Zähneknirschen und Verspannungen – das hilft!

07.11.2019 | Gesundheitstipps

Zähneknirschen ist ein häufiges Phänomen. Nicht nur die Zähne leiden unter dem Mahlen und Reiben, sondern auch die Muskulatur – morgens wachen viele mit Verspannungen und Schmerzen auf. Lesen Sie, was bei Zähneknirschen hilft.

Zähneknirschen ist weit verbreitet: Etwa jeder Zweite1 mahlt, reibt oder knirscht zumindest zeitweise im Leben mit den Zähnen. Langfristig ist jeder Fünfte davon betroffen. Zähneknirscher spannen ihre Kaumuskulatur an und pressen ihre Zähne fest aufeinander. Dabei wirkt ein enormer Druck auf die Zähne und den gesamten Kauapparat ein – einige bringen es dabei auf mehr als das Zehnfache des normalen Kaudrucks.1 Manche verschieben auch nur ihren Unterkiefer, ohne dass die Zähne miteinander Kontakt haben. Zähneknirschen kann nur wenige Sekunden dauern, aber es gibt auch Menschen, die bis zu 45 Minuten lang mit den Zähnen „arbeiten“. Medizinisch heißt das Zähneknirschen „Bruxismus“.

Zähneknirschen im Schlaf oder im Wachzustand1,2,3,4

Viele Menschen knirschen im Schlaf mit den Zähnen, besonders Kinder. Der Betroffene selbst nimmt die Geräusche in der Regel nicht wahr, wohl aber hört sie der Bettnachbar. Manche Menschen knirschen auch tagsüber im Wachzustand. So unterscheiden Zahnärzte – je nach Tageszeit – den Schlafbruxismus und Wachbruxismus. Erwachsene knirschen öfters tagsüber als nachts mit den Zähnen. Frauen sind ungefähr genauso oft betroffen wie Männer.

Am häufigsten kommt der Bruxismus bei Menschen im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt2 vor. Die gute Nachricht: Im Lauf des Lebens nimmt die Häufigkeit wieder ab. In der Entwicklungsgeschichte des Menschen gilt das Zähneknirschen übrigens als Methode zum Stressabbau.

Zähneknirschen – das sind die Folgen1,2,3,4

Bruxismus ist zwar keine Krankheit, kann jedoch einige unangenehme Folgen für die Zähne und den gesamten Kauapparat haben. Zudem ist das Zähneknirschen laut und kann den Schlaf der Liebsten stören. Die wichtigsten Auswirkungen sind:

  • Zähne: Verluste und Brüche der Zahnhartsubstanz, feine Risse im Zahnschmelz, Defekte am Zahnhals, Schäden an Füllungen, Kronen oder Brücken, veränderter Biss, überempfindliche Zähne, lockere Zähne auch ohne Parodontitis
  • Die Kaumuskulatur vergrößert sich aufgrund der starken, permanenten Anspannung. Hypertrophie ist der Fachbegriff dafür.
  • Muskelverspannungen: Sie verursachen Schmerzen in der Kaumuskulatur und den Kiefergelenken. Viele nehmen diese als Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen wahr. Wer also morgens mit Verspannungen und Schmerzen an der Schläfe aufwacht, könnte ein nächtlicher Zähneknirscher sein.
  • Gestörte Funktion der Kieferbewegung: Betroffene haben Schwierigkeiten, ihren Mund zu öffnen, oder es lassen sich Seitenabweichungen des Unterkiefers feststellen. Zahnärzte nennen dieses Krankheitsbild „craniomandibuläre Dysfunktion“ (CMD).
  • Knacken oder Geräusche im Kiefergelenk
  • Verminderte Schlafqualität
  • Manche leiden unter Tinnitus – wissenschaftlich bewiesen ist der Zusammenhang mit dem Zähneknirschen jedoch nicht.

Zähneknirschen – was tun?1,2,3

Es gibt einige Maßnahmen, die bei Zähneknirschen helfen können. Die wichtigsten sind:

  • Knirscherschienen: Diese schützen die Zähne im Schlaf und sorgen dafür, dass sie nicht aufeinander reiben können. Solche Schienen entlasten auch die Muskulatur und Kiefergelenke. Sie sind im Ober- und Unterkiefer einsetzbar. Zahnärzte empfehlen für die Anwendung über einen längeren Zeitraum harte Schienen, welche alle Zähne bedecken (Okklusionsschienen). Sie haben die geringsten Nebeneffekte. Daneben gibt es noch Entspannungsschienen, die langfristig helfen. Bei Menschen mit schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) sind Unterkiefer-Protrusionsschienen eventuell eine Möglichkeit. Kurzfristig ist auch der Einsatz von Schienen bei Kindern möglich. Nach Abschluss der Gebissentwicklung können Zahnärzte Schienen wie bei Erwachsenen einsetzen. Miniplastschienen eignen sich kurzfristig bei einer craniomandibulären Dysfunktion.
  • Zahnschäden behandeln: Ausgleichen von Verlusten der Zahnhartsubstanz, Reparatur von Füllungen oder Zahnersatz wie Brücken oder Kronen.
  • Botulinumtoxin (Botox): Bei Erwachsenen können Zahnärzte die Injektion von Botulinumtoxin in die Kaumuskulatur als Behandlung in Erwägung ziehen. Botox besitzt jedoch für die Anwendung bei Bruxismus keine Zulassung ( „Off-Label-Use“).
  • Selbstbeobachtung und Wahrnehmungstraining: Machen Sie sich bewusst, in welchen Situationen Sie gestresst sind und pressen und knirschen. Dann können Sie rechtzeitig gegensteuern.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie eine Entspannungsmethode wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Hilfreich können zudem Autogenes Training oder ein und Achtsamkeitstraining sein. Auch Yoga oder Meditation kann Stress lindern.
  • Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie: Auch wenn die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich bewiesen ist – einen Versuch ist sie vielleicht wert.
  • Biofeedback: Dabei erhalten Sie über Elektroden und einen Computer eine Rückmeldung über den Spannungszustand der Muskulatur in Form akustischer oder optischer Signale. Biofeedback eignet sich sowohl für den Schlaf- als auch den Wachbruxismus, auch in Kombination mit einer kognitiven Verhaltenstherapie. Das Biofeedback kann Schmerzen reduzieren helfen.
  • Physiotherapie: Die manuelle Therapie sowie Kälte- oder Wärmeanwendungen können die Beschwerden einer craniomandibulären Dysfunktion lindern.

Quellen: