Faktencheck: Hilft Akupunktur bei Rückenschmerzen?

29.10.2020 | Gesundheitstipps

Viele Patienten mit akuten oder chronischen Rückenschmerzen probieren es mit Akupunktur. Doch hilft Akupunktur bei Rückenschmerzen? Wir machen für Sie den Faktencheck.

Bei Akupunktur werden an ausgewählten Punkten kleine Nadeln in den Körper gesteckt. Akupunktur soll bei vielen Erkrankungen einen positiven Effekt haben. Auch bei Rückenschmerzen soll Akupunktur die Beschwerden lindern. Doch helfen Nadeln gegen Schmerzen? Wir haben für Sie die Fakten geprüft.

Hintergrund: Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist eine Behandlungsmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin. Bei der Akupunktur werden an bestimmten Körperstellen – den sogenannten Akupunkturpunkten – feine Nadeln in die Haut gestochen. Die Einstiche entlang sogenannter Energiebahnen (auch Meridiane) sollen den Energiefluss im Körper ändern und dadurch Schmerzen lindern, Blockaden lösen und generell die Selbstheilungskräfte stärken.

Wann wird Akupunktur angewendet?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste von über 100 Erkrankungen zusammengestellt, für die eine Akupunkturbehandlung infrage kommt. Hauptanwendungsgebiete für Akupunkturbehandlungen sind laut WHO:

  • Kopfschmerzen,
  • Migräne,
  • chronische Rückenschmerzen,
  • Rheuma, 
  • Asthma,
  • Allergien,
  • Bronchitis.

Wie wirksam ist Akupunktur?

Die Forschungsergebnisse zur positiven Wirkung von Akupunktur sind dürftig. In wissenschaftlich kontrollierten Studien konnten bis jetzt keine „Energiebahnen“ im Körper nachgewiesen werden. Tests zeigten, dass es prinzipiell keine Rolle zu spielen scheint, an welchen Punkten die Nadeln genau gesetzt werden und ob sie die Haut durchstechen oder nicht. Kritiker sind überzeugt, dass weniger die Nadeln als vielmehr die Einbildungskraft für einen Rückgang der Symptome sorge. Akupunktur-Effekte sind für sie von Placebo-Effekten kaum zu unterscheiden. Es ist aber auch möglich, dass durch das Setzen von Akupunkturnadeln schmerzlindernde Botenstoffe im Nervensystem freigesetzt werden. Welche Mechanismen im Körper durch Akupunktur ausgelöst werden, haben Wissenschaftler noch nicht abschließend geklärt.

Wer heilt hat recht?

Trotz der fehlenden Evidenz bewirkt Akupunktur bei zahlreichen Menschen etwas im Körper und in der Seele. Mittlerweile sprechen sich zahlreiche Schmerzforscher dafür aus, die Placebo-Effekte bei der chronischen Schmerzbehandlung zu nutzen. Denn auch die Rolle der Psyche dürfen wir nach neuesten Studien bei der Schmerzverarbeitung im Gehirn nicht unterschätzen. Durch Erwartungen, Suggestion, aber auch Stress lässt sich unsere Psyche prima manipulieren. So haben beispielsweise besonders wirksam aussehende bunte Pillen eine deutlich schmerzlindernde Wirkung als „normale“ Tabletten. Auch bei geheimnisvoll wirkenden Maßnahmen wie der Akupunktur werden solche Effekte beobachtet.

Hilft Akupunktur bei Rückenschmerzen?

Ob Akupunktur hilft, kann von vielen Faktoren abhängen, zum Beispiel von der Qualifikation des Therapeuten. Außerdem gibt es verschiedene Akupunkturtechniken, die sich darin unterscheiden, wo die Nadeln gesetzt werden. Bis heute gibt es nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirkung von Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen. In der qualitativ hochwertigsten Studie half Akupunktur beispielsweise nicht besser als vorgetäuschte Akupunktur. In anderen Studien linderte die Akupunktur die Rückenschmerzen nur geringfügig. Im Fachjargon spricht man von einer „moderaten Evidenz für eine kurzfristige Schmerzlinderung“. Allerdings war der Effekt auch hier nur schwach und nicht von Dauer.

Akupunktur: Was zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für Akupunktursitzungen bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen. Der behandelnde Arzt muss für die Abrechnung mit der Kasse eine Zusatzausbildung „Akupunktur“ und gründliche Kenntnisse in den Bereichen Schmerztherapie und Psychosomatik vorweisen. Eine Akupunktursitzung beim Heilpraktiker müssen Patienten selbst bezahlen. Auf der Webseite der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur finden Sie geprüfte Akupunktur-Ärzte in Ihrer Nähe.

Krankenvollversicherte der SDK (mit den Tarifen A100-A109, A%, A80, A80B AG80, AG, A75, A210, A220, AM30-AM33) und bestimmte Zusatzversicherte (mit den Tarifen ZH40, WGZ4) erhalten je nach Erstattungssatz Akupunktur-Leistung erstattet, wenn die medizinische Notwendigkeit zur Schmerztherapie erkennbar ist. Sind Naturheilverfahren (mit den Tarifen AM10-AM13) abgesichert bzw. haben Sie eine ambulante Zusatzversicherung (mit den Tarifen NH, AP5-AP1) dann sind die Leistungen nicht auf Schmerzbehandlungen begrenzt. Ob Sie Leistungen erhalten können, hängt (je nach Tarif) zusätzlich davon ab, ob diese von einem Arzt oder Heilpraktiker erbracht wurden. Die genauen Tarifleistungen finden Sie in Ihren Tarifbedingungen.

Übrigens: Mehr Informationen zu einer privaten Krankenvollversicherung finden Sie hier. Eine ambulante Krankenzusatzversicherung können Sie hier online abschließen.

Gibt es Nebenwirkungen bei Akupunktur?

Das Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen ist bei Akupunktur sehr gering. Allerdings kann es durch das Setzen von Akupunkturnadeln zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen kommen. Um Infektionen zu vermeiden, sollten sterile Einwegnadeln verwendet werden.

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Quellen