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Pflege in Deutschland noch nicht reif für die Zukunft

Pflege in Deutschland noch nicht reif für die Zukunft

Fellbach, 03.02.2014 – Beim 5. Symposium der SDK-Stiftung diskutierten in Stuttgart ausgewiesene Experten vor 150 Gästen über den „Pflegefall Zukunft“ und suchten Antworten auf die Frage „Sind wir reif für die Pflege?“. Dabei wurde deutlich: die Pflege in Deutschland befindet sich in einem nicht unproblematischen Spannungsfeld und ist noch nicht reif für die Zukunft.

 

Ein gewichtiger Teil dieses Spannungsfeldes, das Pflege zu einem in Deutschland zentralen Zukunftsthema macht, ist in der unaufhaltsamen demografischen Entwicklung begründet. So formulierte Klaus Henkel, Kuratoriumsvorsitzender der SDK-Stiftung, in seiner Begrüßung, dass es in Deutschland vielfältigen Handlungsbedarf bei der Pflege gebe. „Neue Ideen und Wege sind gefragt“, so Henkel, „jedoch sind die finanziellen Möglichkeiten, die Besserung bringen könnten, häufig politisch limitiert“. Dr. Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender der SDK, betonte, dass „das Thema in der Bevölkerung immer wichtiger wird, aber noch lange nicht vollständig im Bewusstsein der Menschen angekommen ist“. Daher benötige man immer wieder neue Impulse und Denkanstöße, so Kantak.

Studien zur demografischen Entwicklung in Deutschland skizzieren bereit seit einigen Jahren alarmierende Zukunftsszenarien. Die Folgen der zunehmenden Überalterung der deutschen Bevölkerung bei gleichzeitigem Geburtenrückgang führte Prof. Dr. Bernd Brüggenjürgen, Leiter des SDK-Instituts für Gesundheitsökonomie an der Steinbeis-Hochschule Berlin, vor Augen. „Aus rein demografischer Sicht können die Alterungsprozesse in unserer Gesellschaft durch kaum eine Maßnahme gestoppt werden“, analysierte Brüggenjürgen und argumentierte, dass die Herausforderung darin bestünde, „optimistische Zukunftsszenarien zu entwerfen“.

 

Verbesserung der Qualifizierung von Pflege-Fachpersonal ein Ansatzpunkt

In ihren Vorträgen plädierten Prof. Dr. Michael Ewers von der Charité Berlin und Prof. Dr. Herbert Hockauf von der Steinbeis-Hochschule Essen für zentrale Verbesserungen bei der Ausbildung und Qualifizierung von Pflegekräften als ein Lösungsansatz, um vor allem dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dabei attestierte Ewers der Pflege insgesamt ein Imageproblem. Dies sei auch ein Grund, warum es in Deutschland schwierig sei, ausreichend wissenschaftlich hochqualifizierte Pflegekräfte auszubilden. Diese seien aber besonders für die Zukunft wichtig, denn „internationale Studien haben vielfach nachgewiesen, dass qualifizierte wissenschaftliche Pflegekräfte einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Systems leisten können“, so Ewers. Junge Menschen würden in der Pflege besonders benötigt, um die Zukunft zu bewältigen, bekräftigte auch Prof. Dr. Hockauf. Er bemängelte, dass sich seit geraumer Zeit in Deutschland im Pflegebereich kaum etwas verändert habe. Gute Ansätze kämen in der Praxis nicht zum Tragen. Ein dramatischer Engpass bei Pflege-Schülern und beim Pflege-Fachpersonal sei zu beobachten. Das liege daran, dass der Pflegeberuf unattraktiv für junge Leute geworden sei: „Wir benötigen gute Kampagnen, um jungen Leuten den Pflegeberuf wieder näher zu bringen“, forderte Hockauf.

 

