehen werden

Pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerze (Cimicifuga), Melatonin oder Ashwagandha werden häufig als „natürliche“ Unterstützung genutzt. Aus medizinischer Sicht werden sie jedoch kritisch bewertet. Der Hauptgrund dafür ist, dass ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nicht einheitlich und nicht ausreichend belegt ist.

Für die meisten Phytopharmaka fehlen große, qualitativ hochwertige Studien, die eindeutig zeigen, wie gut sie wirken, in welcher Dosierung sie sinnvoll sind und wie sicher sie langfristig angewendet werden können. Zudem unterscheiden sich Zusammensetzung und Qualität der Präparate je nach Hersteller erheblich. Leitlinien empfehlen Phytopharmaka daher nur eingeschränkt und vor allem bei milden Beschwerden, nicht als gleichwertige Alternative zu gut untersuchten Therapien.

Kurzinterview

mit Dr. med. Marc Hohnhaus

Dr. med. Marc Hohnhaus ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Er studierte Humanmedizin in München, Genf und Sydney und absolvierte seine fachärztliche Ausbildung an der Frauenklinik Stuttgart. Dort war er auch mehrere Jahre als Oberarzt im Einsatz. Heute ist Dr. Hohnhaus gemeinsam mit Isabell Herzer in der Frauenarztpraxis Herzer & Hohnhaus in Stuttgart‑Mitte tätig.

Neben seiner klinischen Arbeit engagiert sich Dr. Hohnhaus in der medizinischen Aufklärung. So hat er bereits Vorträge im Rahmen der Veranstaltungen des Frauennetzwerks SIE@SDK für Mitarbeitende der SDK gehalten. Dabei informierte er insbesondere zu Themen der Frauengesundheit und hormonellen Veränderungen.

Drei häufige Fragen aus der Praxis

In seinem Praxis-Alltag bekommt Dr. med. Marc Hohnhaus häufig folgende Fragen zum Thema Menopause gestellt:

  1. Warum werden bei der Hormonersatztherapie zwei Hormone eingesetzt?
    “Östrogen lindert typische Beschwerden sehr effektiv. Ohne Progesteron kann es jedoch die Gebärmutterschleimhaut unkontrolliert wachsen lassen. Gestagene bzw. Progesteron schützen davor und senken in der richtigen Dosierung insbesondere das Risiko für ein Endometriumkarzinom. Gleichzeitig ist bekannt, dass die langfristige kombinierte Anwendung mit einem leicht erhöhten Risiko für Brustkrebs verbunden sein kann. Daher ist eine individuelle Beratung entscheidend.”
  2. Warum empfehlen Sie keine routinemäßigen Hormonbestimmungen?
    “In der Perimenopause schwanken die Hormonwerte stark – oft sogar von Tag zu Tag. Einzelne Laborwerte sagen daher wenig über Beschwerden oder den Nutzen einer Therapie aus. Entscheidend ist das Beschwerdebild der Frau.”
  3. Warum werden Phytopharmaka kritisch gesehen?
    “Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht einheitlich belegt, zudem fehlen verlässliche Daten zu Dosierung und Langzeitsicherheit. Deshalb empfehlen Leitlinien sie nur eingeschränkt.”

FAQ zur Menopause

Bei den meisten Frauen beginnen erste hormonelle Veränderungen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Der genaue Zeitpunkt ist individuell verschieden und genetisch mitbestimmt.

Nein. Die Menopause ist ein natürlicher Lebensabschnitt. Sie kann jedoch Beschwerden verursachen und das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen, weshalb Prävention wichtig ist.

Nein. Bei richtiger Anwendung überwiegt bei vielen Frauen der Nutzen. Voraussetzung sind individuelle Beratung und regelmäßige ärztliche Kontrolle.

Bewegung, gesunde Ernährung, guter Schlaf und Stressreduktion haben einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Auch digitale Gesundheitsangebote wie Clue Plus Frauengesundheit können dabei unterstützen, den eigenen Körper besser zu verstehen.