Übergewicht und Adipositas

08.08.2017 | Gesundheitsinfos

Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) sind ein häufiges Phänomen in der westlichen Welt – etwa 20 % der Deutschen gelten als fettleibig. Zugrunde liegen vermutlich vererbte Faktoren und ein Lebensstil, der durch wenig Bewegung und kalorienreiches Essen geprägt ist. In der Folge treten Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen vermehrt auf.

Definitionen

Körpergröße und Gewicht hängen zusammen. Es ist daher üblich, zur Definition von Normalgewicht oder Fettleibigkeit den sogenannten Body-Mass-Index (BMI, „Körpermassenindex“) statt nur das Körpergewicht heranzuziehen. Der Body-Mass-Index wird folgendermaßen berechnet: BMI = Gewicht/Körpergröße² (kg/m²). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Grenzen für Normalgewicht und verschiedene Grade des Übergewichts wie folgt festgelegt:

  • BMI 18,5 bis <25,0 ist definiert als Normalgewicht.
  • BMI 25,0 bis <30,0 ist definiert als Übergewicht.
  • BMI 30,0 bis <35,0 ist definiert als Adipositas Grad I.
  • BMI 35,0 bis <40,0 ist definiert als Adipositas Grad II.
  • BMI von 40 und mehr ist definiert als Adipositas Grad III.

Übergewicht und insbesondere Adipositas sind mit einem erhöhten Risiko insbesondere für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes) verbunden. Neben dem BMI ist der Taillenumfang ein gutes Maß zur Einschätzung des Risikos für die oben genannten Krankheiten. Daher wird bei Personen mit Übergewicht/Fettleibigkeit häufig auch der Taillenumfang gemessen. Während der BMI auch durch eine große Muskelmasse bei trainierten Personen erhöht sein kann, dient der Taillenumfang als Maß für das Bauchfett und somit für das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Taillenumfang sollte bei Männern 102 cm und bei Frauen 88 cm nicht überschreiten, um auf der gesunden Seite zu bleiben.

Eine früher häufig durchgeführte Messung des Hüftumfanges wird heute nicht mehr durchgeführt, da sie keine zusätzlich nützlichen Informationen liefert.

Häufigkeit

Etwa 63 % der erwachsenen deutschen Bevölkerung ist gemäß der Definition der WHO übergewichtig oder fettleibig. Rund 22 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland haben einen BMI von mehr als 30 und gelten damit als fettleibig. Die Zahlen steigen mit dem Alter, und die Häufigkeit von Übergewicht ist bei den 50- bis 60-Jährigen am höchsten. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen für Fettleibigkeit

Die Ursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit sind vielfältig. Eine Rolle spielt Vererbung – Kinder übergewichtiger Eltern werden überdurchschnittlich häufig selber später übergewichtig. Darüber hinaus entsteht Fettleibigkeit infolge eines entsprechenden Lebensstils. Auch für diesen werden die Grundlagen häufig schon in der Kindheit gelegt werden, und die Entwicklung verstärkt sich oft im Erwachsenenalter. Unser moderner Lebensstil hat dazu geführt, dass die tägliche Kalorienzufuhr höher ist als der tägliche Kalorienverbrauch. Der wichtigste Faktor dafür ist die gesellschaftliche Entwicklung mit mehr sitzenden Tätigkeiten, mehr sitzenden Freizeitaktivitäten und weniger alltäglicher Bewegung. Auch unsere Ernährungsgewohnheiten, die Beschaffung von Lebensmitteln sowie die Art zu essen, haben sich geändert. So konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang besteht zwischen Übergewicht und schnellem Essen. Außerdem haben wir einen fast unbegrenzten Zugang zu Lebensmitteln und ein umfangreicheres Angebot an kalorienreichen Lebensmitteln und Getränken.

Seltene Ursachen für Fettleibigkeit

Bestimmte Hormonstörungen können zu Übergewicht führen, machen aber nur einen Bruchteil aller Fälle aus:

  • Verlangsamung des Stoffwechsels durch Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Cushing-Syndrom
  • Es gibt außerdem extrem seltene Erbkrankheiten, die – begleitet von Hormonstörungen – zu Adipositas führen.

Warum sind Übergewicht und Fettleibigkeit gefährlich für die Gesundheit?

Personen mit Übergewicht/Fettleibigkeit tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten, vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall und Verengungen der Blutgefäße. Diese entstehen zum Teil durch höheren Blutdruck, erhöhte Blutfettspiegel und erhöhte Blutzuckerwerte mit Typ-2-Diabetes. Jedoch scheint vermehrtes Bauchfett auch unabhängig von diesen Folgekrankheiten die Wahrscheinlichkeit für die oben genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erhöhen.

Übergewicht ist außerdem bekanntermaßen mit einem erhöhten Risiko für viele Arten von Krebs verbunden. Man schätzt, dass in den USA etwa 3 - 9% der Krebsfälle durch überhöhtes Gewicht verursacht sind. Des weiteren erhöht Übergewicht das Risiko für Verschleißerkrankungen an den Hüften, Knien und dem Rücken sowie für Gicht, Gallensteine und Fettleber. Auch kann es zu Schlafbeschwerden und Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) führen. Übergewicht kann aber auch zu psychischen Beschwerden führen.

Personen mit Adipositas sterben durchschnitllich früher. Ein Mensch mit einem BMI von 40 - 45 kg/m2 lebt im Mittel 8 - 10 Jahre kürzer als eine normalgewichtige Person. Allerdings scheinen die negativen Effekte von erhöhtem Gewicht im Alter abzunehmen. Bei Personen über 55 Jahren ist die Sterblichkeit durch Fettleibigkeit nur gering erhöht.

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