Politik und Gesundheitswirtschaft gefordert

Um den Pflegebereich voranzubringen, sind vor allem die Politik, aber auch die am Gesundheitssystem beteiligten Unternehmen gefordert. Andreas Besche vom Verband Privater Krankenversicherer stellte die Leistungen und Angebote dar, die die PKV-Branche seit dem Pflege-Versicherungsgesetz von 1994 im Pflegebereich eingebracht hat. Diese hätten sich kontinuierlich ausgeweitet und weiterentwickelt. „Leider liegt die Pflegeberatung in vielen Bundesländern noch brach“, so Besche. Dass für die Zukunft deshalb noch mehr Aktivität gefordert sei, habe der PKV-Verband jedoch erkannt und mit dem Zentrum für Qualität in der Pflege erste Schritte unternommen. Entbürokratisierung und eine Verbesserung der Ausbildungsqualität, zum Beispiel durch eine Qualifizierungsoffensive, seien zentrale Handlungsfelder, auf die sich die Gesundheitspolitik in der anstehenden Legislaturperiode konzentrieren werde, um den Pflegebereich zu stärken, betonte Dr. Christian Berringer vom Bundesgesundheitsministerium: „Im letzten Jahr 2013 ist ein deutlicher Andrang nach neuen Anreizen spürbar gewesen“. Man müsse „die Entwicklung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs als permanenten Prozess der Veränderung“ aufgreifen, um das System zukunftsfähig zu machen.

 

Intensive Arbeit am Image der Pflege tut Not

Mit der Gesellschaft und den technischen Möglichkeiten entwickelt sich auch der Sektor des Pflege-Wohnraums weiter. Dr. Peter Neumann, Geschäftsführer von NeumannConsult, präsentierte Zukunftslösungen, wie pflegegerechter Wohnraum gestaltet werden kann. Ganz entscheidend sei dabei der Kampf gegen fest in den Köpfen der Menschen verankerte Assoziationen mit Pflege-Einrichtungen. „Mangelnde Akzeptanz, Berührungsängste und Vorbehalte verhindern noch, dass sich moderne altersgerechte Assistenzsysteme in Handel und Industrie den Durchbruch in den Mainstream schaffen“, so Neumann. Gerade moderne und für den Benutzer wie auch Betrachter dezent eingerichtete Pflege-Wohnräume könnten auch zu einem positiveren Image des Pflegesektors insgesamt beitragen.

Einig waren sich alle Referenten bei der abschließenden Podiumsdiskussion, dass bei vielen verschiedenen Aspekten vor allem das Image der Pflege aufpoliert werden müsse. Prof. Dr. Michael Ewers regte hierfür an, dass Pflege „als etwas Faszinierendes“ dargestellt werden müsse, „damit heute bereits eine andere Zukunft gestaltet werden kann“.

 

mehr Veranstaltungsinformationen

 

Einmal jährlich treffen sich Fachleute der Gesundheitsbranche beim SDK-Symposium zum Austausch zu einem aktuellen Thema aus Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie. Für die Teilnehmer ist das Symposium gleichzeitig Forum für Fragen, Diskussionen und Anregungen. Das SDK-Institut für Gesundheitsökonomie wurde von der SDK-Stiftung ins Leben gerufen und ist Teil der Steinbeis-Hochschule Berlin. Prof. Dr. Bernd Brüggenjürgen ist Lehrstuhlinhaber. Die SDK-Stiftung leistet mit seinem Lehrstuhl einen Beitrag zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Gesundheitswesen in Deutschland. Die SDK-Stiftung selbst existiert seit 2007. Sie unterstützt unter anderem die internationale Hilfsorganisation „Ärzte der Welt“ sowie die Tour Ginkgo, eine Benefiz-Radveranstaltung der Christiane Eichenhofer-Stiftung zugunsten kranker Kinder.

Die SDK mit Sitz in Fellbach ist in Süddeutschland der Krankenversicherungsspezialist der Volksbanken Raiffeisenbanken. Hier zählt die SDK mit über 700 Millionen Euro Beitragseinnahmen zu den größten privaten Krankenversicherern. Über 600.000 Versicherte bauen beim Thema Gesundheitsvorsorge auf die SDK. Für kompetente Beratung und Hilfe sorgen rund 800 Beschäftigte im Innen- und Außendienst. Mit ihrem Kooperationspartner aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung, der mhplus Krankenkasse, bietet die SDK Vorsorgelösungen aus einer Hand. Renommierte Wirtschaftsmagazine und führende Rating-Unternehmen zählen die SDK zu den besten Unternehmen der Branche. Zu den kleineren Unternehmen zählt die Süddeutsche Lebensversicherung mit etwa 1,7 Milliarden Euro Versicherungssumme. Sie überzeugt durch höchste Kundenzufriedenheit und exzellente Kapitalanlageergebnisse. Die Süddeutsche Allgemeine Versicherung sichert Unfälle ab und macht das Angebot als Personenversicherer komplett.

 

Pressekontakt
Monika Krimmer / Dr. Ulrich Schermaul
0711/5778-647 / 676
monika.krimmer@sdk.de / ulrich.schermaul@sdk.de

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