Asthma bei Kindern

03.03.2017 | Gesundheitsinfos

Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Asthma ist eine chronische Erkrankung, bei der verengte Atemwege zu Anfällen mit Atemschwierigkeiten führen. 4 bis 10 % aller Kinder unter 15 Jahre haben eine Form von Asthma.

Fakten

  • Asthma ist eine chronische Lungenkrankheit, bei der verengte Atemwege zu Anfällen mit Atembeschwerden führen.
  • Die Ursachen für Asthma sind nicht vollständig geklärt. Es gibt aber viele Faktoren, die Asthma auslösen können.
  • Typische Symptome sind Pfeifgeräusche beim Atmen, Atembeschwerden und Husten. Nachts sind die Beschwerden oft besonders deutlich.
  • Das Ziel der Behandlung von Asthma ist es, so weit wie möglich beschwerdefrei zu sein.
  • Bei 30 bis 50 % der Kinder mit leichtem Asthma verschwinden die Symptome in der Pubertät.

Was ist Asthma?

Asthma ist eine Krankheit, bei der eine Schleimhautentzündung der kleinen Luftwege (der sogenannten Bronchien) dazu führt, dass diese anschwellen und die Atemwege teilweise oder vollständig verschließen. Der innere Durchmesser der Bronchien verringert sich, weil die Schleimhaut anschwillt (wie in der Nase bei einer Erkältung). Gleichzeitig bildet sich häufig zu viel Schleim, der sich in den Bronchien sammelt. Beim akuten Asthmaanfall kommt noch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur hinzu (Bronchospasmus), was vor allem zu einer verminderten Ausatmung führt. Dadurch wird die Luftdurchfuhr behindert oder obstruiert. Asthma wird auch obstruktive Lungenerkrankung genannt (aus dem Lateinischen: obstructus = versperrt, verschlossen). Die Verengung der Bronchien kann aufgehoben werden, indem Medikamente gegeben oder die auslösenden Faktoren beseitigt werden. Die Erkrankung äußert sich in Anfällen von Husten und/oder Atemnot, während in den Zwischenphasen oft kaum oder keine Beschwerden bestehen. Der Schweregrad der Beschwerden ist von Anfall zu Anfall und von Person zu Person unterschiedlich. 4 bis 10 % aller Kinder unter 15 Jahren haben eine Form von Asthma. Etwa 80 % dieser Kinder haben zudem bei körperlicher Anstrengung Beschwerden bzw. größere Beschwerden als sonst.

Ursache

Asthma wird in zwei Typen eingeteilt: allergisches und nichtallergisches Asthma. Bei Patienten mit allergischem Asthma (die häufigste Form bei Kindern) liegen die auslösenden Faktoren in der Umgebung; der Betroffene reagiert aufgrund von Besonderheiten seines Immunsystems überempfindlich auf diese sog. Allergene. Diese können z. B. Pollen, Milben oder Tierhaare sein. Bei Patienten mit nichtallergischem Asthma spielen allergische Mechanismen des Immunsystems keine Rolle, sondern die Veränderungen in der Lunge sind auf andere, meist nicht bekannte Ursachen zurückzuführen. Grundsätzlich spielt wahrscheinlich die Vererbung eine wichtige Rolle. Zahlreiche Faktoren können Asthma auslösen (siehe Ursachen für Asthma). Diese können sich bei der gleichen Person mit der Zeit verändern. Allergien gegen Hausstaubmilben und Katzen scheinen bei Asthma eine Rolle zu spielen. Auch Patienten mit Heuschnupfen und atopischem Ekzem (Neurodermitis) haben häufig Asthma. Da Asthma in verschiedenen Teilen des Landes und der Welt unterschiedlich häufig vorkommt, wird vermutet, dass auch Nahrung und Lebensstil eine Rolle spielen. Der Anteil der Asthmatiker in der Bevölkerung wächst deutlich, was damit erklärt wird, dass auch Raumklima und Luftverschmutzung zur Entwicklung von Asthma beitragen.

Symptome

Bei einem Kind mit Asthma wird der Anfall durch den teilweisen oder vollständigen Verschluss (Obstruktion) der Atemwege ausgelöst. Typische Symptome sind Pfeifgeräusche beim Atmen, Atembeschwerden und Husten. Nachts sind die Beschwerden oft besonders deutlich ausgeprägt. In der Regel ist das Ausatmen anstrengend und dauert länger als sonst. Wenn das Kind in den Phasen zwischen den Anfällen keine Asthma-Beschwerden hat, kann es völlig symptomfrei sein, aber bei einer Erkältung oder nach dem Kontakt mit einer Substanz, auf die das Kind allergisch reagiert, können die Beschwerden wieder auftreten. Bei leichtem Asthma kann Husten das einzige Symptom sein. Husten ist häufig auch das erste Zeichen für Asthma bei Kindern, aber nur wenige Kinder, die husten, haben auch Asthma.

Folgende Symptome können auf Asthma bei Kindern hindeuten:

  • Das Kind leidet unter lang andauerndem Husten bei einer Infektion der oberen Atemwege.
  • Es hustet immer länger und stärker als Geschwister und Freunde.
  • Bei einer Erkältung ist häufig die Lunge mitbetroffen.
  • Bei körperlichen Aktivitäten, Sport oder anstrengendem Spielen treten pfeifende Atemgeräusche und/oder Husten auf.
  • Das Kind ist müde und reizbar, hat eine schlechte Ausdauer:
    • Zieht es vor, ruhig zu spielen.
    • Kann beim Tempo der Freunde nicht mithalten.
    • "Ist Teil der Mannschaft, aber immer als Torwart."
  • Nächtlicher Husten tritt mehrere Monate lang auf.
  • Das Kind wird wiederholt mit Antibiotika aufgrund einer "Beinahe"-Lungenentzündung behandelt oder Beta-Adrenozeptoragonisten (Medikamente zur Erweiterung der Bronchien) müssen lange andauernd und regelmäßig angewendet werden.

Diagnostik

Starke Indikatoren für Asthma sind anhaltender Husten, wiederholte Pfeifgeräusche beim Atmen und Atemnot. Die Diagnose wird neben der Erfassung der Beschwerden durch die Messung der Atemkapazitäten mit einem besonderen Apparat, einem sogenannten Spirometer, bestätigt. Bei sehr kleinen Kindern kann diese Messung schwierig sein, sodass die Diagnose ausschließlich auf der Krankengeschichte beruht. Manchmal wird ein Medikament getestet, das die Bronchien erweitert, um zu sehen (oder möglichst zu messen), ob sich die Atmung verbessert (siehe Asthma diagnostizieren). Besteht die Verdacht auf eine Allergie, wird die Ärztin in speziellen Tests versuchen zu klären, auf welche Substanzen das Kind allergisch reagiert (z.B. Hausstaubmilben, Tierhaare, bestimmte Nahrungsmittel).

Behandlung

Das Ziel der Behandlung von Asthma ist es, so weit wie möglich beschwerdefrei zu werden. Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass das Kind ein so normales Leben wie möglich haben kann, ohne Einschränkungen der Aktivitäten, und dass die Behandlung keine Nebenwirkungen hat. Eltern und Kind sollten über die Krankheit genau informiert werden, damit sie die Behandlung selbst steuern können. Um zu verhindern, dass sich Asthma entwickelt bzw. verschlechtert, sollte das Kind so wenig wie möglich Faktoren ausgesetzt sein, die vermutlich Asthma auslösen können, wie z. B. Hausstaubmilben, Tierhaare, Vögel und Zigarettenrauch (Wie kann ein Asthmaanfall vermieden werden?). Es ist besonders wichtig, diese Dinge zu vermeiden, wenn ein Elternteil oder Geschwister auch unter Asthma, Heuschnupfen oder einem atopischem Ekzem leiden. Am wichtigsten ist allerdings, für eine rauchfreie Wohnung zu sorgen, auch ein geeignetes Raumklima (nicht zu feucht, kein Schimmelbefall der Wände) ist wichtig. Kinder mit Asthma sollten ermuntert werden, Sport zu treiben. Ihr Arzt kann Sie dazu genauer beraten. Die meisten Kinder mit Asthma müssen medikamentös behandelt werden, entweder nur bei einem Anfall oder zusätzlich jeden Tag (Behandlung von Asthma bei Kindern).

Prognose

Kinder mit leichtem Asthma haben grundsätzlich eine gute Prognose. Bei 30 bis 50 % der Kinder verschwinden die Symptome in der Pubertät. Das höchste Risiko, Asthma zu entwickeln, besteht bei Kindern mit wiederholten Virusinfektionen in den Atemwegen, und wenn sie gleichzeitig eine Allergie entwickelt haben. Kinder, die während der Pubertät "gesund" werden, tragen das Risiko, dass die Beschwerden im erwachsenen Alter wiederkommen. Einige Patienten haben ständige Beschwerden mit Pfeifgeräuschen und schwerer Atmung, Engegefühl in der Brust und Husten. Die Atemwege der meisten Asthmatiker reagieren besonders empfindlich (bronchiale Hyperreagibilität), wodurch Asthmasymptome hervorgerufen werden – nicht nur wenn sie Allergenen ausgesetzt sind, sondern grundsätzlich bei Reizauslösern wie z. B. Zigarettenrauch oder auch starken Gerüchen (Parfum). Bei allen Patienten, die auch als Erwachsene noch Asthma haben, bestimmt die Häufigkeit der Anfälle und ihr Schweregrad darüber, wie ernst die Erkrankung ist. Die meisten Patienten können aber ganz normal ihrer Arbeit und ihren Hobbys nachgehen. Bei schwerem Asthma verändern sich die Bronchien und möglicherweise auch die Lunge dauerhaft. Asthmatiker, die rauchen, sind besonders gefährdet. Bei ihnen kommt es häufig zu einer chronischen Verengung der Atemwege, eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD). Dies ist eine ernste Erkrankung, die lebenslang intensiv behandelt werden muss.

deximed.de