Flugangst – was tun?

04.07.2019 | Gesundheitstipps

Manchen Menschen bricht schon beim Gedanken ans Fliegen der Schweiß aus. Unter Flugangst leiden gar nicht so wenige. Doch was hilft gegen die Panik beim Ritt über den Wolken? Die wichtigsten Maßnahmen und Tipps.

Ab in den Urlaub! Für Menschen mit Flugangst ist das Reisen mit einem Flugzeug kein großes Vergnügen. Besonders problematisch ist die Flugangst für Menschen, die beruflich viel fliegen müssen. Schon allein der Gedanke, bald in einen Flieger steigen zu müssen, versetzt sie in Panik, Angst und Schrecken.1 Mit einem mulmigen Gefühl, das dass wohl viele beim Fliegen haben, hat die Flugangst nichts zu tun. Oft ist es den Betroffenen bewusst, dass ihre Reaktion übertrieben ist. Die Angst nimmt aber nicht ab, selbst wenn der Nachbar im Flieger völlig entspannt bleibt. Und auch das Wissen darum, dass das Flugzeug eines der sichersten Verkehrsmittel ist, lindert die Angst nicht. Sie kann sich sogar bis zu einer Panikattacke hochsteigern.

Flugangst zählt zu den spezifischen Phobien1,2

Die Flugangst ordnen Mediziner den spezifischen Phobien zu. Dabei haben Menschen Furcht vor ganz bestimmten Situationen, Orten, Objekten oder Tätigkeiten, die eigentlich harmlos sind, zum Beispiel vor:

  • dem Fliegen (Aviophobie),
  • großer Höhe (Höhen- oder Akrophobie),
  • weiten Plätzen und Menschenmassen (Agoraphobie),
  • engen Fahrstühlen, geschlossenen Räumen (Klaustrophobie),
  • Tieren und Insekten (Zoophobie), z.B. Spinnen (Arachnophobie),
  • Wasser (Hydrophobie).

In einer Umfrage aus dem Jahr 20163 unter 1000 Befragten gaben 8,7 Prozent an, große Angst vor dem Fliegen zu haben. Das Institut für Demoskopie Allensbach4 kam zu noch höheren Zahlen: 16 Prozent haben Flugangst und weitere 22 Prozent haben zumindest ein unbehagliches Gefühl beim Fliegen. Insgesamt leiden Frauen häufiger unter Phobien als Männer.1 So sind zum Beispiel 75 bis 90 Prozent der Patienten mit Tierphobien weiblich.

So äußert sich die Flugangst1,2

Bei Menschen mit Flugangst reagiert der Körper auf die vermeintliche Bedrohung. Folgende Symptome können auftreten, manchmal schon beim Gedanken an ein Flugzeug:

  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • schnelle, flache Atmung, Atemnot
  • das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen
  • angespannte Muskeln
  • Schwindel, Zittern, weiche Knie
  • Bauchschmerzen, Übelkeit
  • Durchfall, starker Harndrang
  • Kopfschmerzen

Angst ist eigentlich eine wichtige und natürliche Reaktion auf eine Bedrohung – der Körper bereitet sich aufs Flüchten oder Kämpfen vor. Es dürfte wohl keinen Menschen geben, der noch niemals im Leben Angst hatte. Der Körper schüttet dabei Stresshormone ins Blut aus, die diese Symptome und Reaktionen hervorrufen.

Wichtig zu wissen: Man glaubt zwar, die Stresssituation sei lebensbedrohlich, sie ist es jedoch in Wirklichkeit nicht.

Was hilft gegen die Flugangst?1,2

Viele Menschen mit Flugangst versuchen, das Fliegen partout zu vermeiden. Sie verzichten auf Fernreisen, suchen sich naheliegende Urlaubsziele aus oder reisen selbst lange Strecken mit dem Auto oder Zug. Dabei hilft gegen die Aviophobie besonders eines: In ein Flugzeug steigen und fliegen.

Konfrontations- oder Expositionstherapie heißt diese Art der Behandlung in der Fachsprache. Dabei kombinieren Ärzte eine kognitive Verhaltenstherapie mit der Konfrontation. Ziel ist es, die Angstreaktion und das Vermeidungsverhalten zu vermindern. Betroffene begeben sich bewusst, schrittweise und wiederholt in die Situation, die ihnen Angst macht. Sie:

  • denken zum Beispiel bewusst an Flugzeuge,
  • betrachten Bilder von den stählernen Riesenvögeln,
  • unternehmen eine Fahrt zum Flughafen,
  • setzen sich ins Flugzeug. Dort lassen Sie sich Geräusche und Abläufe erklären, die Sie vielleicht bislang nicht einordnen konnten und die Sie womöglich beunruhigt haben.
  • Erst dann folgt der eigentliche Flug.

Sie strukturieren so ihre gedanklichen Prozesse um und mit der Zeit machen Sie die Erfahrung, dass Fliegen überhaupt nichts Bedrohliches und Schlimmes ist. Sie gewöhnen sich an die Situation und lernen allmählich, im Flugzeug entspannt zu bleiben. Medikamente setzen Ärzte nur sehr selten und kurzfristig ein, beispielsweise Benzodiazepine.5 Diese Mittel sind nur dann eine Option, wenn die Konfrontationstherapie nicht möglich ist. Wenn Sie nicht mehr mit Schweißausbrüchen und anderen Symptomen auf das gefürchtete Objekt reagieren, ist die Flugangst verflogen.

Forscher aus Regensburg6 um Andreas Mühlberger arbeiten derzeit daran, die Konfrontationstherapie in der virtuellen Realität (Virtual Reality, VR) mittels spezieller VR-Brillen durchzuführen. Angstpatienten sehen dabei keine reale, sondern eine digitale 3-D-Welt. Zudem testen die Wissenschaftler die Augmented Reality (AR) bei Phobien, also die erweiterte Realität. Dabei sehen Sie eine reale Welt, die mit virtuellen Inhalten angereichert wird. Auch so lässt sich die Flugangst womöglich abbauen.

Die besten Tipps bei Flugangst7

  • Informieren Sie sich über das Fliegen – ein Flugzeug stürzt nicht so schnell ab, wie Sie vielleicht denken. Wissen lindert Ängste!
  • Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Atemübungen.
  • Wählen Sie einen Platz am Gang und in der Nähe der Tragflächen – das Rütteln oder Auf und Ab ist dort weniger spürbar.
  • Vermeiden Sie Stress vor dem Flug. Kommen Sie frühzeitig zum Flughafen.
  • Verzichten Sie auf Alkohol, bevor es losgeht. Denn die Angst wird so manchmal noch größer.
  • Tragen Sie lockere Kleidung, die Sie nicht einschnürt. Beim Zwiebellook können Sie schnell eine Schicht ablegen, wenn Sie schwitzen.
  • Unterbrechen Sie Ihre negativen, angstauslösenden Gedanken, wenn Sie die Angst im Flugzeug überfällt. Beim Gedankenstopp stellen Sie sich ein großes Stoppschild vor oder rufen innerlich laut: Stopp!
  • Lenken Sie sich ab: Plaudern Sie zum Beispiel mit Ihrem Nachbarn oder hören sie Ihre Lieblingsmusik.
  • Essen und trinken Sie eine Kleinigkeit: Obst, Schokoriegel oder den legendären Tomatensaft, der über den Wolken besonders gut schmecken soll.

Und zuletzt: Fluggesellschaften wissen, dass viele Passagiere oft Flugangst haben. Sie bieten entsprechende Seminare an.

Quellen: